- 20.05.2008, 10:43:08
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Steigende Brennstoffkosten treiben Strompreise
Belastung von Haushaltsstrompreisen durch Steuern und Abgaben seit 1996 um 102 Prozent angestiegen
Wien (OTS) - "Die E-Wirtschaft muss sich fast tagtäglich gegen den
Vorwurf der Preistreiberei verteidigen. Dieser Vorwurf aber ist
völlig unberechtigt, wie dies nun auch eine Untersuchung des
namhaften Consulting-Unternehmens A.T. Kearney belegt", erklärte die
Generalsekretärin des Verbandes der Elektrizitätsunternehmen
Österreichs (VEÖ), Barbara Schmidt, bei der Präsentation einer neuen
Studie zum Thema Strompreise. "Jeder Haushaltskunde muss heute
nominal um 102 Prozent mehr für Steuern und Abgaben bezahlen als noch
1996. Die durch die Liberalisierung nachweisbar eingebrochenen
Energiepreise und die abgesenkten Netzentgelte kamen damit nicht den
Kunden zugute, sondern flossen als Mehreinnahmen an den
Finanzminister", so VEÖ-Präsident Leo Windtner. Mit der neuen
Ökostrom-Novelle werden die Belastungen für die Kunden weiter
steigen, und die österreichische E-Wirtschaft sei es müde, ständig
die Verantwortung für Strompreiserhöhungen übernehmen zu müssen. Und
Windtner weiter: "Die nun vorliegende Studie weist die Preistreiber
klar aus: Am Großhandelsmarkt sind es die Brennstoffkosten und die
Preise für die CO2-Zertifikate. Und am Endkundenmarkt - ob bei
Haushalten oder Industrie - schneidet sich vor allem der Staat ein
immer größer werdendes Stück vom Kuchen ab."
Strompreise 2007 auf gleichem Niveau wie vor der Liberalisierung
Tatsächlich belief sich die Abgabenbelastung bei den Haushalten 1996
noch auf 19,4 Prozent der Gesamtstromkosten. Mittlerweile liegt sie
auf über 31 Prozent (+102%). Und auch bei der Industrie stellen sich
die Verhältnisse nicht viel anders dar: Lag der Anteil von Steuern
und Abgaben 1996 noch bei 21,6 Prozent, beläuft sich diese Position
nunmehr bereits auf mehr als 35 Prozent (+116%).
"Insgesamt aber belegen die Zahlen, die wir nun präsentieren
können, dass im Zuge der Liberalisierung des österreichischen
Strommarktes die Endkundenpreise stark gesunken sind - insbesondere
bei den Industriekunden", erklärte Florian Haslauer, Vice President
von A.T. Kearney, die zentralen Ergebnisse seiner Untersuchungen.
Parallel mit den Großhandelspreisen seien zwar die Endkundenpreise
wieder etwas angestiegen, doch "real befinden sich die
Haushaltkundenpreise heute nur etwa vier Prozent über dem Niveau von
1996", so Haslauer weiter. "Die Kosten für Energie und Netz liegen
hingegen nach wie vor 12 Prozent unter dem Preis von vor über zehn
Jahren. Und auch bei den Industriekunden zeichnen die Zahlen ein
ähnliches Bild: Real ist hier ein Anstieg des Gesamtstrompreises von
nur drei Prozent zu verzeichnen, wobei der Anteil von Energie und
Netz nach wie vor 16 Prozent unter dem Vergleichswert von 1996
liegt." Mit diesen Ergebnissen brauche die heimische E-Wirtschaft
auch den Vergleich mit den anderen europäischen Ländern nicht zu
scheuen: Bei den Industriestrompreisen - ohne Steuern und Abgaben -
liege Österreich 15 Prozent unter dem Niveau der sogenannten EU-15,
bei den Haushaltsstrompreisen immerhin auch noch mehr als 13 Prozent
darunter. Haslauer: "Daran haben nicht nur die massiven Absenkungen
der Netzentgelte in den letzten Jahren Anteil, sondern auch, dass die
Vertriebsmargen, die die Elektrizitätsunternehmen hierzulande auf den
im Wettbewerb stehenden Energiepreis aufschlagen können, in
Österreich sehr niedrig sind. Sie liegen bei einem Bruchteil von
jenen in Großbritannien oder Schweden, die als wettbewerbsintensive
Strommärkte gelten."
