- 24.04.2008, 17:00:00
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Neustart der AUA kann noch immer gelingen - von Alexis Johann
Aus der aktuellen Krise entsteht auch eine neue Chance
Wien (OTS) - Wäre Alfred Ötsch ein Pilot, die AUA ein Flugzeug und
die Aktionäre die Passagiere, dann wäre die gestrige Gewinnwarnung
des Kapitäns die Vorbereitung auf die kurz bevorstehende Notlandung.
Ziel des Fluges ist eine ferne exklusive Trauminsel und keine
Massendestination - die Ötsch im Verbund mit der Lufthansa ja locker
erreicht hätte.
1,2 Milliarden Euro war die AUA heute vor einem Jahr an der Börse
wert, aktuell sind davon noch 320 Millionen Euro "übrig". Klappt das
Manöver, setzt die Maschine am 7. Mai auf, lässt sich zusätzliche
Motoren einsetzen, um dann einen zweiten Start zu wagen. Die neuen
Triebwerke kommen von Mohamed bin Issa Al-Jaber, der mit Zustimung
der Aktionäre für neue Aktien (20 Prozent der Anteile) 150 Millionen
zahlen soll. Gab es vor einem Monat - die AUA war zu diesem Zeitpunkt
knapp 500 Millionen Euro wert - berechtigten Anlass der Passagiere,
sich über dieses Manöver zu echauffieren, kann die Devise inzwischen
nur noch lauten: Mund halten und Daumen drücken, dass es klappt.
Die ursprüngliche Hoffnung, dass die Kleinaktionäre aktiv mithelfen,
die Landung sanft zu gestalten, ist gestorben: Beim aktuellen Kurs
wird keiner junge Aktien zeichnen, auch wenn sie billiger als die von
Al-Jaber sind.
Den Kleinaktionären steht es frei, auszusteigen. Der größte Brocken
gehört allerdings der ÖIAG. Insofern sind wir alle an das Schicksal
des Piloten gebunden.
Wird der Neustart klappen? Die Idee, im Mittleren Osten nachzumachen,
was in Osteuropa gelungen ist, klingt gut. Der Flughafen Dubai
glänzte erst vor wenigen Tagen mit einem Passagier-Plus von 15
Prozent, die Region wird weiter dynamisch wachsen. Zwei neue
Al-Jaber-Maschinen und elf neue Destinationen in der Region können
dabei nur der Anfang sein. Vielleicht entwickelt sich eine ähnliche
Dynamik wie im Osten: Wer hätte vor fünf Jahren geglaubt, dass die
AUA einmal 48 Ostdestinationen erfolgreich bedienen könne
Der Kerosinpreis wird hoch bleiben, aber nicht mehr lange steigen.
Denn die Gefäße kommunizieren und ein Abflachen der Konjunktur wird
auch die Ölnachfrage bremsen. Und mit stabilen Rohstoffpreisen wird
die Fluglinie leben können, schließlich führte die Krise zur höhrer
Produktivität der Mitarbeiter. Sind die neuen Motoren allerdings
nicht stark genug, muss rechtzeitig ein starker Partner das Ruder
übernehmen. Bei der Alitalia wurde dieser Zeitpunkt verpasst.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
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