- 02.04.2008, 15:00:00
- /
- OTS0287 OTW0287
10 Jahre AUVA Pflegepreis Wien: Jasna Placko für 2007 von Vizebürgermeisterin Grete Laska ausgezeichnet
Wien (OTS) - Seit zehn Jahren wird der AUVA Pflegepreis Wien für
die mehrjährige, aufopfernde Pflege eines nach einem Arbeitsunfall
dauerhaft Schwerverletzten im Familienverband vergeben. Die
Preisträgerin des Jubiläumsjahres 2007 ist Jasna Placko (40 Jahre)
aus Wien-Favoriten. Die Ehrung findet am Mittwoch, dem 2. April 2008,
um 15 Uhr im Wappensaal des Wiener Rathauses statt. Dazu sind alle
Preisträgerinnen eingeladen.
Der AUVA Pflegepreis Wien 2007 wird von Vizebürgermeisterin Grete
Laska und Direktor-Stellvertreter Mag. Helmut Glöckler, AUVA
(Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) Landesstelle Wien, verliehen.
Der Pflegepreis entstand 1998 auf Initiative der Landesstelle Wien
der AUVA und steht unter der Patronanz des Bürgermeisters. Die
Gewerkschaft Bau-Holz steuert einen Urlaub bei; der Gutschein dafür
wird von Kammerrat Rudolf Silvan übergeben.
"Mit dem Pflegepreis will die AUVA jenen danken, die einen
Schwerstversehrten über viele Jahre hinweg bei sich zu Hause pflegen
und dafür viele Opfer auf sich nehmen. Die Pflege zu Hause bedeutet
körperliche und seelische Betreuung rund um die Uhr. Parallel dazu
gilt es den Haushalt, weitere Familienmitglieder zu versorgen,
Termine zu koordinieren. Unsere Preisträgerinnen und Preisträger sind
echte Familienmanager. Für ihre großartige Leistung und die
vorbildliche Haltung öffentlich zu danken, ist Sinn dieser
Veranstaltung," sagt Direktor-Stv. Mag. Glöckler bei der
Jubiläumsfeier und dankt Bürgermeister Dr. Michael Häupl und
Vizebürgermeisterin Grete Laska für den feierlichen Rahmen und den
Ehrenschutz.
"Ich bin stolz auf die beispielgebende Initiative der Allgemeinen
Unfallversicherungsanstalt. Der Pflegepreis ist ein äußeres Zeichen
für den Respekt und die Anerkennung, die jene Menschen verdienen,
welche fernab von der öffentlichen Wahrnehmung tagtäglich wichtige
Arbeit leisten", so Vizebürgermeisterin Grete Laska anlässlich des
zehnjähriges Jubiläums des AUVA Pflegepreises.
Mit Jasna Placko die Ehrung genießen können ihre Vorgängerinnen
Nectar Pichler (1998), Mara Krnjic (1999), Irmgard Simon (2001),
Helga Kuhn (2003) und Margarete Navratil (2006), Familienmitglieder
und Freunde, sowie Luise Däger-Gregori, Pflegedirektorin WPK
Seniorenzentren, Manfred Schweizer, Obmann Verband
Querschnittgelähmter Österreichs, Dipl.-Ing. Walter Ruck, Mitglied
Landesstellenausschuss AUVA Landesstelle Wien und Karl Ziegler,
ehemaliger Vorsitzender AUVA Landesstelle Wien.
Portrait Jasna Placko
Eines kam für Jasna Placko nie in Frage: Ihren Mann Miroslav in
ein Pflegeheim zu geben. Die diplomierte Physiotherapeutin umsorgt
ihn seit seinem schweren Arbeitsunfall im Oktober 2000 höchst
professionell zu Hause. Keine einfache Aufgabe selbst bei ihrer
Ausbildung, denn er befindet sich in einem Wachkoma mit Teillähmung
von Armen und Beinen. Große Hilfe kommt von der Familie in Wien und
in Kroatien. Sohn Luka und Tochter Lorena gehen derzeit in Kotoriba
zur Schule und sie besuchen einander so oft als möglich. Allerdings
fällt ihr die Trennung nicht leicht.
Als Anerkennung für die professionelle Pflege ihres Mannes zu Hause
und der persönlichen Entbehrungen erhält Jasna Placko den AUVA
Pflegepreis 2007 für Wien aus den Händen von Vize-Bürgermeisterin
Grete Laska.
