Österreichische Diabetes Gesellschaft schlägt Alarm: Österreichs Diabetiker unterversorgt

Wien (OTS) - Die Zahl der Diabetes-Erkrankungen ist nicht nur in Österreich, sondern auch weltweit im Steigen begriffen. Neben dem persönlichen Leid der Betroffenen sind mit diesem Anstieg enorme Kostensteigerungen für das Gesundheitssystem verbunden, da bei Diabetes eine erhöhte Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall besteht.

Disease Management Programm

Um dem steigenden Versorgungsbedürfnis Rechnung zu tragen, wird derzeit unter der Federführung des Hauptverbands der Sozialversicherungen und des Bundesministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend das Disease Management Programm "Therapie aktiv" zur verbesserten Betreuung der Diabetiker etabliert.

Als erste Versorgungsebene werden dabei Ärzte für Allgemeinmedizin und Internisten zusätzlich ausgebildet. Sie können dadurch in naher Zukunft die Betreuung von Diabetikern innerhalb dieses Programms übernehmen.

Die notwendige zweite Versorgungsebene der Spezialisten ist derzeit noch nicht genau definiert. Es wird an niedergelassenen Endokrinologen, Internisten mit Spezialausbildung sowie Diabetesambulanzen gedacht. Doch es gibt gegenwärtig faktisch keine niedergelassenen Endokrinologen mit Kassenverträgen, auch ist eine diabetes-spezifische Ausbildung für Internisten noch nicht definiert. Somit obliegt den Diabetesambulanzen die Betreuung der Diabetiker auf Spezialistenebene.

Erste österreichweite Erhebung zur Diabetes-Versorgung

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG), an deren Leitlinien sich die Behandlung der Diabetiker orientiert, hat erstmals österreichweit die Zahl und Struktur der Diabetesambulanzen, die diese Versorgungsebene weitestgehend repräsentieren, erhoben.

Bis zu 40.000 Patienten pro Diabetes-Ambulanz

Die Ergebnisse sind alarmierend. Insgesamt finden sich in Österreich 72 Ambulanzen, die sich mit der Betreuung der Diabetiker befassen. Legt man das für Diabetiker wichtige Vorhandensein einer Fußambulanz als Strukturkriterium und Spezifikum einer ausreichend gerüsteten Diabetesambulanz an, finden sich nur mehr 44 derartige Einrichtungen in Österreich. Davon verfügen lediglich 32 Ambulanzen über einen Facharzt für Innere Medizin mit Zusatzfachausbildung Endokrinologie/Stoffwechsel, wie dies allgemein gefordert wird. Bei der Annahme einer Diabetesprävalenz von 5% der Bevölkerung müssen diese Zentren in Niederösterreich also ca. je 40.000, in der Steiermark 30.000, in Wien 17.000 und in Tirol 6.000 Patienten betreuen!

In Niederösterreich kommen damit im Schnitt (!) ca. 37.000 Patienten auf eine diabetologische Fußambulanz. "Diese Daten zeigen eine deutliche Unterversorgung der spezialisierten Einrichtungen für die Betreuung der Diabetiker in Österreich", so Univ. Prof. Dr. Bernhard Ludvik, Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft. "Zudem finden sich regional starke Unterschiede. In manchen Bundesländern ist deshalb die entsprechende Betreuung der Diabetiker auf dem letzten medizinischen Stand heute mit Sicherheit nicht gewährleistet."

Zu wenig ausgebildete Endokrinologen

Die Betreuung des Diabetikers bedürfe auf Grund der Begleiterkrankungen und der spezifischen Probleme hochqualifizierter Spezialisten, so Experte Ludvik weiter. Es gebe jedoch viel zu wenige ausgebildete Endokrinologen, in deren Fachkompetenz die Betreuung der Diabetiker fällt - vor allem jener mit fortgeschrittenem Krankheitsverlauf. Dies lässt sich durch die Tatsache erklären, dass in nur wenigen Krankenhäusern Internistische Abteilungen mit Schwerpunkt Endokrinologie und Stoffwechsel zu finden sind.

Univ. Doz. Dr. Raimund Weitgasser, Vizepräsident der ÖDG und Vorsitzender des Ausschusses "Disease Management Programm", sieht somit die Versorgung im Rahmen des Disease Management Programms "Therapie aktiv" gefährdet. "Die niedergelassenen Kollegen, welche die Primärversorgung der Diabetiker vornehmen, können sich derzeit nur unzureichend an die Spezialisten wenden. Dies ist jedoch vor allem bei Vorliegen des bedrohlichen diabetischen Fußsyndroms, der wichtigsten Ursache für Amputationen, von großer Bedeutung!" so Weitgasser. Zudem seien den Patienten die oft langen Anfahrtszeiten in manchen Regionen Österreichs kaum zumutbar.

Im Sinne einer Verbesserung der Betreuung der Diabetiker und einer sinnvollen Etablierung des Disease Management Programms "Therapie Aktiv" fordert daher die Österreichische Diabetes Gesellschaft die Schaffung entsprechender Einrichtungen mit qualifiziertem Personal. Dies bedeutet die Forcierung der Ausbildung von Internisten mit dem Zusatzfach Endokrinologie und Stoffwechsel, die Schaffung entsprechender Kassenstellen sowie die strukturelle Verbesserung vorhandener Einrichtungen.

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