• 15.04.2008, 10:09:51
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  • OTS0071 OTW0071

Patientenanwälte zum Sozialpartner-Papier

Vorschläge zur Kassensanierung gut, aber noch unkonkret

Wien (OTS) - Als guten Beginn eines Diskussionsprozesses würdigt
die Arbeitsgemeinschaft der Patientenanwälte (ARGE PA) das von den
Sozialpartnern vorgelegte Positionspapier zur Zukunftssicherung der
sozialen Krankenversicherung. In einer einstimmigen Resolution bei
der Jahrestagung in Wien wird die Einigung auf ein Modell als
"grundsätzlich sehr positiv" beurteilt, allerdings würden sich an
vielen Stellen allgemein gehaltene Bemerkungen finden. Die
Patientenanwälte bieten ihre Mitarbeit bei der Konkretisierung und
Überarbeitung an.

Rasch umgesetzt werden solle demnach die ‚Finanzierung aus einer
Hand‘. "Auch wir Patientenanwälte setzen uns dafür ein, sie muss aber
nicht automatisch beim Hauptverband gebündelt werden, wie dies im
Positionspapier vorgeschlagen wird", so der Sprecher der ARGE der
Patientenanwälte, Gerald Bachinger. Dass Ärzte künftig nur noch
Wirkstoffe verschreiben sollen, zu denen der Apotheker das günstigste
Medikament aussucht, findet grundsätzlich Zustimmung, allerdings
müssten Schutzmechanismen für chronisch kranke und ältere Patienten
eingerichtet werden, um ihre bestmögliche Versorgung mit Medikamenten
zu gewährleisten.

In einigen Punkten greift den Patientenanwälten das
Positionspapier nicht weit und tief genug: "Die Kassenlandschaft in
Österreich muss dringend überarbeitet werden", sagt Bachinger. "Es
gibt schlicht zu viele Krankenkassen und Fürsorgeeinrichtungen. Zudem
brauchen wir einheitliche Leistungskataloge auf dem aktuellen Stand
der Medizin und transparente Leistungskriterien, die auch für die
Patienten nachvollziehbar sind."

Eine große Herausforderung sieht die ARGE PA im Honorarsystem:
"Unser Gesundheitssystem wird sich nur dann nachhaltig auf dem
derzeit hohen Niveau weiterentwickeln und finanzieren lassen, wenn
wir davon abgehen, Leistung nur nach Menge/Quantität zu bezahlen.
Stattdessen muss in Zukunft verstärkt die Qualität einer Behandlung
berücksichtigt und bezahlt werden. Dazu sind aber vorerst brauchbare
und aussagekräftige Qualitätsindikatoren auszuarbeiten. Aus
Patientensicht steht die Ergebnisqualität weit im Vordergrund und
diese muss in Zukunft in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen
Diskurses treten", erklärt Bachinger.

Ein weiterer notwendiger Schritt sei die Aufwertung des
niedergelassenen Bereiches: "Der Hausarzt sollte endlich zum ‚Lotsen‘
werden, der den Patienten mit seiner Erkrankung durch das
Gesundheitssystem leitet. Gleichzeitig müssen wir offen für
effiziente und qualitätsorientierte Hausarztmodelle sein und
finanzielle Anreize für die Zusammenarbeit zwischen dem stationären
und dem niedergelassenen Bereich schaffen."

Zu vielen Vorschlägen der Sozialpartner sagen die Patientenanwälte
ein deutliches "Ja", wie etwa zu Behandlungspfaden und Leitlinien
sowie der Verstärkung der öffentlichen Krankenanstalten mit
Beratern/Chefärzten. Einige dieser Vorschläge haben sie zur Forderung
erhoben, etwa das Ziel einer nachhaltigen Finanzierung des
Gesundheitssystems für die folgenden Generationen, ein
Informationssystem für Versicherte und die Rezertifizierung von
Kassenverträgen nach Erfüllung von Qualitätskriterien und
Fortbildung.

Weitere Informationen: Dr. Gerald Bachinger, Sprecher ARGE PA,
Telefon 02742/9005-15575, e-mail [email protected],
www.patientenanwalt.com.

Rückfragehinweis:
Niederösterreichische Landesregierung
Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit und Pressedienst
Tel.: 02742/9005-12163
http://www.noe.gv.at/nlk

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