"Kleine Zeitung" Kommentar: "Papst beeindruckte in den USA mit Mut und offenen Worten" (Von Peter W. Schroeder)

Ausgabe vom 21.04.2008

Graz (OTS) - Es ist zumindest nicht vordringlich die Aufgabe des Oberhauptes der katholischen Kirche, sich um die Lösung tagespolitischer Probleme zu bemühen, und Papst Benedikt XVI. wollte nach eigener Aussage mit seinem Amerika-Besuch auch "keine politische Reise unternehmen". Und dennoch hatte sie weit mehr als spirituelle Bedeutung.

Als historisch wird in den USA die Bereitschaft des Papstes gewertet, sich mit den Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester getroffen zu haben. Es war gut, richtig und letztlich auch überfällig, dass der Papst den Missbrauch unmissverständlich verurteilte, seine "Scham" über das schändliche Treiben bekundete und zur Wachsamkeit für die Zukunft aufrief. Denn die mehr als zehntausend Missbrauchsfälle der letzten Jahrzehnte haben zahlreiche US-Diözesen nicht nur zu Schadenersatzzahlungen in Höhe von mehr als zwei Milliarden Dollar gezwungen. Sie haben auch das Vertrauen vieler US-Katholiken in die Amtskirche erschüttert und zu zahlreichen Kirchenaustritten geführt. Viel wird nun vom künftigen Verhalten höherer kirchlicher Instanzen in den USA abhängen.

Höchst politisch war der Auftritt des Papstes bei den Vereinten Nationen. Sein flammender Appell an die Weltgemeinschaft zur Toleranz und zur stärkeren Beachtung der Menschenrechte wird die Welt nicht schlagartig besser machen. Aber das ist umso mehr ein Grund, immer wieder auf die Einhaltung moralischer Prinzipien zu pochen. Nicht nur an die Adresse von "Schurkenstaaten" und anderen Unrechtsregimen richtete sich dieser Appell des Papstes, sondern auch an Länder der westlichen "Wertegemeinschaft", die es an Toleranz gelegentlich mangeln lässt.

Bei alledem vermied der Papst allerdings die öffentliche Erörterung der Übereinstimmungen und auch der Sollbruchstellen im Verhältnis zwischen der gegenwärtigen US-Politik und der katholischen Kirchendoktrin. Denn dies hätte ihm sofort den Vorwurf der Einmischung in das Ringen um die Nachfolge von Präsident Bush und in den Wahlkampf zwischen Demokraten und Republikanern eingebracht.

Was aber bleibt, ist Benedikts mutiges und offenes Eintreten für die Menschenrechte - wohl auch für die Menschenrechte der überwiegend muslimischen Häftlinge im US-Terrorlager im kubanischen Guantanamo. Dies ist im ureigensten Sinn eine christliche Tat und Verpflichtung. Und dafür gebührt dem "deutschen Papst" Hochachtung und Dank nicht nur der Katholiken dieser Welt.****

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