WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Dollar-Schwäche hat ein Ablaufdatum - von Robert Gillinger

Auch wenn’s keiner glaubt, der Greenback ist 30 Prozent unterbewertet

Wien (OTS) - Zugegeben, was jetzt kommt, ist spekulativ. Aber Spekulationen sollen erlaubt sein und stehen einer Wirtschaftstageszeitung auch gut (sofern sie eintreffen): Der IWF verkauft also 400 Tonnen Gold und füllt seine Kassen mit mehr als zehn Milliarden US-Dollar. An sich ein normaler Vorgang, immerhin soll es mit der Finanzlage des IWF nicht zum Besten stehen.

Doch ist das der einzige Grund? Kann es nicht vielmehr sein, dass sich der Internationale Währungsfonds einfach für eine bevorstehende Intervention am Devisenmarkt rüstet und dann in einer konzertierten Aktion mit den großen Notenbanken in den Markt eingreift?

Man darf nicht vergessen, der IWF ist US-dominiert. Aus europäischer Sicht begrüßen wir den zuletzt sehr schwachen Dollar, da er unser Inflationsproblem lindert. Und beruhigen uns damit, dass der schwache Dollar ja die US-Exporte ankurbelt und damit der Rezession entgegenwirkt, was in einem Wahlkampf-Jahr immer gut ankommt.

Doch alles hat seine zwei Seiten: Die USA importieren um etwa 60 Milliarden Dollar mehr Güter als sie exportieren (und importieren damit wegen des Greenbackerls auch Inflation). Diese Lücke gilt es durch Kapitalzufluss zu füllen. Doch wer stellt den USA noch Geld zur Verfügung, wenn er weiß, dass sein Investment durch einen immer schwächeren Dollar laufend an Wert verliert? Wer wird den angeschlagenen US-Banken das zur Rekapitalisierung notwendige Geld zur Verfügung stellen?

Natürlich kann der IWF einfach US-Staatsanleihen kaufen, um zu helfen, die Lücke zwischen Export und Import zu verringern. Doch warten wir den 11. April ab; beim nächsten Gipfeltreffen der G7 in Washington wird der schwache Dollar sicher eines der zentralen Themen sein.

Hilfreich ist vielleicht ein Blick in die jüngere Geschichte: Eine international koordinierte Intervention am Devisenmarkt gab es zuletzt 2001. Damals, um dem schwachen Euro auf die Beine zu helfen. Dieser hatte sich rund 30 Prozent von seiner Kaufkraftparität zum Dollar entfernt. Heute liegt diese bei knapp 1,2 Dollar je Euro, am Markt werden aber 1,576 gezahlt. Um, Sie haben es erraten, rund 30 Prozent zuviel. Eine der Hauptingredienzien für eine erfolgreiche Intervention ist gegeben: So gut wie keiner setzt auf einen starken Dollar - um erfolgreich zu intervenieren, bedarf es auch eines Überraschungseffekts. 1,60 wird wohl so eine Marke sein, die zumindest zu einer verbalen Intervention führt und all jene am falschen Fuß erwischt, die auf eine anhaltende Dollar-Schwäche spekulieren.

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