WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Unternehmen als Spielbälle der Politiker - von Esther Mitterstieler

Der rote Faden hält: Kaum ist irgendwo Staat drin, geht es rund.

Wien (OTS) - Es war da einmal die Vorgabe, dass die verstaatlichte Industrie privatisiert werden soll. Weil der Staat erwiesenermaßen ein schlechter Unternehmer ist. Ein Blick Richtung Voestalpine reicht aus, um festzustellen: Die Privatisierung ist gelungen. Zwei Jahrzehnte später hält der Staat über die Beteiligungsholding ÖIAG immer noch Anteile an wichtigen Unternehmen: Ob Telekom Austria (27,23 Prozent), OMV (31,5 Prozent), AUA (42,75 Prozent) oder Post (51 Prozent) nun adäquat geführt werden, hängt nicht nur von den betroffenenen Managern, sondern auch von der Politik ab.

Der Vorteil des Staatsanteils liegt darin, dass wichtige Infrastruktur zumindest zum Teil, am besten über eine Sperrminorität, in den Händen der öffentlichen Hand ihren Platz haben sollte. Der Nachteil folgt auf dem Fuß: Wo Staat drinsteckt, fühlt sich die Politik viel zu oft berufen, mitzureden.

Was zur Zeit abläuft, ist die negative Untermauerung dieser These. Trotz anderslautender Beteuerungen kann sich die ÖIAG nicht von den Zurufen aus der Politik abkoppeln. Da redet der AUA-Vorstandschef gleich selber mit dem Finanzminister, wenn es um den Einstieg eines saudischen Geschäftsmannes in die nationale Airline geht. Alfred Ötsch hat dabei nicht nur ÖIAG-Chef Peter Michaelis unelegant umschifft, Ötsch hat auch gezeigt, was er unter Unternehmensstrategie versteht: Zuerst passt die Stand-Alone-Lösung für die AUA. Kurze Zeit später schafft Ötsch den Salto rückwärts und sucht plötzlich einen Partner. Die Spitze ist erreicht, da Ötsch auch noch als Generaldirektor des Verbundes gehandelt werden soll. Hat dafür seine Performance der vergangenen Wochen gesorgt? Oder vielleicht die Tatsache, dass ihn Hans Haider, Vorgänger von Verbund-Chef Michael Pistauer, ins Spiel gebracht haben könnte? Was Haider und Ötsch verbindet, ist ihre Arbeitszeit bei Siemens.

Damit wären wir beim Verbund, auch dieser mit 51 Prozent Staatsanteil. Der rote (Polit-)Faden hält leider: Kaum ist irgendwo Staat drin, geht es rund. Wer in der schwarz-blauen-orangen Regierungszeit beim Postenschacher Einhalt gegenüber den langjährigen rot-schwarzen Seilschaften erwartete, irrte gewaltig. Genauso, wer auf neue Zeiten unter Alfred Gusenbauer hoffte. Der Ausweg? Rückzug des Staates auf die Sperrminorität und raus mit unfähigen, wie immer gefärbten, Managern. Management sollte vor allem heißen, mit dem eigenen Kopf zu denken. Was die Politik ungern zulässt, was aber bei börsenotierten Unternehmen und nicht nur - siehe ÖBB und Asfinag -unumgänglich ist.

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