• 20.04.2008, 18:01:25
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Papst beeindruckte in den USA mit Mut und offenen Worten" (Von Peter W. Schroeder)

Ausgabe vom 21.04.2008

Graz (OTS) - Es ist zumindest nicht vordringlich die Aufgabe des
Oberhauptes der katholischen Kirche, sich um die Lösung
tagespolitischer Probleme zu bemühen, und Papst Benedikt XVI. wollte
nach eigener Aussage mit seinem Amerika-Besuch auch "keine politische
Reise unternehmen". Und dennoch hatte sie weit mehr als spirituelle
Bedeutung.

Als historisch wird in den USA die Bereitschaft des Papstes gewertet,
sich mit den Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester
getroffen zu haben. Es war gut, richtig und letztlich auch
überfällig, dass der Papst den Missbrauch unmissverständlich
verurteilte, seine "Scham" über das schändliche Treiben bekundete und
zur Wachsamkeit für die Zukunft aufrief. Denn die mehr als
zehntausend Missbrauchsfälle der letzten Jahrzehnte haben zahlreiche
US-Diözesen nicht nur zu Schadenersatzzahlungen in Höhe von mehr als
zwei Milliarden Dollar gezwungen. Sie haben auch das Vertrauen vieler
US-Katholiken in die Amtskirche erschüttert und zu zahlreichen
Kirchenaustritten geführt. Viel wird nun vom künftigen Verhalten
höherer kirchlicher Instanzen in den USA abhängen.

Höchst politisch war der Auftritt des Papstes bei den Vereinten
Nationen. Sein flammender Appell an die Weltgemeinschaft zur Toleranz
und zur stärkeren Beachtung der Menschenrechte wird die Welt nicht
schlagartig besser machen. Aber das ist umso mehr ein Grund, immer
wieder auf die Einhaltung moralischer Prinzipien zu pochen. Nicht nur
an die Adresse von "Schurkenstaaten" und anderen Unrechtsregimen
richtete sich dieser Appell des Papstes, sondern auch an Länder der
westlichen "Wertegemeinschaft", die es an Toleranz gelegentlich
mangeln lässt.

Bei alledem vermied der Papst allerdings die öffentliche Erörterung
der Übereinstimmungen und auch der Sollbruchstellen im Verhältnis
zwischen der gegenwärtigen US-Politik und der katholischen
Kirchendoktrin. Denn dies hätte ihm sofort den Vorwurf der
Einmischung in das Ringen um die Nachfolge von Präsident Bush und in
den Wahlkampf zwischen Demokraten und Republikanern eingebracht.

Was aber bleibt, ist Benedikts mutiges und offenes Eintreten für die
Menschenrechte - wohl auch für die Menschenrechte der überwiegend
muslimischen Häftlinge im US-Terrorlager im kubanischen Guantanamo.
Dies ist im ureigensten Sinn eine christliche Tat und Verpflichtung.
Und dafür gebührt dem "deutschen Papst" Hochachtung und Dank nicht
nur der Katholiken dieser Welt.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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