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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Preis für Sticheleien" (von Thomas Götz)
Ausgabe vom 18.05.2008
Graz (OTS) - Die große Reise ist vorbei, die Heimat hat ihn
wieder. Alfred Gusenbauers Freude über die Heimkehr aber hält sich in
Grenzen. Zu Hause ist viel passiert in den zehn Tagen und nicht viel
Gutes.
Erst überdeckte die bizarre Debatte um seinen unnötigen Spruch über
arbeitsscheue Abgeordnete die Tour. Dann präsentierte die Regierung
in Abwesenheit ihres Chefs eine Gesundheitsreform, von der wenige
Tage später nicht mehr viel übrig ist. Ein Kommentar des Kanzlers
dazu fehlt. Er äußere sich im Ausland nicht zur Innenpolitik, sagt
Alfred Gusenbauer. Das ist ein gutes Prinzip. Warum aber wird
überhaupt eines der großen Vorhaben seiner Regierung vorgestellt,
wenn er nicht da ist?
Der Hang zur Außenpolitik ist verbreitet unter Spitzenpolitikern.
Dort ist das Terrain weniger vermint als zu Hause, der Prestigegewinn
scheint höher. Es ist kein Zufall, dass die beliebtesten Politiker
fast immer Außenminister sind. Also drängt es die Regierungschefs auf
dieses Terrain. Gerhard Schröder tat sich dort um, Bruno Kreisky
sowieso und auch Alfred Gusenbauer gibt der Versuchung gerne nach.
Er kann es gut. Souverän bewegt sich der Kanzler in mehreren
Sprachen, flüssig parliert er in Spanisch und Englisch. Gusenbauer
kennt sich aus in den Ländern, die er besucht. Peinlichkeiten, wie
sie dem US-Präsidenten gelegentlich passieren, sind ihm nicht
unterlaufen. Für seine fundierte Rede über die Vorzüge des
europäischen Sozialstaats erntete er im chilenischen Parlament sogar
stehende Ovationen. Alfred Gusenbauer ist ein ausgezeichneter
Außenminister.
Warum also bleibt die Anerkennung ausgerechnet dann aus, wenn er
unbestreitbar in seinem Element ist? Der Grazer Bürgermeister fand es
witzig, Gusenbauer wegen seiner Reise einen Urlaubskanzler zu nennen.
Das klingt flott und gefällt vermutlich seiner Klientel. Ein
Politiker aber sollte wissen, dass solche Reisen Schwerarbeit sind
und auch wozu sie dienen. Der Spruch sagt mehr über den
Provinzialismus des Scherzenden als über den reisenden Kanzler.
Industrielle würden nicht tausende Euro investieren, erhofften sie
nicht Vorteile davon. Ein Bundeskanzler kann Türen öffnen, gerade in
Ländern, deren öffentlicher Sektor noch größer ist als in Europa. Und
politisch kann der Blick über den Tellerrand einem kleinen Land
sowieso nicht schaden.
Alfred Gusenbauer aber nützt das nichts. Er wird gemessen an den
kleinen Sticheleien, die er nicht lassen kann. Das mag kleinkariert
sein, aber es ist die Realität. Wer als Kanzler in Pension gehen
will, sollte sich ihr stellen. ****
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