Jasna Placko wurde am 5. August 1967 im kroatischen Čakovec
nahe Varazdin geboren und absolvierte dort nach der Pflichtschule
eine sechsjährige Ausbildung zur Physiotherapeutin. Nach rund drei
Jahren in einem Rehabzentrum für Rheumaerkrankungen stellte sie fest,
dass das Geld, das sie auf Grund des Krieges verdienen konnte, nicht
zum Leben reicht. Sie übersiedelte 1992 nach Wien, erwarb die
Nostrifikation an der Pflegeakademie im Wilhelminenspital und begann
im Otto Wagner Spital als Physiotherapeutin zu arbeiten.
Miroslav Placko hatte über Freunde in Oberösterreich eine
Beschäftigung als Zimmerer am Bau gefunden. 1993 wurde geheiratet,
1994 kam Sohn Luka zur Welt, der auch drei Jahre in Wien die
Volksschule besuchte. Tochter Lorena wurde 1999 geboren. Den Vater
bekam die junge Familie nicht viel zu sehen, er pendelte zwischen
Baustellen in Oberösterreich und der Wohnung in Wien.
Dramatisch verlief der Arbeitstag von Miroslav Placko am 17.
Oktober 2000: Vom Fahrkorb eines Krans eingeklemmt kam es zu einem
Herz- und Kreislaufstillstand mit Sauerstoffunterversorgung des
Gehirns und schweren Brustkorbverletzungen. Nach der Erstbehandlung
im AUVA Unfallkrankenhaus Linz und zehn Monaten Rehabilitation im
AUVA Zentrum Meidling kam Miroslav Placko im Jahr 2001 nach Hause. Er
leidet an einem apallischen Syndrom mit Tetraspastik. Er nimmt
gewisse Dinge wahr, kann aber nicht sprechen oder sich zielgerichtet
bewegen. An guten Tagen gibt er seiner Frau mit der linken Hand
Zeichen für "Ja" und "Nein". Zeitweise leidet er sehr unter
Verspannungen.
Das Leben von Jasna Placko ist ganz auf die Bedürfnisse ihres
Mannes konzentriert. Der Pflegealltag beginnt um 7 Uhr früh. Jeden
Vormittag steht Physiotherapie auf dem Programm. Mehrmals in der
Woche kommt eine Logopädin am Nachmittag: Drenka Pericic ist eine
wichtige Bezugsperson, die mit wertvollen Tipps zur Seite steht. Wann
immer es geht, nimmt Jasna Placko ihren Mann bei Besorgungen oder
Wegen außer Haus mit. Leise Musik weckt die Vierzigjährige jede
Nacht, wenn es Zeit ist, ihren Mann umzudrehen.
Dass ihre Kinder nicht bei ihr sein können, ist ein
Wermutstropfen. Aber sie weiß sie bei der Familie in Kroatien gut
aufgehoben. Stolz ist sie auf die schulischen Erfolge und vielleicht
übersiedelt der Sohn ja zum Studium nach Wien. So oft es geht, kommen
die Kinder nach Wien oder die Eltern fahren rund dreieinhalb Stunden
mit einer kleinen Trink-Pause mit dem Auto nach Kroatien.
Eine wichtige Stütze ist auch die Familie ihrer Cousine Ivanka
Jembrich, einer pensionierten Krankenschwester, die bei der Pflege
einspringt.
Zum Krafttanken und Erholen bleibt wenig Zeit. Dazu zählen
telefonische Kontakte, die Tage mit den Kindern, die Besuche in
Kroatien und die Aufenthalte im AUVA Zentrum in Rovinj. Hier genießt
Jasna Placko die Sonne und das Meer: "Da fühle ich mich gleich
anders."
Zu den wichtigsten Wünschen zählt Gesundheit: "Es ist alles
schwieriger, wenn man sich selbst nicht gut fühlt." Leider zeigen
ihre Kniegelenke erste Abnützungserscheinungen. "Trotzdem ist das der
einzige Weg für mich - vor allem weil ich weiß, dass es den Kindern
gut geht und sie bestens versorgt sind."
10 Jahre AUVA Pflegepreis Wien
Der AUVA Pflegepreis besteht aus der offiziellen Ehrung durch die
Vizebürgermeisterin in Vertretung des Landeshauptmannes, aus einer
Urkunde und aus dem Bronze-Relief "Sonnenstiege" des Künstlers Prof.
Horst Aschermann. Er wird ergänzt durch einen Erholungsurlaub in
einem behindertengerechten Hotel, der von der Gewerkschaft Bau-Holz
zur Verfügung gestellt wird.