Brennstoffpreise prägen die Entwicklung der Großhandelspreise
Der Grundstein für die heimischen Energiepreise wird jedoch
letztlich an den europäischen Energiebörsen gelegt, wobei die für den
österreichischen Markt relevante Strombörse die European Energy
Exchange (EEX) in Leipzig darstellt. Sie ist - so die Studienautoren
- heute bereits sehr gut entwickelt und verfügt durch ihre hohe Zahl
an Marktteilnehmern und durch das hohe Handelsvolumen auch über
ausreichende Liquidität, um von einer freien, wettbewerblichen
Preisbildung sprechen zu können. A.T. Kearney hat im Auftrag des VEÖ
auch untersucht, welche Komponenten als die entscheidenden
Einflussfaktoren für die Großhandelspreise an der EEX identifiziert
werden können. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Höhe der
Energiepreise auf dem Großhandelsmarkt ganz wesentlich von der
Entwicklung der Brennstoffkosten - und nunmehr auch der
CO2-Zertifikatskosten - beeinflusst wird. Haslauer: "Dies führte
nachweislich dazu, dass insbesondere die seit 2004 stark
angestiegenen Preise für Steinkohle (+11%), Erdöl (+22%) und Erdgas
(+19%) eine Erhöhung des Strom-Großhandelspreises (Spot Base) von
neun Prozent auslösten. Diese Entwicklung hat früher oder später
Auswirkungen auf die Endkundenpreise."
Steigende Großhandelspreise erhöhen langsam Investitionsattraktivität
für Erzeuger
"Im liberalisierten Markt wird über Investitionsentscheidungen
letztlich mit dem Rechenstift abgestimmt", betonte VEÖ-Präsident
Windtner. "Wichtigen Einfluss bei solch langfristigen Entscheidungen
hat in diesem Zusammenhang - und wir werden nicht müde, dies immer
und immer wieder zu betonen - die Stabilität der Rahmenbedingungen,
ob rechtlicher, politischer oder wirtschaftlicher Art. Denn auch sie
schlagen sich letztlich in nachweisbaren Kosten nieder." Die primären
Überlegungen bei Erzeugungsinvestitionen gründen sich jedoch auf den
errechneten Gesamt-Stromerzeugungskosten, das heißt auf der Summe von
Kapitalkosten, Brennstoff- und CO2-Kosten sowie Betriebskosten. A.T.
Kearney hat auf dieser Basis auch die Investitionsattraktivität des
heimischen Strommarktes untersucht.
Haslauer: "Für die Wirtschaftlichkeit einer Kraftwerksinvestition
müssen die Strompreise langfristig über den
Gesamt-Stromerzeugungskosten liegen. Das Ergebnis unserer
Untersuchungen aber brachte Interessantes zutage: Im vergangenen
Jahrzehnt lagen die Erzeugungskosten bei allen Technologien - auch
bei der Wasserkraft - in Wahrheit über den Großhandelspreisen. Erst
im Jahr 2007 waren die Erzeugungskosten bei Steinkohle (Base), Erdgas
(Peak) und bei Pumpspeicherkraftwerken (Peak) zum ersten Mal etwas
geringer als die Großhandelspreise, was erstmals im
Betrachtungszeitraum einen ausreichenden Inves-titionsanreiz
bedeutet. Die Gesamt-Erzeugungskosten pro Megawattstunde
Laufwasserkraft sind hingegen sind nach wie vor höher als die
Börsenpreise", legte Haslauer dar.
"Die nun vorgelegte Studie illustriert, dass die österreichische
E-Wirtschaft die Liberalisierungsgewinne eindeutig an ihre Kunden
weitergegeben hat - und dies bei einer konstant hohen
Versorgungssicherheit von 99,9 Prozent", fasste Barbara Schmidt die
Studienergebnisse zusammen. "Die Treiber der unter dem
Inflationsniveau angestiegenen Strompreise sind die wachsenden
Steuern und Abgaben und die zuletzt stark steigenden
Brennstoffkosten. Die E-Wirtschaft hat sich hier kein Körberlgeld
gemacht", betonte die Generalsekretärin.
Und Windtner ergänzte, es sei nun dringend an der Zeit, in die
Zukunft der heimischen Stromversorgung zu investieren. "Österreich
braucht neue Erzeugungs- und Netz-kapazitäten. Diese Investitionen
können aber nur getätigt werden, wenn sie auch Berücksichtigung in
den Netztarifen finden und die Großhandelspreise klar über den
Erzeugungskosten zu liegen kommen. Denn die wichtigen, großen
Erzeugungskapazitäten, und hier spreche ich insbesondere von der
Wasserkraft, werden nicht staatlich subventioniert und müssen daher
nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten kalkuliert werden. Was die
E-Wirtschaft also umso mehr braucht, sind sichere Rahmenbedingungen
und ein öffentliches Bekenntnis gegen Importabhängigkeit und für eine
sichere und saubere heimische Stromversorgung", unterstrich der
VEÖ-Präsident.
Rückfragehinweis:
Mag. Angelika E. Reschenauer, MBA
VEÖ-Kommunikation
Tel. +43/1/50198241
mailto:[email protected]
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