"profil": Nobelpreisträger Stiglitz: "Greenspan und Bush schuld an Finanzkrise"

US-Ökonom Stiglitz hält niedrigen Dollar-Kurs für Absicht, Nachbarn zu verarmen

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" weist US-Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz einen großen Teil der Schuld für die US-Finanzkrise dem früheren Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan zu. "Dieser Mann hat leider viele Fehler gemacht. Der erste war seine Unterstützung für all die Steuersenkungen, die unter Bush erfolgten. Diese haben die Wirtschaft nicht sehr stimuliert. Diese Aufgabe wurde darauf mehr der Geldpolitik übertragen. Doch dann hat er mit niedrigen Zinsen die Flut an Krediten ausgelöst." Aber auch die Regierung von US-Präsident George W. Bush habe eine falsche Politik betrieben. "Ich werfe ihr vor, dass sie mit den laufenden Steuersenkungen und den enormen Ausgaben für den Irak-Krieg dafür gesorgt haben, dass die Wirtschaft nicht so widerstandsfähig war, wie sie es hätte sein sollen."

Die Krise werde Europa weiterhin schwer treffen. "Diese ganze Geschichte, dass sich Europa jetzt von den Vereinigten Staaten entkoppeln wird, ist ein Mythos. Vor allem wird der schwache Dollar weiterhin die europäische Wirtschaft hart treffen, weil er die europäischen Exporte erschwert." Der niedrige Kurs des Dollars würde "die Nachbarn absichtlich arm machen", sagt Stiglitz im "profil"-Interview.

Kritik übt der frühere Wirtschaftsberater des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton auch an den "smarten Wall Street-Managern". "Diese Apologeten des freien Marktes sind für mich richtige Heuchler. Was sie wirklich anstreben, ist die Freiheit, das System auszubeuten. Und sie leugnen dabei, dass es auf dem zügellosen Markt keine Chancengleichheit gibt."

Stiglitz fordert nun ein Hilfsprogramm für US-Bürger mit niedrigen bis mittleren Einkommen, die ihre Hypotheken für ihre Häuser nicht mehr zurückzahlen können.

Die US-Militärpräsenz im Irak und Afghanistan werde die Wirtschaft nicht stimulieren, so Stiglitz im "profil"-Interview. Im Gegenteil:
Ein einziger Monat im Irak koste derzeit über zwölf Milliarden Dollar. Bis zum Jahr 2012 würden die beiden Militärmissionen Kosten von insgesamt 3000 Milliarden Dollar verursacht haben.

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