Pressekonferenz: "Feuer-Wehr als Klima-Wehr?"

Wien (OTS) - Pressekonferenz der Fachzeitschrift "Die Österreichische Feuerwehr" (Bohmann Verlagsgruppe) im Wiener Presseclub Concordia am Dienstag, 08. April 2008, 10.00 Uhr

Teilnehmer:

  • Dr. Ernest RUDEL, Leiter der Hauptabteilung Klimatologie an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG)
  • Branddirektor DI Dr. Friedrich PERNER, Landesfeuerwehrkommandant von Wien und Vizepräsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes (ÖBFV)
  • Oberamtsrat Walter SCHWARZL, Organisationsreferent des Österreichischen Zivilschutzverbandes (Bundesverband)
  • Mag. Peter Michael LACKNER, Vorstand UNIQA Sachversicherung

Moderation: Brandrat Mag. Raimund LUNZER, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Die Österreichische Feuerwehr" (Bohmann Verlagsgruppe) und Leiter des Pressedienstes beim Österreichischen Bundesfeuerwehrverband

"Die Feuerwehren werden in den nächsten Jahren immer mehr zu tun bekommen", ist Ernest Rudel, Leiter der Hauptabteilung Klimatologie an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) im Rahmen der heutigen Pressekonferenz "Feuer-Wehr als Klima-Wehr?" überzeugt.

Schuld daran seien nicht die jüngsten Sturmtiefs "Emma" und "Paula", denn mit diesen Wetterextremen müsse man immer rechnen. Rudel: "Jahre mit vielen Extremen werden von 'ruhigen' Jahren gefolgt werden." Schuld sei viel mehr der Mensch. Das besiedelte Gebiet habe sich ausgedehnt, auch Risikozonen wurden und werden weiterhin verbaut. "Lawinen, Muren und lokale Hochwässer haben schon allein dadurch verheerende Auswirkungen", so der Klimaexperte. "Riesige Hallen mit sturmanfälligen Flachdächern werden in die Landschaft gesetzt, meistens unter Missachtung des maximal möglichen Schneedrucks, weil wir in der irrigen Annahme leben, dass künftig ohnehin kein Schnee mehr zu erwarten ist. Siedlungen und Industrieanlagen wurden aus Platzmangel in den letzten Jahrzehnten immer öfter in Überschwemmungszonen gebaut und der Trend setzt sich fort."

Die Feuerwehren werden daher bei Naturkatastophen mit immer größeren Schäden konfrontiert, beklagt Wiens Feuerwehrchef Friedrich Perner: "Die österreichischen Feuerwehren werden bis zu ihrer Leistungsgrenze gefordert!" Hinzu komme noch, dass die Bevölkerung gewohnt sei, sofort umfassende Hilfe zu bekommen, was bei einem katastrophenähnlichen Ereignis natürlich nicht möglich sei. "Jeder geht davon aus, dass sein Schaden der größte und wichtigste ist", erzählt der Vizepräsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes, "Wartezeiten, die sich aufgrund der Setzung von Prioritäten ergeben, werden nicht gerne in Kauf genommen."

Der Branddirektor fordert eine umfassende Aufklärungsarbeit durch die Medien. Dafür steht der Österreichische Zivilschutzverband mit zahlreichen Sicherheitstipps und Verhaltensregeln bei Sturm und Orkan zur Verfügung. Organisationsreferent Walter Schwarzl setzt voll auf das flächendeckende Feuerwehrsystem in Österreich, warnt jedoch bei einer hohen Anzahl gleichzeitig zu bewältigender Einsätze: "Unter Umständen kann das Einsatzpotential der Feuerwehr so weit ausgelastet sein, dass es zu längeren Wartezeiten bis zum Eintreffen von Hilfskräften kommt." Bei einm Notruf über die Telefonnummer 122 sei es daher wichtig, den Schaden möglichst genau zu schildern, z. B. ob Personen verletzt sind oder eine weitere Gefährdung vorhanden sei. Denn: "Aufgrund ihrer Schilderung der Lage entscheidet die Feuerwehr über die Dringlichkeit, um jedem Hilfeersuchen, abhängig von der Schwere des Ereignisses, schnell und gut nach zu kommen", so Schwarzl.

"Im heurigen Jahr sind nach den Stürmen 'Paula' und 'Emma' bereits Anfang März die gesamten Jahresprämien in der Sparte Sturm 'verbraucht'", so UNIQA Vorstand Mag. Peter Michael Lackner zur aktuellen Situation und weiter: "Das liegt auch daran, dass sowohl die Versicherungsdurchdringung wie auch die versicherten Werte gestiegen sind."

Beim letzten Sturmtief "Emma" rechnen die heimischen Versicherungsunternehmen mit österreichweit verursachten Schäden in der Höhe von rund 150 Millionen Euro. Zum Vergleich: Sturm "Paula" hinterließ Anfang des Jahres versicherte Schäden in der Höhe von ca. 100 Millionen Euro, "Kyrill" im Jänner 2007 mehr als 260 Millionen Euro.

Die UNIQA Versicherung setzt auf innovative Präventionsmaßnahmen und bietet seit Herbst 2004 eine individuell abgestimmte Unwetterwarnung per SMS bzw. E-Mail an. Die 227.000 Benutzer, unter anderem auch die Feuerwehren in Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark, werden örtlich und zeitlich möglichst exakt vor schweren Stürmen, Gewittern mit Starkregen und Hagel, ergiebigem Neuschnee und der Gefahr von Eisregen gewarnt.

Weitere Fotos unter:
http://www.fotodienst.at/browse.mc?album_id=1701

Rückfragen & Kontakt:

Fachzeitschrift "Die Österreichische Feuerwehr"
Brandrat Mag. Raimund LUNZER
Chefredakteur
A - 1110 Wien
Tel: +43 1 740 95 459
Mobil: +43 664 480 68 32
Email: r.lunzer@bohmann.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0015