• 27.04.2008, 08:00:00
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"profil": Nobelpreisträger Stiglitz: "Greenspan und Bush schuld an Finanzkrise"

US-Ökonom Stiglitz hält niedrigen Dollar-Kurs für Absicht, Nachbarn zu verarmen

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" weist US-Ökonom und
Nobelpreisträger Joseph Stiglitz einen großen Teil der Schuld für die
US-Finanzkrise dem früheren Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan zu.
"Dieser Mann hat leider viele Fehler gemacht. Der erste war seine
Unterstützung für all die Steuersenkungen, die unter Bush erfolgten.
Diese haben die Wirtschaft nicht sehr stimuliert. Diese Aufgabe wurde
darauf mehr der Geldpolitik übertragen. Doch dann hat er mit
niedrigen Zinsen die Flut an Krediten ausgelöst." Aber auch die
Regierung von US-Präsident George W. Bush habe eine falsche Politik
betrieben. "Ich werfe ihr vor, dass sie mit den laufenden
Steuersenkungen und den enormen Ausgaben für den Irak-Krieg dafür
gesorgt haben, dass die Wirtschaft nicht so widerstandsfähig war, wie
sie es hätte sein sollen."

Die Krise werde Europa weiterhin schwer treffen. "Diese ganze
Geschichte, dass sich Europa jetzt von den Vereinigten Staaten
entkoppeln wird, ist ein Mythos. Vor allem wird der schwache Dollar
weiterhin die europäische Wirtschaft hart treffen, weil er die
europäischen Exporte erschwert." Der niedrige Kurs des Dollars würde
"die Nachbarn absichtlich arm machen", sagt Stiglitz im
"profil"-Interview.

Kritik übt der frühere Wirtschaftsberater des ehemaligen
US-Präsidenten Bill Clinton auch an den "smarten Wall
Street-Managern". "Diese Apologeten des freien Marktes sind für mich
richtige Heuchler. Was sie wirklich anstreben, ist die Freiheit, das
System auszubeuten. Und sie leugnen dabei, dass es auf dem zügellosen
Markt keine Chancengleichheit gibt."

Stiglitz fordert nun ein Hilfsprogramm für US-Bürger mit niedrigen
bis mittleren Einkommen, die ihre Hypotheken für ihre Häuser nicht
mehr zurückzahlen können.

Die US-Militärpräsenz im Irak und Afghanistan werde die Wirtschaft
nicht stimulieren, so Stiglitz im "profil"-Interview. Im Gegenteil:
Ein einziger Monat im Irak koste derzeit über zwölf Milliarden
Dollar. Bis zum Jahr 2012 würden die beiden Militärmissionen Kosten
von insgesamt 3000 Milliarden Dollar verursacht haben.

Rückfragehinweis:
"profil"-Redaktion
Tel.: (01) 534 70 DW 3501 und 3502

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