• 05.05.2008, 08:43:19
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ein Flug nach Arabien mit Landung in Italien - von Wolfgang Unterhuber

Heuer fährt die AUA einen satten Verlust ein. Und was dann?

Wien (OTS) - "Die AUA ist saniert". Mit diesem Statement ließ
Airline-Chef Alfred Ötsch im März die Business Community aufhorchen.
Im April kam dann die kalte Dusche: 60 Millionen Verlust im ersten
Quartal. Rund vier Mal soviel wie Anfang 2007. Nicht gerade das also,
was sich AUA-Aktionäre unter einem sanierten Unternehmen vorstellen.
Die Folgen sind bekannt. Der Kurs der AUA-Aktie erreichte historische
Niedrigststände. Sauer war und ist auch der arabische Investor Al
Jaber, der noch vor Bekanntwerden des Quartalsergebnisses seinen
20-Prozent-Einstieg bei der AUA um 150 Millionen Euro fixierte.

Al Jaber fuhr im Anschluss an das Quartalsergebnis eine
Doppelstrategie. Zunächst verlangte er eine Erhöhung seiner Anteile,
dann drohte er mittels Anwälten mit dem Ausstieg aus dem Vertrag.
Alles in allem eine Situation, die Altkanzler Fred Sinowatz als sehr
kompliziert beschreiben würde. Denn hätte Ötsch vor
Vertragsunterzeichnung Al Jaber über den Stand der Dinge im ersten
Quartal im Detail informiert, hätte er sich dem Verdacht ausgesetzt,
Insiderinformationen weiter zu geben. Es bleibt also die Frage, wer
hier wem wie viel Sand in die Augen streuen durfte.

Der AUA-Chef sieht aber so oder so in der ganzen Sache nicht gut aus.
Zum Zeitpunkt seines Sanierungs-Sagers müssen ihm die Jänner- und
Februar-Zahlen bereits bekannt gewesen sein. Ötsch hat seither ein
Glaubwürdigkeits-Problem. Das sehen auch die Kleinanleger so, die den
Airline-Chef bei der kommenden Hauptversammlung am Mittwoch mit
Sicherheit ordentlich "grillen" werden.

Doch hinzu kommt noch mehr: Experten gehen davon aus, dass die AUA
heuer mit Sicherheit 100 (im besten Fall) bis 200 Millionen Verlust
einfahren wird. Und was dann? Immer mehr zeigt sich, dass die
Stand-Alone-Lösung der vergangenen Jahre ein Fehler war. Das trifft
auch ÖIAG-Chef Peter Michaelis, der offenbar von patriotischen und
weniger von rein ökonomischen Gefühlen gelenkt war. Experten,
Analysten und Anleger, welche die Stand-Alone-Strategie kritisch
hinterfragten, wurde aber kein Ohr geschenkt.

Jetzt ist jedenfalls guter Rat teuer. Was bleibt ist der Eindruck,
dass hier amateurhaft gearbeitet und offensichtlich wichtige Zeit
verspielt wurde. Wenn jetzt nicht sofort professionell und
substanziell mit der Rettung der AUA begonnen wird, dann wird
der österreichischen Fluglinie ein Alitalia-Schicksal
bevorstehen.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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