- 28.04.2008, 10:32:24
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Jetzt im Neuen GEWINN
SPÖ-Staatssekretär Christoph Matznetter im GEWINN-Exklusivinterview:
Wien (OTS) - "Die Vermögenssteuer kommt bestimmt - auf Aktien
ebenso wie auf Immobilien oder Kunstgegenstände." Auch
Währungsgewinne bei Fremdwährungskrediten werden spätestens mit 1.
Jänner 2010 ein Fall für die neue Steuer!
"Die neue Vermögenszuwachssteuer wird dann fällig, wenn ein Gewinn
erzielt wird. Das gilt bei Aktien ebenso wie bei Immobilien oder bei
Kunstgegenständen!", meint Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter
kompromisslos im GEWINN-Interview, "entweder am 1. Jänner 2009 oder
am 1. Jänner 2010, das ist noch nicht fixiert. Kommt sie zum späteren
Termin, entstehen zusätzliche Schulden bei den Krankenkassen, für die
dann Zinsen und Tilgungen fällig werden. Daher wäre aus meiner Sicht
der wünschenswertere Termin der 1. Jänner 2009." Sie sei in jedem
Fall notwendig, um die Finanzierungslücken in den Krankenkassen zu
stopfen, weil die Beiträge dafür niemals ausreichen würden. Eine
weitere Verteuerung des Faktors Arbeit sei nicht mehr zu vertreten.
Matznetter: "Nochmals: Ich plädiere für den 1. Jänner 2009. Dabei
soll es aber großzügige Ausnahmen und Freibeträge bei der
Vermögenszuwachssteuer geben."
Ausnahmen für Häuslbauer und Kleinspekulanten
Ohne Ausnahmen würde sie über eine Milliarde Euro einbringen,
tatsächlich wird es aber wesentlich weniger sein, sagt der
Finanzstaatssekretär im GEWINN-Interview: "Schwerpunkte bei den
Ausnahmen werden sein: Hauptwohnsitz, Häuslbauer, Pensionsvorsorge,
Lebensversicherungen und Freibeträge bei Kleinstspekulationen. Wir
haben aber noch nicht über Betragsgrenzen gesprochen." Auch für ein
selbstgebautes Wochenendhäuschen soll es laut Matznetter keine
Vermögenszuwachssteuer geben: "Zahlen muss man ja erst, wenn der
Verkauf einer Immobilie mehr bringt, als man dafür aufgewendet hat.
Da kann man dann auch die Zinsen für den Kredit, den man aufgenommen
hat, abziehen." Nicht ausgenommen sollen jedoch Währungsgewinne bei
Fremdwährungskrediten sein.
Keine Generalausnahme von Grund und Boden
Geht es nach dem SPÖ-Staatssekretär, soll auch Grund und Boden
nicht generell von der Vermögenszuwachssteuer verschont bleiben:
"Wenn jemand Kasse macht, dann soll er auch Steuern zahlen. Wenn etwa
ein Grundstück in ein Einkaufszentrum umgewidmet wird und beim
Verkauf ein hoher Gewinn entsteht, dann ist es eine Frage der
Gerechtigkeit, dass davon auch Steuer bezahlt wird!" Dafür soll es
weder höhere Einheitswerte noch eine höhere Grundsteuer geben. Nicht
antasten will Matznetter auch das 13. und 14. Monatsgehalt.
Lesen Sie das ausführliche Matznetter-Interview und mehr über die
aktuellen Steuerpläne der Politik, über den Wegfall der Erbschafts-
und Schenkungssteuer ab 1. August 2008 und über den Steuerschock für
Stiftungen im neuen GEWINN.
Wirtschaftsforscher Bernhard Felderer warnt im GEWINN-Interview:
"Wozu die Vermögenszuwachssteuer! Mit den Ausnahmen bringt sie
vielleicht nur 100 Millionen Euro und sie erwischt die Falschen."
"Wenn die Zahlen stimmen, die ich kenne, rechne ich damit, dass
sie nicht mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr bringt, wenn man alle
jetzt diskutierten Ausnahmen berücksichtigt", rechnet Bernhard
Felderer, Leiter des Instituts für höhere Studien, dem GEWINN vor,
"wenn man auch weiß, dass es in schlechten Börsenjahren sogar
Abflüsse aus dem Budget geben wird, weil man die Verluste
gegenrechnen muss. Diese wenig ergiebige Steuer an die
Gesundheitskosten zu knüpfen finde ich unglaubwürdig - die
Gesundheitskosten machen heuer rund 26 Milliarden aus, im Jahr 2010
werden es 30 Milliarden sein." Felderer plädiert vielmehr für eine
administrierbare Lösung, etwa die Anhebung der Spekulationsfrist auf
drei Jahre. Und zur Immobilienbesteuerung: "Wenn schon
Steuererhöhung, dann sollte man nur über eine Erhöhung der
Einheitswerte nachdenken. Und wenn man unbedingt die Großverdiener
etwa bei Wertpapieren treffen will, dann könnte man eine betragliche
Obergrenze für einen Zeitraum von beispielsweise fünf Jahren
einführen. Wer zusammengerechnet mehr verdient hat, muss die darüber
hinausgehenden Gewinne versteuern."
Höhere Stiftungssteuer schadet Finanzplatz
Als wenig sinnvoll hält er auch eine höhere Besteuerung der
Stiftungen: "Das wäre das Schlimmste, was man derzeit tun könnte. Ein
absoluter Vertrauensbruch und ein nicht wieder gutzumachender Schaden
für den Finanzplatz."
Jetzt solle man sich vielmehr über Steuerentlastungen als
Steuererhöhungen Gedanken machen. Konkret fordert der
Wirtschaftsforscher: "Die Lohnsteuern massiv senken, ohne
gleichzeitig andere Steuern einzuführen oder zu erhöhen. Eine
Entlastung von vier Milliarden Euro würde ich da schon sehen. Eine
Steuersenkung hat immer belebende Wirkung. In zwei bis vier Jahren
sind mindestens 50 Prozent des Einnahmenausfalls durch die
Steuersenkung aufgrund zusätzlicher wirtschaftlicher Aktivitäten und
damit Steuereinnahmen kompensiert. Dazu kommt, dass es noch genügend
Sparreserven im Gesundheitswesen und anderswo zu heben gibt.
Das ausführliche Felderer-Interview lesen Sie im neuen GEWINN.
Rückfragehinweis:
GEWINN Redaktion
Tel.: 01/5212448
mailto:[email protected]
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