• 19.05.2008, 17:16:04
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Unternehmen als Spielbälle der Politiker - von Esther Mitterstieler

Der rote Faden hält: Kaum ist irgendwo Staat drin, geht es rund.

Wien (OTS) - Es war da einmal die Vorgabe, dass die verstaatlichte
Industrie privatisiert werden soll. Weil der Staat erwiesenermaßen
ein schlechter Unternehmer ist. Ein Blick Richtung Voestalpine reicht
aus, um festzustellen: Die Privatisierung ist gelungen. Zwei
Jahrzehnte später hält der Staat über die Beteiligungsholding ÖIAG
immer noch Anteile an wichtigen Unternehmen: Ob Telekom Austria
(27,23 Prozent), OMV (31,5 Prozent), AUA (42,75 Prozent) oder Post
(51 Prozent) nun adäquat geführt werden, hängt nicht nur von den
betroffenenen Managern, sondern auch von der Politik ab.

Der Vorteil des Staatsanteils liegt darin, dass wichtige
Infrastruktur zumindest zum Teil, am besten über eine Sperrminorität,
in den Händen der öffentlichen Hand ihren Platz haben sollte. Der
Nachteil folgt auf dem Fuß: Wo Staat drinsteckt, fühlt sich die
Politik viel zu oft berufen, mitzureden.

Was zur Zeit abläuft, ist die negative Untermauerung dieser These.
Trotz anderslautender Beteuerungen kann sich die ÖIAG nicht von den
Zurufen aus der Politik abkoppeln. Da redet der AUA-Vorstandschef
gleich selber mit dem Finanzminister, wenn es um den Einstieg eines
saudischen Geschäftsmannes in die nationale Airline geht. Alfred
Ötsch hat dabei nicht nur ÖIAG-Chef Peter Michaelis unelegant
umschifft, Ötsch hat auch gezeigt, was er unter Unternehmensstrategie
versteht: Zuerst passt die Stand-Alone-Lösung für die AUA. Kurze
Zeit später schafft Ötsch den Salto rückwärts und sucht plötzlich
einen Partner. Die Spitze ist erreicht, da Ötsch auch noch als
Generaldirektor des Verbundes gehandelt werden soll. Hat dafür seine
Performance der vergangenen Wochen gesorgt? Oder vielleicht die
Tatsache, dass ihn Hans Haider, Vorgänger von Verbund-Chef Michael
Pistauer, ins Spiel gebracht haben könnte? Was Haider und Ötsch
verbindet, ist ihre Arbeitszeit bei Siemens.

Damit wären wir beim Verbund, auch dieser mit 51 Prozent
Staatsanteil. Der rote (Polit-)Faden hält leider: Kaum ist irgendwo
Staat drin, geht es rund. Wer in der schwarz-blauen-orangen
Regierungszeit beim Postenschacher Einhalt gegenüber den langjährigen
rot-schwarzen Seilschaften erwartete, irrte gewaltig. Genauso, wer
auf neue Zeiten unter Alfred Gusenbauer hoffte. Der Ausweg? Rückzug
des Staates auf die Sperrminorität und raus mit unfähigen, wie immer
gefärbten, Managern. Management sollte vor allem heißen, mit dem
eigenen Kopf zu denken. Was die Politik ungern zulässt, was aber bei
börsenotierten Unternehmen und nicht nur - siehe ÖBB und Asfinag -
unumgänglich ist.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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