• 23.04.2008, 16:58:44
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Börsegang statt Verstaatlichung für die Estag - von Alexis Johann

Weniger Dividende für billigeren Strom ist nicht leistbar

Wien (OTS) - Wir haben es in Oberösterreich erlebt: Die emotionale
Mischung aus "sauberem" Wasser, "schmutziger" Atomenergie und
"teurem" Strom bietet einen tollen Rahmen, um einen politisch
ungleichen Boxkampf zu veranstalten. In der aussichtslosen Position
des Verteidigers: der Landeshauptmann. In der Position des
Angreifers: ein bunter Mix politischer Kräfte, die sich bei anderen
Themen spinnefeind sind.

Der steirische Schauplatz hat seit Dienstagabend an Brisanz zugelegt.
Unter Führung der KPÖ will die Opposition erzwingen, den
Energieversorger Estag zurückzukaufen. Möglich wäre dann vieles,
schwärmt die dunkelrot-schwarz-grüne Allianz: Günstigere Stromtarife
etwa, da hatten ja die Eigentümer der Estag im Dezember abgewunken.
Zusätzlich wäre eine Ökologisierung der Erzeugung möglich.

Durchführbar wäre eine Verstaatlichung vermutlich, da die
französische Électricité de France (EdF) ohnehin mehr als ihre
aktuellen 25 Prozent an der Estag haben wollte, Landeshauptmann Franz
Voves damit jedoch am Widerstand der KPÖ-geführten Opposition
scheiterte. Vielleicht würden die Franzosen geben, was sich das Land
zurückwünscht.

Gegen den Landtagsbeschluss von Dienstag steht die Vernunft. Wer soll
das bezahlen? 2007 betrug das Budgetminus des Landes 82 Millionen,
die Dividenden der Estag flossen daher zur Gänze dem Budget und nicht
dem Energieversorger selbst zu. Weniger Dividende, um damit die
Stromkunden zu entlasten, wird sich der Konzern aus Budgetzwängen des
Landes nicht leisten können. Der Kauf selbst dürfte rund 400
Millionen Euro kosten, nimmt man jenen Wert heran, den die EdF im
vergangenen Jahr für das weitere Viertel bezahlen sollte.

Nur woher nehmen? 1,4 Milliarden Euro beträgt der steirische
Schuldenstand, mehr darf es laut SP/VP-Beschluss nicht werden.
1996, bei der Gründung der Estag, glaubte man, einen starken Partner
im liberalisierten Strommarkt zu brauchen. Inzwischen teilt sich
allerdings die Estag mit Verbund und EdF die Stromerzeugung und wird
daher im Landeseigentum wenig Spielraum für günstige Tarife haben.

Eine Ökologisierung des Stromes kann aus Landessicht nur von Vorteil
sein, angesichts der drohenden Verteuerung von Primärenergie. Dieses
Vorhaben kann jedoch unabhängig von der Eigentümerstruktur der Estag
umgesetzt werden. Es kostet einfach nur Geld. Die beste Option wäre
daher ein Börsegang des Versorgers, da damit auf jeden Fall Ertrag,
Transparenz und auch Kundenfreundlichkeit steigen werden.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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