WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Schluss mit Ablösen in Millionenhöhe - von Esther Mitterstieler

Der Aufsichtsrat muss die kostengünstigste Variante wählen

Wien (OTS) - Jetzt sitzt der ÖBB-Aufsichtsrat also wieder
zusammen. Und soll endlich eine Entscheidung fällen. Über die Zukunft von Martin Huber und von Finanzvorstand Erich Söllinger und wer weiß wem noch. Egal, wie die Herren heißen, egal, ob sie von den Medien rote oder grüne Karten für ihre Zukunft im ÖBB-Reich verteilt bekommen haben, was sich hier seit Wochen abspielt, ist eine unglaublich schlecht gemachte Inszenierung: Zuerst holt Minister Werner Faymann den Superchecker, Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker, der die ÖBB auf Schiene bringen soll. Dann werden Schritt für Schritt Ungereimtheiten bekannt: Da spielt die Bahn Bank und verspielt Millionen bei Swap-Geschäften. Da tauchen Immobiliengeschäfte der Frau des Generaldirektors auf, die das ohnehin angepatzte Bild des ÖBB-Chefs nur noch mehr verzerren.

Macht alles nichts: Am Steuermann Huber wird festgehalten, schließlich ist es politisch paktiert. Gutachten werden in Auftrag gegeben, damit sich der Aufsichtsrat ein besseres Bild machen kann. Viel Zeit hat sich er sich dafür genommen. Jetzt hat er die Chance, die ÖBB wirklich auf Schiene zu stellen. Der Weg ist hier zum Ziel geworden. Deswegen sollte sich das Kontrollgremium dazu durchringen, die genannte Ablösesumme von mehr als einer Million - an Huber nicht zu zahlen. Sprich: Der Aufsichtsrat muss die kostengünstigste Variante wählen. Auch in den restlichen Fällen.

Nichts wäre verstörender, als den Fall Asfinag zu wiederholen. Die Asfinag-Topmanager mögen zum Teil auch fehl am Platz und politische Besetzungen gewesen sein. Sie dann mit enormen
Ablösesummen in die Wüste zu schicken, war ein Zeichen der Schwäche und nicht der Stärke.

Sprich: Wenn ein Manager den Anforderungen nicht entspricht oder sich etwas zuschulden hat kommen lassen, soll er gehen und dem Unternehmen den geringstmöglichen finanziellen Schaden hinterlassen. Wenn er unfähig war, hat er ohnehin schon genug Geld gekostet. Wobei zur Ehrenrettung Hubers zu sagen ist: Seine Managementfähigkeiten war nicht Gegenstand der Kritik.

Daher reicht es nicht aus, nach monatelangen, aberwitzigen Intrigenspielen das Team auszutauschen. Huber und Co müssen den Abgang auch finanziell spüren. Das sind Politik und Aufsichtsrat uns schuldig. Übrigens: Kann sich noch jemand an Wilhelmine Goldmann erinnern? Wochenlang wurde ausgeschlachtet, dass sie ein paar Faxe für einen Kulturverein aus dem ÖBB-Büro hat verschicken lassen. Das waren noch Zeiten, als Herr Huber mit dem Finger auf die zeigte, die für einen ehrenamtlichen Zweck eintrat.

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