RadioKulturhaus: Hörspiel-Voraufführung von Carl Djerassis "Vier Juden auf dem Parnass"

Wien (OTS) - Carl Djerassis neuestes Hörspiel "Vier Juden auf dem Parnass" ist am 22. April in Ö1 zu hören. Noch vor der Radiopremiere wird diese Produktion am 16. April in Anwesenheit des Autors im KlangTheater vorgestellt.

Er ist einer von denen, die einem die Angst vor dem Alter nehmen können. Mit seinen 84 Jahren pendelt der quicklebendige, stets elegant gekleidete kleine Herr zwischen seinen Wohnsitzen in London und San Francisco, hält Vorträge in der halben Welt, kommuniziert simultan mit der ganzen, kümmert sich um seine Theaterprojekte, die Herausgabe seiner Bücher und Stücke, besucht Ausstellungen und managt seine Kunstsammlung: Carl Djerassi, Wissenschafter, Schriftsteller und 19-facher Ehrendoktor. Djerassi hat, ohne Frage, Geschichte geschrieben. Als er Anfang der 1950er Jahre in einem Labor in Mexiko mit seinen Mitarbeitern die Anti-Baby-Pille entwickelte, waren die gesellschaftspolitischen Folgen freilich noch nicht abzusehen. Carl Djerassi, 1923 in Wien geboren, zählt zu den erfolgreichsten und bekanntesten Wissenschaftern der Welt. Vor gut 20 Jahren, in einem Alter, wo andere längst Rosen züchten, startete er eine zweite Karriere als Schriftsteller und Theaterautor.

Am Mittwoch, den 16. April ist Carl Djerassi zu Gast im RadioKulturhaus. Im Rahmen der Ö1-Reihe "Im Zauberberg" präsentiert er seinen neuesten Wurf im KlangTheater - das ebenso witzige wie respektlose Hörspiel "Vier Juden auf dem Parnass". In seiner jüngsten Arbeit lässt Djerassi vier Heroen der Geistes- und Kulturgeschichte aufeinandertreffen: Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Gershom Scholem und Arnold Schönberg. Doch die vier Herren diskutieren alles andere als philosophische und künstlerische Fragen, sie sind von Zweifeln geplagt. Weniger was ihre wissenschaftlichen oder künstlerischen Karrieren betrifft. Die stehen, was die Flut von postmortalen Publikationen und Lobpreisungen betrifft, gänzlich außer Zweifel. Zudem bleibt die Aufenthaltsberechtigung im griechischen "Olymp der Dichtkunst" nur den allergrößten unter den Dichtern und Denkern vorbehalten. Nagend ungeklärt sind jedoch - bis weit über den Tod hinaus - manche Vorkommnisse im jeweiligen Liebes- und Eheleben der Herren. Waren die Ehefrauen auch tatsächlich treu? Ist der Briefwechsel zwischen Walter Benjamin und Adornos Frau Gretel nicht eine Spur zu intim? Hatte Arnold Schönbergs Frau Mathilde Zemlinsky etwas mit Alban Berg? Um diese Zweifel zu beseitigen, beordern sie ihre jeweiligen Ehefrauen zum Verhör auf den Parnass. Starke Frauen allesamt, verhört von ihren eitlen, narzisstischen und pfäuischen Männern. Djerassi führt die schwachen Seiten der großen Geister lustvoll vor. Mit Witz und Ironie gibt er Antworten auf Fragen, die die noble Kulturgeschichte erst gar nicht stellt.

"Vier Juden auf dem Parnass" wird in Anwesenheit von Carl Djerassi und Regisseur Harald Krewer im KlangTheater des RadioKulturhauses uraufgeführt. Das anschließende Werkstattgespräch führt Edith-Ulla Gasser. Die Ö1-Veranstaltung beginnt um 20.00 Uhr, der Eintritt ist frei. Zählkarten sind ab 19.00 Uhr im Foyer des Großen Sendesaals erhältlich. Weitere Informationen zum Programm des RadioKulturhauses gibt es auf der Homepage http://radiokulturhaus.ORF.at oder über das Kartenbüro (Tel. 01/501 70-377).

"Vier Juden auf dem Parnass" in Ö1

In Ö1 ist "Vier Juden auf dem Parnass" am Dienstag, den 22. April zu hören - ab 20.31 Uhr im Rahmen des "Hörspiel-Studios". Es wirken Michael Rotschopf, Karl Markovics, Jörg Ratjen, Toni Slama, Chris Pichler, Sabine Haupt, Andrea Clausen und Maria Happel mit, Carl Djerassi selbst gibt den Erzähler. Für die Regie zeichnet Harald Krewer verantwortlich.

Schon am Samstag, den 19. April steht in den "Hörbildern"(Ö1, 9.05 Uhr) ein Porträt des gebürtigen Wieners auf dem Programm - "Die Mutter der Pille". "Science in fiction" nennt Carl Djerassi seine Romane. Als Erfinder dieser Gattung könnte der 1938 aus Wien Vertriebene einmal in die Lexika kommen. In wissenschaftlichen Nachschlagewerken findet man ihn schon längst: Als Mitentdecker der Pille und als Designer neuer Insektenschutzmittel, die flächendeckenden DDT-Nebel durch raffinierte Eingriffe in die Fortpflanzungsfähigkeit der Tiere ersetzen können. Moralische Widerstände hat man auf diesem Sektor weniger zu befürchten als bei der Weiterentwicklung der Antibabypille - hier sieht Djerassi angesichts der noch immer nicht gebremsten Bevölkerungsexplosion weniger wissenschaftliche als politische Fahrlässigkeit. Seine Bücher handeln von der Welt der Wissenschaft, ihren Stammesritualen, der Gier nach Auszeichnungen - besonders nach dem Nobelpreis -, Abhängigkeit von Entscheidungen der Konkurrenz, der Politik und der Wirtschaft. Djerassi erfindet nicht Szenarien für seine Geschichten, sondern Geschichten für das ihm bestens bekannte Szenario: die Welt der Forschung. Nähere Informationen zum Programm von Österreich 1 sind abrufbar unter http://oe1.ORF.at.(ih)

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