Zur Situation des Radio-Symphonieorchesters Wien

Offener Brief des Kunstsenats

Wien (OTS) - Seit etwa 1995 ist eine Tendenz der Verantwortlichen
im ORF, durch Einsparungsmanöver die Existenz des einzigen österreichischen Radio-Symphonieorchesters (RSO) in Frage zu stellen, deutlich erkennbar.

2002 wurden durch den engagierten Einsatz des Chefdirigenten, öffentlicher Institutionen wie des Kunstsenats und die Publikation einer überwältigenden Zahl von Unterschriften international maßgeblicher Repräsentanten der Musikwelt diesbezüglich ruinöse Pläne gestoppt.

Eine eben publik gewordene Passage aus einem Mail des Kultur- und Programmchefs von Ö1, Alfred Treiber, an den Generalintendanten des ORF, Alexander Wrabetz, lautet: "Ö1 ist der Hund, das Orchester bestenfalls der schön doupierte (sic) Schwanz, ohne den der Hund auch leben kann." Darüber hinaus wird zur Diskussion gestellt, das Orchester auf ein Ensemble für Neue Musik zu verkleinern, dessen Chefdirigent auch gleich das Management des Klangkörpers übernehmen könnte. Daraus geht eindeutig hervor, dass es nicht nur - wie vom ORF-Kommunikationschef interpretiert - um die üblichen "internen Vorgänge" im Rahmen von Budgetverhandlungen geht, sondern um eine Grundeinstellung, die für das "Musikland Österreich" eine Schande und überdies sachlich unvertretbar ist. Wir brauchen kein weiteres Ensemble für Neue Musik, sondern ein Orchester, dem es seiner Besetzung und Qualität gemäß möglich ist, wenig präsentierte und neue Orchestermusik, die komponiert wurde und komponiert wird, aufzuführen.

Das international besser denn je renommierte RSO ist dazu hervorragend in der Lage; es geht also darum, dass das ewige Gezerre um die Existenz und die notwendige Dotierung dieses Orchesters ein für alle Mal ein Ende findet und ein professionelles Management bestellt wird, das für derartige Aufgaben nach internationalen Maßstäben qualifiziert ist.

Gerd Bacher hat seinerzeit den ORF als Österreichs größte "Kulturorgel" bezeichnet. Die gegenwärtig ausgerechnet im Gebiet der Musik kursierenden Planspiele sind eines Kulturlandes wie Österreich absolut unwürdig.

Für den Kunstsenat der Präsident Hans Hollein
insbesondere die Mitglieder Friedrich Cerha, Heinz Karl Gruber und Kurt Schwertsik

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