• 21.04.2008, 17:00:53
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Schluss mit Ablösen in Millionenhöhe - von Esther Mitterstieler

Der Aufsichtsrat muss die kostengünstigste Variante wählen

Wien (OTS) - Jetzt sitzt der ÖBB-Aufsichtsrat also wieder
zusammen. Und soll endlich eine Entscheidung fällen. Über die Zukunft
von Martin Huber und von Finanzvorstand Erich Söllinger und wer weiß
wem noch. Egal, wie die Herren heißen, egal, ob sie von den Medien
rote oder grüne Karten für ihre Zukunft im ÖBB-Reich verteilt
bekommen haben, was sich hier seit Wochen abspielt, ist eine
unglaublich schlecht gemachte Inszenierung: Zuerst holt Minister
Werner Faymann den Superchecker, Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker,
der die ÖBB auf Schiene bringen soll. Dann werden Schritt für Schritt
Ungereimtheiten bekannt: Da spielt die Bahn Bank und verspielt
Millionen bei Swap-Geschäften. Da tauchen Immobiliengeschäfte der
Frau des Generaldirektors auf, die das ohnehin angepatzte Bild des
ÖBB-Chefs nur noch mehr verzerren.

Macht alles nichts: Am Steuermann Huber wird festgehalten,
schließlich ist es politisch paktiert. Gutachten werden in Auftrag
gegeben, damit sich der Aufsichtsrat ein besseres Bild machen kann.
Viel Zeit hat sich er sich dafür genommen. Jetzt hat er die Chance,
die ÖBB wirklich auf Schiene zu stellen. Der Weg ist hier zum Ziel
geworden. Deswegen sollte sich das Kontrollgremium dazu durchringen,
die genannte Ablösesumme von mehr als einer Million - an Huber nicht
zu zahlen. Sprich: Der Aufsichtsrat muss die kostengünstigste
Variante wählen. Auch in den restlichen Fällen.

Nichts wäre verstörender, als den Fall Asfinag zu wiederholen. Die
Asfinag-Topmanager mögen zum Teil auch fehl am Platz und politische
Besetzungen gewesen sein. Sie dann mit enormen
Ablösesummen in die Wüste zu schicken, war ein Zeichen der Schwäche
und nicht der Stärke.

Sprich: Wenn ein Manager den Anforderungen nicht entspricht oder sich
etwas zuschulden hat kommen lassen, soll er gehen und dem Unternehmen
den geringstmöglichen finanziellen Schaden hinterlassen. Wenn er
unfähig war, hat er ohnehin schon genug Geld gekostet. Wobei zur
Ehrenrettung Hubers zu sagen ist: Seine Managementfähigkeiten war
nicht Gegenstand der Kritik.

Daher reicht es nicht aus, nach monatelangen, aberwitzigen
Intrigenspielen das Team auszutauschen. Huber und Co müssen den
Abgang auch finanziell spüren. Das sind Politik und Aufsichtsrat uns
schuldig. Übrigens: Kann sich noch jemand an Wilhelmine Goldmann
erinnern? Wochenlang wurde ausgeschlachtet, dass sie ein paar Faxe
für einen Kulturverein aus dem ÖBB-Büro hat verschicken lassen. Das
waren noch Zeiten, als Herr Huber mit dem Finger auf die zeigte, die
für einen ehrenamtlichen Zweck eintrat.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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