• 25.04.2008, 12:35:26
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"Das Querdenken in der Kunst ist langweiligem Konformismus gewichen"

Franz Koglmann als künstlerischer Querdenker beim RKH Bilanzbericht 2007.

Wien (OTS) - Franz Koglmann präsentierte Mitte der 80er Jahre -
angesichts des verblassenden Vorbilds des amerikanischen Jazz -
seinen europäischen Gegenentwurf. Mit seiner Lebensgefährtin Ingrid
Karl gründete er die Wiener Musik Galerie, welche zahlreiche
international besetzte Festivals und Workshops durchführte.
Vergangenen November feierte die Wiener Musikgalerie ihr 25jähriges
Bestehen mit einem 3tägigen Festival im ORF RadioKulturhaus (9. bis
11.11.07) - mit internationaler Besetzung: String Trio of New York,
Steve Kuhn Trio mit Sheila Jordan, Bob Zieff Chamber Jazz Ensemble,
Richie Beirach, Franz Koglmann Pipetet u.a.
Die Entstehung von Franz Koglmanns Komposition "Nächtliche
Spaziergänge" - eine Auftragskomposition der europäischen
Kulturhauptstadt 2007 Sibiu/Hermannstadt - war Thema einer Ausgabe
der Ö1-Reihe "Tonspuren", die in der RadioKulturhaus-Reihe "Im
Zauberberg" samt Werkstattgespräch präsentiert wurde (12.11.07).

Franz Koglmann war und ist gern gesehener Gast im RadioKulturhaus.
Auch in der kommenden Spielsaison, am 12.12.2008 im Rahmen der
Wiener Musik Galerie.
Titel: "A Matter of Affinity. Bob Zieff meets Franz Koglmann".
Der 1927 in der Nähe von Boston geborene geheimnisumwitterte
Jazzkomponist Bob Zieff, der vor allem in den 50er Jahren durch seine
Zusammenarbeit mit Chet Baker Maßstäbe setzte, wird für diesen Anlass
ein neues Programm komponieren/arrangieren, welches vom "Franz
Koglmann Pipetet" unter Zieffs Leitung erarbeitet wird. Franz
Koglmann wird ein neues Programm für sein "Monoblue Quartet"
vorstellen. Es handelt sich um eine Hommage an Vladimir Nabokov unter
dem Titel "Lo - lee - ta".

"Mit Kunst sind keine Wählerstimmen zu gewinnen, weshalb sich
Politiker heute gern ihrer kulturpolitischen Verantwortung entledigen
und die Künstler eiligst in die Position "Neuer Selbstständiger"
drängten. Die marktwirtschaftliche Philosophie wird halt auch dort
hochgehalten, wo es keinen, oder kaum einen Markt gibt. Mit einer
qualifizierten Minderheit will man sich offensichtlich nicht mehr
identifizieren. Erweist sich der Künstler in wirtschaftlicher
Hinsicht als effektiv, ist natürlich alles anders. Dann ist er
meistens schon der Unterhaltungsindustrie zuzurechnen, und dass man
mit dieser nichts zu tun haben möchte, traut man sich heute ja schon
gar nicht mehr zu sagen - so hoch steht sie im Kurs.

Leider muss man sagen, dass in der Welt der Kunst diese Tendenz
einer inhaltlichen Vereinfachung oft reibungslos mit vollzogen wird.
Das Unbequeme, Subversive ist einem langweiligen Konformismus
gewichen, alles muss populär sein, alles muss Geld einspielen.
Vor einigen Jahren sprachen Künstler wie Baselitz noch davon, dass
wir nicht in einer Zeit der Revolution, sondern in einer Zeit der
Komplexität lebten. Das war noch sehr optimistisch gedacht.
Mittlerweile leben wir in einer Zeit der Simplizität.

Natürlich mutiert der Künstler, der sich dem
Anbiederungsmechanismus entzieht, tatsächlich zu einem
Marketinghelden, weil er wie Boris Groys meint, "schwarze Quadrate
verkauft, die niemand braucht". Er schafft etwas, wofür es kein
Bedürfnis gibt, muss also das Bedürfnis erst wecken, entkommt also
auch auf dem Weg einer intendierten Autonomie nicht dem
marktwirtschaftlichen Automatismus.
Er würde sich aber leichter tun, würde sich der Staat mit ihm
identifizieren, was ja auch dem Staat angemessen wäre. Die Kunst auf
die privatwirtschaftliche Seite zu schieben, stößt zumindest in
Österreich, rasch an Grenzen. Kunstförderung im wirtschaftlichen
Bereich muss immer begründet und rechtfertigt werden, z. Bp.
gegenüber Aktionären, wo sie doch im Selbstverständnis einer
Kulturnation eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Wir erleben jetzt, dass etwa hervorragende Jazzmusiker
Weihnachts-CDs für Opa und Oma, bzw. süßliche Schmonzetten für
Italien-Urlauber produzieren, um dann auch noch in Interviews zu
erklären, wie sehr ihnen das alles ein Bedürfnis sei. Da würde ich
schon meinen, dass es sich dabei eher um ein Bedürfnis des Systems
handelt, dass es offensichtlich darum geht, die Künstler in den
Dienst einer selbstbezogenen, Event- und konsumversessenen
Gesellschaft zu stellen. Sportler werden gefeiert oder gehasst,
Künstlern und Wissenschaftlern steht man eher gleichgültig gegenüber.

Wim Wenders hat vor einiger Zeit in einem SPIEGEL-Interview
bemerkt, dass kleinere und unabhängige Kulturproduzenten die
Speerspitze der Innovation bilden. Daran würde auch die Eventisierung
des Kulturbetriebs nichts ändern.

Ich finde, dass das Radiokulturhaus durchaus in diesem Sinn zu
sehen ist. Das scheint mir ein geeigneter Ort um Kunst als Lebensform
zu etablieren, der allgemeinen Überproduktion an Texten, Bildern und
schlechter Musik qualitätsbetonte Erzeugnisse der Bühnenkunst, vor
allem der Musik, entgegenzusetzen", sagte
Franz Koglmann heute anläßlich des Bilanzgesprächs des
Radiokulturhauses 2007.

Rückfragehinweis:
ORF Radio Öffentlichkeitsarbeit
Christine Klimaschka
Tel.: (01) 501 01/18361
mailto:[email protected]

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