"Kleine Zeitung" Kommentar: "Texanische Gastfreundschaft soll den Papst mild stimmen" (von Peter W. Schroeder)

Ausgabe vom 16.04.2008

Graz (OTS) - Wenn der Papst heute zum Auftakt seines Besuches in
den USA ins Weiße Haus kommt, wird sich Präsident George W. Bush alle Mühe geben, Benedikt XVI. mild zu stimmen und politische Kritik des Oberhaupts der katholischen Kirche mit großformatiger texanischer Gastfreundschaft zuzudecken.

Zum ersten Mal in der US-Geschichte hat ein amtierender Präsident gestern Abend einen Staatsgast persönlich bei der Landung auf amerikanischem Boden begrüßt. Bei der zweiten Begrüßung heute im Weißen Haus werden 12.000 Ehrengäste anwesend sein, mehr als je zuvor. Und zu Ehren des "bayerischen Papstes", der heute 81 Jahre alt wird, serviert man dann beim Staatsbankett im Weißen Haus Sauerbraten und Knödel.

Bei ihren Gesprächen werden sich Präsident und Papst in einigen Punkten schnell einig sein: Bei den politischen Reizthemen Schwangerschaftsunterbrechung, Eheschließung von Homosexuellen und der Stammzellenforschung wird Benedikt dem (protestantischen) Präsidenten, der Mehrheit der konservativen Republikaner, der religiösen Rechten im Land und dem Großteil der amerikanischen Katholiken bescheinigen, dass sie auf dem rechten Weg sind.

Über Kreuz mit dem Präsidenten ist der Papst aber vor allem in der Frage des Irak-Krieges - und da weiß er sich mit inzwischen 80 Prozent der US-Bürger einig. Schon vor Beginn des Krieges, als er noch Kardinal war, hatte er den Krieg und die Rechtfertigung des Präventivschlages als "mit der Kirchenlehre nicht vereinbar" abgelehnt. Die katholische Kirche, bekräftigte Benedikt mehrmals, könne Krieg lediglich als letztes Mittel zur Selbstverteidigung akzeptieren. Seit Monaten beklagt der Papst zudem, dass der Krieg eine Verfolgung der christlichen Minderheit im Irak ausgelöst habe.

Weitere der zahlreichen Streitpunkte zwischen dem Vatikan und der Regierung Bush sind deren Festhalten an der Todesstrafe, der unzureichende amerikanische Schutz der Umwelt und die staatliche Vernachlässigung sozialer Verpflichtungen.

All dies wird nach Art des Hauses Vatikan in moderater Form auch bei der Rede des Papstes vor der Uno zur Sprache kommen. Aber niemand rechnet damit, dass die Worte und Mahnungen des Papstes Veränderungen der derzeitigen US-Politik auslösen könnten.

Dies wird - wenn überhaupt - wohl nur jener Politiker oder jene Politikerin tun, den die US-Bürger aller Konfessionen und Überzeugungen zum nächsten Präsidenten wählen werden. ****

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