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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Der Markt funktioniert"

Ausgabe vom 25. April 2005

Wien (OTS) - Von Ägypten bis Haiti werden Unruhen ob der
steigenden Lebensmittelpreise gemeldet; selbst in Österreich hat die
in die Höhe schießende Inflation fast die Regierung gekippt. Vor
unserem geistigen Auge türmen sich schon Leichenberge verhungerter
Menschen und Bilder weinender Kinder mit von Ödemen aufgeblähten
Bäuchen.

Beklemmend, sollten diese Alpträume einmal Wirklichkeit werden.
Dennoch ist das Steigen der Lebensmittelpreise an sich in Wahrheit
sehr positiv. Auch wenn manche meinen, einen solchen Satz auch nur zu
denken, wäre ein ausreichender Grund, um in die Hände der bekannt
sanften Psychiatrie der Wiener Stadträtin Wehsely zu kommen.

Die Preise zeigen ein Funktionieren des Weltmarkts. Er hat genau
das getan, wozu er da ist: Er hat rascher und präziser als jeder
Staat, als jede UNO wesentliche Informationen transportiert. Er hat
binnen kurzem aller Welt vermittelt, dass viele Lebensmittel knapp
geworden sind. Während sich Politik und Medien noch vorgestrigen
Problemen zuwenden - vom Modeschlagwort Papamonat über die angeblich
zu Tausenden heiratswilligen Schwulen bis zu den aufgewärmten
Eisbären -, hat der Markt blitzschnell mitgeteilt: Reis, Getreide und
etliches anderes wird knapp. Der Markt hat damit in Rekordzeit einen
Paradigmenwechsel des globalen Denkens erzwungen.

Ja noch mehr: Die Preiserhöhungen transportieren auch gleich das
beste Rezept zur Behebung der Not: Während in der EU noch
Produktionslimitierungen und Flächenstilllegungen laufen, sagt der
Markt: Alles kehrt, nehmt zusätzliche Flächen in Betrieb! Hört auf
mit dem Biosprit! Nutzt die Gentechnik, um mehr Ertrag zu erzielen!

Viele vernachlässigte Anbau-Gebiete werden nun rentabel und
deshalb künftig bepflügt. Der Bau von Straßen und Bahnen in entlegene
Agrargebiete wird sinnvoll. Die Preiserhöhungen mildern auch eines
der größten Probleme der Dritten Welt (etwa Chinas): die Landflucht.
Plötzlich wird Bauernarbeit ertragreicher, während das Leben in den
Metropolen härter wird.

Es sei denn, die Marktfeinde setzen sich durch, mit
Preiskontrollen, Handelsbeschränkungen und Klimapanik (die auf Äckern
Treibstoff anbaut). Dann aber werden die Alpträume Wirklichkeit.

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
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Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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