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SPÖ-Staatssekretär Christoph Matznetter im GEWINN-Exklusivinterview:

Wien (OTS) - "Die Vermögenssteuer kommt bestimmt - auf Aktien ebenso wie auf Immobilien oder Kunstgegenstände." Auch Währungsgewinne bei Fremdwährungskrediten werden spätestens mit 1. Jänner 2010 ein Fall für die neue Steuer!

"Die neue Vermögenszuwachssteuer wird dann fällig, wenn ein Gewinn erzielt wird. Das gilt bei Aktien ebenso wie bei Immobilien oder bei Kunstgegenständen!", meint Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter kompromisslos im GEWINN-Interview, "entweder am 1. Jänner 2009 oder am 1. Jänner 2010, das ist noch nicht fixiert. Kommt sie zum späteren Termin, entstehen zusätzliche Schulden bei den Krankenkassen, für die dann Zinsen und Tilgungen fällig werden. Daher wäre aus meiner Sicht der wünschenswertere Termin der 1. Jänner 2009." Sie sei in jedem Fall notwendig, um die Finanzierungslücken in den Krankenkassen zu stopfen, weil die Beiträge dafür niemals ausreichen würden. Eine weitere Verteuerung des Faktors Arbeit sei nicht mehr zu vertreten. Matznetter: "Nochmals: Ich plädiere für den 1. Jänner 2009. Dabei soll es aber großzügige Ausnahmen und Freibeträge bei der Vermögenszuwachssteuer geben."

Ausnahmen für Häuslbauer und Kleinspekulanten

Ohne Ausnahmen würde sie über eine Milliarde Euro einbringen, tatsächlich wird es aber wesentlich weniger sein, sagt der Finanzstaatssekretär im GEWINN-Interview: "Schwerpunkte bei den Ausnahmen werden sein: Hauptwohnsitz, Häuslbauer, Pensionsvorsorge, Lebensversicherungen und Freibeträge bei Kleinstspekulationen. Wir haben aber noch nicht über Betragsgrenzen gesprochen." Auch für ein selbstgebautes Wochenendhäuschen soll es laut Matznetter keine Vermögenszuwachssteuer geben: "Zahlen muss man ja erst, wenn der Verkauf einer Immobilie mehr bringt, als man dafür aufgewendet hat. Da kann man dann auch die Zinsen für den Kredit, den man aufgenommen hat, abziehen." Nicht ausgenommen sollen jedoch Währungsgewinne bei Fremdwährungskrediten sein.

Keine Generalausnahme von Grund und Boden

Geht es nach dem SPÖ-Staatssekretär, soll auch Grund und Boden nicht generell von der Vermögenszuwachssteuer verschont bleiben:
"Wenn jemand Kasse macht, dann soll er auch Steuern zahlen. Wenn etwa ein Grundstück in ein Einkaufszentrum umgewidmet wird und beim Verkauf ein hoher Gewinn entsteht, dann ist es eine Frage der Gerechtigkeit, dass davon auch Steuer bezahlt wird!" Dafür soll es weder höhere Einheitswerte noch eine höhere Grundsteuer geben. Nicht antasten will Matznetter auch das 13. und 14. Monatsgehalt.
Lesen Sie das ausführliche Matznetter-Interview und mehr über die aktuellen Steuerpläne der Politik, über den Wegfall der Erbschafts-und Schenkungssteuer ab 1. August 2008 und über den Steuerschock für Stiftungen im neuen GEWINN.

Wirtschaftsforscher Bernhard Felderer warnt im GEWINN-Interview:

"Wozu die Vermögenszuwachssteuer! Mit den Ausnahmen bringt sie vielleicht nur 100 Millionen Euro und sie erwischt die Falschen."

"Wenn die Zahlen stimmen, die ich kenne, rechne ich damit, dass sie nicht mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr bringt, wenn man alle jetzt diskutierten Ausnahmen berücksichtigt", rechnet Bernhard Felderer, Leiter des Instituts für höhere Studien, dem GEWINN vor, "wenn man auch weiß, dass es in schlechten Börsenjahren sogar Abflüsse aus dem Budget geben wird, weil man die Verluste gegenrechnen muss. Diese wenig ergiebige Steuer an die Gesundheitskosten zu knüpfen finde ich unglaubwürdig - die Gesundheitskosten machen heuer rund 26 Milliarden aus, im Jahr 2010 werden es 30 Milliarden sein." Felderer plädiert vielmehr für eine administrierbare Lösung, etwa die Anhebung der Spekulationsfrist auf drei Jahre. Und zur Immobilienbesteuerung: "Wenn schon Steuererhöhung, dann sollte man nur über eine Erhöhung der Einheitswerte nachdenken. Und wenn man unbedingt die Großverdiener etwa bei Wertpapieren treffen will, dann könnte man eine betragliche Obergrenze für einen Zeitraum von beispielsweise fünf Jahren einführen. Wer zusammengerechnet mehr verdient hat, muss die darüber hinausgehenden Gewinne versteuern."

Höhere Stiftungssteuer schadet Finanzplatz

Als wenig sinnvoll hält er auch eine höhere Besteuerung der Stiftungen: "Das wäre das Schlimmste, was man derzeit tun könnte. Ein absoluter Vertrauensbruch und ein nicht wieder gutzumachender Schaden für den Finanzplatz."

Jetzt solle man sich vielmehr über Steuerentlastungen als Steuererhöhungen Gedanken machen. Konkret fordert der Wirtschaftsforscher: "Die Lohnsteuern massiv senken, ohne gleichzeitig andere Steuern einzuführen oder zu erhöhen. Eine Entlastung von vier Milliarden Euro würde ich da schon sehen. Eine Steuersenkung hat immer belebende Wirkung. In zwei bis vier Jahren sind mindestens 50 Prozent des Einnahmenausfalls durch die Steuersenkung aufgrund zusätzlicher wirtschaftlicher Aktivitäten und damit Steuereinnahmen kompensiert. Dazu kommt, dass es noch genügend Sparreserven im Gesundheitswesen und anderswo zu heben gibt.
Das ausführliche Felderer-Interview lesen Sie im neuen GEWINN.

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