- 13.05.2008, 09:14:08
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Österreichische Diabetes Gesellschaft schlägt Alarm: Österreichs Diabetiker unterversorgt - BILD

Wien (OTS) - Die Zahl der Diabetes-Erkrankungen ist nicht nur in
Österreich, sondern auch weltweit im Steigen begriffen. Neben dem
persönlichen Leid der Betroffenen sind mit diesem Anstieg enorme
Kostensteigerungen für das Gesundheitssystem verbunden, da bei
Diabetes eine erhöhte Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall
besteht.
Disease Management Programm
Um dem steigenden Versorgungsbedürfnis Rechnung zu tragen, wird
derzeit unter der Federführung des Hauptverbands der
Sozialversicherungen und des Bundesministeriums für Gesundheit,
Familie und Jugend das Disease Management Programm "Therapie aktiv"
zur verbesserten Betreuung der Diabetiker etabliert.
Als erste Versorgungsebene werden dabei Ärzte für Allgemeinmedizin
und Internisten zusätzlich ausgebildet. Sie können dadurch in naher
Zukunft die Betreuung von Diabetikern innerhalb dieses Programms
übernehmen.
Die notwendige zweite Versorgungsebene der Spezialisten ist
derzeit noch nicht genau definiert. Es wird an niedergelassenen
Endokrinologen, Internisten mit Spezialausbildung sowie
Diabetesambulanzen gedacht. Doch es gibt gegenwärtig faktisch keine
niedergelassenen Endokrinologen mit Kassenverträgen, auch ist eine
diabetes-spezifische Ausbildung für Internisten noch nicht definiert.
Somit obliegt den Diabetesambulanzen die Betreuung der Diabetiker auf
Spezialistenebene.
Erste österreichweite Erhebung zur Diabetes-Versorgung
Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG), an deren
Leitlinien sich die Behandlung der Diabetiker orientiert, hat
erstmals österreichweit die Zahl und Struktur der Diabetesambulanzen,
die diese Versorgungsebene weitestgehend repräsentieren, erhoben.
Bis zu 40.000 Patienten pro Diabetes-Ambulanz
Die Ergebnisse sind alarmierend. Insgesamt finden sich in
Österreich 72 Ambulanzen, die sich mit der Betreuung der Diabetiker
befassen. Legt man das für Diabetiker wichtige Vorhandensein einer
Fußambulanz als Strukturkriterium und Spezifikum einer ausreichend
gerüsteten Diabetesambulanz an, finden sich nur mehr 44 derartige
Einrichtungen in Österreich. Davon verfügen lediglich 32 Ambulanzen
über einen Facharzt für Innere Medizin mit Zusatzfachausbildung
Endokrinologie/Stoffwechsel, wie dies allgemein gefordert wird. Bei
der Annahme einer Diabetesprävalenz von 5% der Bevölkerung müssen
diese Zentren in Niederösterreich also ca. je 40.000, in der
Steiermark 30.000, in Wien 17.000 und in Tirol 6.000 Patienten
betreuen!
In Niederösterreich kommen damit im Schnitt (!) ca. 37.000
Patienten auf eine diabetologische Fußambulanz. "Diese Daten zeigen
eine deutliche Unterversorgung der spezialisierten Einrichtungen für
die Betreuung der Diabetiker in Österreich", so Univ. Prof. Dr.
Bernhard Ludvik, Präsident der Österreichischen Diabetes
Gesellschaft. "Zudem finden sich regional starke Unterschiede. In
manchen Bundesländern ist deshalb die entsprechende Betreuung der
Diabetiker auf dem letzten medizinischen Stand heute mit Sicherheit
nicht gewährleistet."
Zu wenig ausgebildete Endokrinologen
Die Betreuung des Diabetikers bedürfe auf Grund der
Begleiterkrankungen und der spezifischen Probleme hochqualifizierter
Spezialisten, so Experte Ludvik weiter. Es gebe jedoch viel zu wenige
ausgebildete Endokrinologen, in deren Fachkompetenz die Betreuung der
Diabetiker fällt - vor allem jener mit fortgeschrittenem
Krankheitsverlauf. Dies lässt sich durch die Tatsache erklären, dass
in nur wenigen Krankenhäusern Internistische Abteilungen mit
Schwerpunkt Endokrinologie und Stoffwechsel zu finden sind.
Univ. Doz. Dr. Raimund Weitgasser, Vizepräsident der ÖDG und
Vorsitzender des Ausschusses "Disease Management Programm", sieht
somit die Versorgung im Rahmen des Disease Management Programms
"Therapie aktiv" gefährdet. "Die niedergelassenen Kollegen, welche
die Primärversorgung der Diabetiker vornehmen, können sich derzeit
nur unzureichend an die Spezialisten wenden. Dies ist jedoch vor
allem bei Vorliegen des bedrohlichen diabetischen Fußsyndroms, der
wichtigsten Ursache für Amputationen, von großer Bedeutung!" so
Weitgasser. Zudem seien den Patienten die oft langen Anfahrtszeiten
in manchen Regionen Österreichs kaum zumutbar.
Im Sinne einer Verbesserung der Betreuung der Diabetiker und einer
sinnvollen Etablierung des Disease Management Programms "Therapie
Aktiv" fordert daher die Österreichische Diabetes Gesellschaft die
Schaffung entsprechender Einrichtungen mit qualifiziertem Personal.
Dies bedeutet die Forcierung der Ausbildung von Internisten mit dem
Zusatzfach Endokrinologie und Stoffwechsel, die Schaffung
entsprechender Kassenstellen sowie die strukturelle Verbesserung
vorhandener Einrichtungen.
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
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