Zum Jubiläum wurden alle bisherigen Preisträgerinnen und
Preisträger eingeladen. Den AUVA Pflegepreis erhielten bisher in
chronologischer Folge:
Nectar Pichler aus Favoriten, Mara Krnjic aus Mariahilf, Melitta
Jonik aus Donaustadt, Irmgard Simon aus Liesing, Mirsada Divovic aus
Donaustadt, Helga Kuhn und Slobodanka Nikolic aus Penzing und
Margarete Navratil aus Donaustadt. 2004 konnte kein Pflegepreis
vergeben werden, da die Kriterien noch nicht erfüllt wurden.
In Österreich leben rund 7.300 Schwerstversehrte nach einem
Arbeitsunfall und rund 3.000 davon in Burgenland, Niederösterreich
und Wien. Die Einstufung als Schwerstversehrter erfolgt bei einer
Minderung der Erwerbstätigkeit um mehr als 50 Prozent. In Wien leben
derzeit sechs AUVA Versehrte - einige davon in Heimen - mit
Pflegestufe 7, vier mit Pflegestufe 6 sowie 14 Versehrte mit
Pflegestufe 5 (schwere Querschnittslähmungen).
Für die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) zählt die
Rehabilitation neben der Prävention, der Unfallheilbehandlung und der
finanziellen Entschädigung zu den vier Kernaufgaben. In den vier AUVA
Rehabilitationszentren in Österreich werden jährlich 5.000 Menschen
nach Unfällen so weit wie möglich auf die Rückkehr in ein
selbstbestimmtes, unabhängiges Leben vorbereitet - so auch
Skirennfahrer Mathias Lanzinger.
Die Auswahl des Pflegers und der Pflegerin des Jahres erfolgt in
einem mehrstufigen Bewertungsprozess. Gemeinsam mit den regionalen
Sozialarbeitern werden vom Rehabilitationsteam der AUVA Landesstelle
Wien alle Betreuer, die einen schwerstversehrten Angehörigen nach
einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit aufopfernd und lange
Jahre zu Hause pflegen, nominiert. Als Kriterium gilt eine
Pflegedauer von mehr als drei Jahren für Versehrte der höchsten
Pflegestufe 7, von mehr als fünf Jahren für Pflegestufe 6 und mehr
als zehn Jahren für Versicherte der
Pflegestufe 5.
Dr. Djawad Lessan, Chefarzt der AUVA Landesstelle, Hermine Ebner,
Pflegedienstleiterin des AUVA Unfallkrankenhauses und des
Rehabilitationszentrums Wien-Meidling, und Werner Vogl, Leiter des
Rehabilitationsteams in der Leistungsabteilung, besuchen die
Kandidatinnen und Kandidaten und wählen maximal zwei Pflegepersonen
aus. Ausschlaggebend neben der Anzahl der Pflegejahre sind die
Pflegeintensität, der gesundheitliche Zustand, die gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen und die Entbehrungen, die die Kandidatinnen und
Kandidaten auf sich nehmen.
Zwei Kandidatinnen und Kandidaten kommen jedes Jahr in die engere
Auswahl. Die endgültige Entscheidung trifft eine Jury, der in Wien
Dr. Wolfgang Exel, Gesundheitsexperte der "Kronen Zeitung", ein
Vertreter der Gewerkschaft Bau-Holz und die Direktion der
AUVA-Landesstelle Wien, angehören.
Seit rund 7 Jahren (Mai 2001) betreut Jasna Placko ihren Mann
Miroslav (Apallisches Syndrom mit Tetraspastik, Pflegestufe 7) zu
Hause. Auf Grund der Länge und der Intensität der Pflege fiel die
Wahl der Jury für 2007 auf sie.
Die AUVA Landesstelle Wien unterstützt die Familie Placko mit
medizinischen Hilfsmitteln (zum Beispiel Aufrichter- und
Elektro-Rollstuhl, Duschstuhl, mobile Alurampe, diverse
Pflegemittel), Darlehen und Zuschüssen zur behindertengerechten
Wohnungsadaptierung und zum Fahrzeugkauf - bisher in Höhe von
insgesamt rund 69.000 Euro. Miroslav Placko bekommt Versehrtenrente,
Invaliditätspension sowie Pflegegeld der Stufe 7.
Die AUVA-Landesstelle Wien finden Sie im Internet unter
www.auva.at/wien .
Rückfragehinweis:
Gabriela Würth, GWK,
Tel.: 02242-38300, 0676-33 24 879
E-Mail: [email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NAU






