Steigende Brennstoffkosten treiben Strompreise

Belastung von Haushaltsstrompreisen durch Steuern und Abgaben seit 1996 um 102 Prozent angestiegen

Wien (OTS) - "Die E-Wirtschaft muss sich fast tagtäglich gegen den Vorwurf der Preistreiberei verteidigen. Dieser Vorwurf aber ist völlig unberechtigt, wie dies nun auch eine Untersuchung des namhaften Consulting-Unternehmens A.T. Kearney belegt", erklärte die Generalsekretärin des Verbandes der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ), Barbara Schmidt, bei der Präsentation einer neuen Studie zum Thema Strompreise. "Jeder Haushaltskunde muss heute nominal um 102 Prozent mehr für Steuern und Abgaben bezahlen als noch 1996. Die durch die Liberalisierung nachweisbar eingebrochenen Energiepreise und die abgesenkten Netzentgelte kamen damit nicht den Kunden zugute, sondern flossen als Mehreinnahmen an den Finanzminister", so VEÖ-Präsident Leo Windtner. Mit der neuen Ökostrom-Novelle werden die Belastungen für die Kunden weiter steigen, und die österreichische E-Wirtschaft sei es müde, ständig die Verantwortung für Strompreiserhöhungen übernehmen zu müssen. Und Windtner weiter: "Die nun vorliegende Studie weist die Preistreiber klar aus: Am Großhandelsmarkt sind es die Brennstoffkosten und die Preise für die CO2-Zertifikate. Und am Endkundenmarkt - ob bei Haushalten oder Industrie - schneidet sich vor allem der Staat ein immer größer werdendes Stück vom Kuchen ab."

Strompreise 2007 auf gleichem Niveau wie vor der Liberalisierung Tatsächlich belief sich die Abgabenbelastung bei den Haushalten 1996 noch auf 19,4 Prozent der Gesamtstromkosten. Mittlerweile liegt sie auf über 31 Prozent (+102%). Und auch bei der Industrie stellen sich die Verhältnisse nicht viel anders dar: Lag der Anteil von Steuern und Abgaben 1996 noch bei 21,6 Prozent, beläuft sich diese Position nunmehr bereits auf mehr als 35 Prozent (+116%).

"Insgesamt aber belegen die Zahlen, die wir nun präsentieren können, dass im Zuge der Liberalisierung des österreichischen Strommarktes die Endkundenpreise stark gesunken sind - insbesondere bei den Industriekunden", erklärte Florian Haslauer, Vice President von A.T. Kearney, die zentralen Ergebnisse seiner Untersuchungen.

Parallel mit den Großhandelspreisen seien zwar die Endkundenpreise wieder etwas angestiegen, doch "real befinden sich die Haushaltkundenpreise heute nur etwa vier Prozent über dem Niveau von 1996", so Haslauer weiter. "Die Kosten für Energie und Netz liegen hingegen nach wie vor 12 Prozent unter dem Preis von vor über zehn Jahren. Und auch bei den Industriekunden zeichnen die Zahlen ein ähnliches Bild: Real ist hier ein Anstieg des Gesamtstrompreises von nur drei Prozent zu verzeichnen, wobei der Anteil von Energie und Netz nach wie vor 16 Prozent unter dem Vergleichswert von 1996 liegt." Mit diesen Ergebnissen brauche die heimische E-Wirtschaft auch den Vergleich mit den anderen europäischen Ländern nicht zu scheuen: Bei den Industriestrompreisen - ohne Steuern und Abgaben -liege Österreich 15 Prozent unter dem Niveau der sogenannten EU-15, bei den Haushaltsstrompreisen immerhin auch noch mehr als 13 Prozent darunter. Haslauer: "Daran haben nicht nur die massiven Absenkungen der Netzentgelte in den letzten Jahren Anteil, sondern auch, dass die Vertriebsmargen, die die Elektrizitätsunternehmen hierzulande auf den im Wettbewerb stehenden Energiepreis aufschlagen können, in Österreich sehr niedrig sind. Sie liegen bei einem Bruchteil von jenen in Großbritannien oder Schweden, die als wettbewerbsintensive Strommärkte gelten."

