Welt-Hepatitistag: Grünewald erinnert an Hepatitis C Plasma-Skandal in den 70er und 80er Jahren

Grüne: Sozialversicherungen verzichten auf 72 Mio. Euro - Kdolsky soll Krankenkassen bei Rückforderungen unterstützen

Wien (OTS) - Anlässlich des heutigen Welt-Hepatitistages erinnern die Grünen an einen der größten Arzneimittelskandale Österreichs. In den siebziger und achtziger Jahren infizierten sich in den Labors der Fa. Seroplas Österreichweit ca. 600 Menschen mit Hepatitis C. Grund waren mangelnde Hygienebedingungen und laxe Sicherheitsvorkehrungen. "Die Dunkelziffer ist jedoch weitaus höher. Immer noch melden sich ehemalige PlasmaspenderInnen, da die Krankheit meist erst in einem späten Stadium erkannt wird, und sie erst jetzt einen Zusammenhang zwischen der Erkrankung und ihrer damaligen Plasmaspende herstellen können", erklärt Kurt Grünewald, Gesundheitssprecher der Grünen und kritisiert, dass "das Geld im vom Bund eingerichteten Härtefonds pro betroffener Person dadurch immer weniger wird und nicht für die notwendigen Behandlungen reicht."

Ein Prozess von 259 Infizierten gegen die Firma Seroplas endete im Jahr 2001 mit einem Vergleich. Obwohl der Prozess gewonnen hätte werden können, wollten die KlägerInnen einen außergerichtlichen Vergleich. Sie hatten Angst, das Ende des Prozesses nicht mehr zu erleben. Drei KlägerInnen starben noch während der Vergleichsverhandlungen, 30 weitere seither. Leider fiel die Vergleichssumme gering aus.

Auch vier Sozialversicherungsträger, die nicht im Prozess involviert waren, schlossen sich dem Vergleich an: Die WGKK, die Versicherungsanstalt der öffentlich Bediensteten und der gewerblichen Wirtschaft sowie die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Für diese sind weitere Klagen also aussichtslos. "Laut einem Gutachten der Universität Salzburg bestehen für die zehn anderen Versicherungsanstalten nach wie vor gute Chancen, sich vom Plasmakonzern die Behandlungskosten zurückzuholen. Schätzungen gehen von 72 Millionen Euro aus, die den Kassen und Versicherungen durch die HepatitispatientInnen entstanden sind und die nun zurückgefordert werden könnten", so Grünewald.

Der Hauptverband hat das Rechtsgutachten finanziell unterstützt, ebenso wie die Pensionsversicherungsanstalt und die Selbsthilfegruppe Hepatitis Liga Österreich im Wege einer Förderung durch die Konsumentenschutzsektion.
"Das Rechtsgutachten liegt nun schon seit einiger Zeit dem Hauptverband vor, der jedoch bisher von weiteren Regressforderungen Abstand genommen hat. Es ist nicht einzusehen, dass die Sozialversicherungen angesichts der bestehenden Defizite auf 72 Millionen Euro verzichten", so Grünewald, der Gesundheitsministerin Kdolsky auffordert, die Krankenkassen bei den Rückforderungen zu unterstützen.

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