Brennstoffpreise prägen die Entwicklung der Großhandelspreise

Der Grundstein für die heimischen Energiepreise wird jedoch letztlich an den europäischen Energiebörsen gelegt, wobei die für den österreichischen Markt relevante Strombörse die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig darstellt. Sie ist - so die Studienautoren - heute bereits sehr gut entwickelt und verfügt durch ihre hohe Zahl an Marktteilnehmern und durch das hohe Handelsvolumen auch über ausreichende Liquidität, um von einer freien, wettbewerblichen Preisbildung sprechen zu können. A.T. Kearney hat im Auftrag des VEÖ auch untersucht, welche Komponenten als die entscheidenden Einflussfaktoren für die Großhandelspreise an der EEX identifiziert werden können. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Höhe der Energiepreise auf dem Großhandelsmarkt ganz wesentlich von der Entwicklung der Brennstoffkosten - und nunmehr auch der CO2-Zertifikatskosten - beeinflusst wird. Haslauer: "Dies führte nachweislich dazu, dass insbesondere die seit 2004 stark angestiegenen Preise für Steinkohle (+11%), Erdöl (+22%) und Erdgas (+19%) eine Erhöhung des Strom-Großhandelspreises (Spot Base) von neun Prozent auslösten. Diese Entwicklung hat früher oder später Auswirkungen auf die Endkundenpreise."

Steigende Großhandelspreise erhöhen langsam Investitionsattraktivität für Erzeuger

"Im liberalisierten Markt wird über Investitionsentscheidungen letztlich mit dem Rechenstift abgestimmt", betonte VEÖ-Präsident Windtner. "Wichtigen Einfluss bei solch langfristigen Entscheidungen hat in diesem Zusammenhang - und wir werden nicht müde, dies immer und immer wieder zu betonen - die Stabilität der Rahmenbedingungen, ob rechtlicher, politischer oder wirtschaftlicher Art. Denn auch sie schlagen sich letztlich in nachweisbaren Kosten nieder." Die primären Überlegungen bei Erzeugungsinvestitionen gründen sich jedoch auf den errechneten Gesamt-Stromerzeugungskosten, das heißt auf der Summe von Kapitalkosten, Brennstoff- und CO2-Kosten sowie Betriebskosten. A.T. Kearney hat auf dieser Basis auch die Investitionsattraktivität des heimischen Strommarktes untersucht.

Haslauer: "Für die Wirtschaftlichkeit einer Kraftwerksinvestition müssen die Strompreise langfristig über den Gesamt-Stromerzeugungskosten liegen. Das Ergebnis unserer Untersuchungen aber brachte Interessantes zutage: Im vergangenen Jahrzehnt lagen die Erzeugungskosten bei allen Technologien - auch bei der Wasserkraft - in Wahrheit über den Großhandelspreisen. Erst im Jahr 2007 waren die Erzeugungskosten bei Steinkohle (Base), Erdgas (Peak) und bei Pumpspeicherkraftwerken (Peak) zum ersten Mal etwas geringer als die Großhandelspreise, was erstmals im Betrachtungszeitraum einen ausreichenden Inves-titionsanreiz bedeutet. Die Gesamt-Erzeugungskosten pro Megawattstunde Laufwasserkraft sind hingegen sind nach wie vor höher als die Börsenpreise", legte Haslauer dar.

"Die nun vorgelegte Studie illustriert, dass die österreichische E-Wirtschaft die Liberalisierungsgewinne eindeutig an ihre Kunden weitergegeben hat - und dies bei einer konstant hohen Versorgungssicherheit von 99,9 Prozent", fasste Barbara Schmidt die Studienergebnisse zusammen. "Die Treiber der unter dem Inflationsniveau angestiegenen Strompreise sind die wachsenden Steuern und Abgaben und die zuletzt stark steigenden Brennstoffkosten. Die E-Wirtschaft hat sich hier kein Körberlgeld gemacht", betonte die Generalsekretärin.

Und Windtner ergänzte, es sei nun dringend an der Zeit, in die Zukunft der heimischen Stromversorgung zu investieren. "Österreich braucht neue Erzeugungs- und Netz-kapazitäten. Diese Investitionen können aber nur getätigt werden, wenn sie auch Berücksichtigung in den Netztarifen finden und die Großhandelspreise klar über den Erzeugungskosten zu liegen kommen. Denn die wichtigen, großen Erzeugungskapazitäten, und hier spreche ich insbesondere von der Wasserkraft, werden nicht staatlich subventioniert und müssen daher nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten kalkuliert werden. Was die E-Wirtschaft also umso mehr braucht, sind sichere Rahmenbedingungen und ein öffentliches Bekenntnis gegen Importabhängigkeit und für eine sichere und saubere heimische Stromversorgung", unterstrich der VEÖ-Präsident.

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Mag. Angelika E. Reschenauer, MBA
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