- 01.04.2008, 09:58:25
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Fußball unterm Hakenkreuz
"University Meets Public" (UMP) - Vorträge in Volkshochschulen mit Schwerpunkt Fußball
Wien (OTS) - Viele Legenden werden um österreichische
Fußballspieler in der nationalsozialistischen Diktatur gesponnen:
Waren sie sportliche Widerstandskämpfer? Waren sie Soldaten am
Fußballplatz? Diesen und ähnlichen Fragen gehen die zwei
Politikwissenschafter und Historiker Dr. Georg Spitaler und Mag.
David Forster, im Rahmen der Vorlesungsreihe "Univesity Meets
Publis", demnächst nach.
Vom ÖFB zur "Gau-Liga"
Am 28. März 1938 löste sich der Österreichische Fußball Bund
(ÖFB) unter seinem damaligem Präsidenten Richard Eberstaller, einem
bekennenden Nationalsozialisten, selbst auf, erklären Spitaler und
Forster. Nicht nur Österreich wurde an das "Großdeutsche Reich"
angeschlossen. Auch die österreichische Fußball-Liga wurde in den
Deutschen Fußball Bund (DFB) eingegliedert. Und sie wurde öfters
unbenannt, etwa in "Gau-Liga". Die Geschichte des österreichischen
Fußballs war keineswegs unpolitisch. Nicht nur jüdische Sportvereine
wurden aufgelöst, auch gewerkschaftsnahe, tschechische und der
Sozialdemokratie nahe stehende Vereine der unteren Spielklassen
wurden verboten. Der Anschluss bedeute auch das Ende des
Profi-Fußballes. Offiziell sollte es nun um "Ruhm und Ehre" gehen. Im
Gegenzug wurden den Fußballern von den Machthabern "Nebenjobs
besorgt", um sie finanziell zu unterstützen, so Spitaler. Die Teams
wurden in den Dienst der Sache der Nazis gestellt. Sogar über das
"österreichische Wunderteam" wurde ausführlich in den NS-Medien
berichtet. Nur Juden, wie etwa Hugo Meisl kamen in der Propaganda
nicht vor. Je schlechter der Krieg allerdings verlief, um so mehr
verloren die Kicker ihren Sonderstatus und wurden teilweise in den
Kriegsdienst eingezogen.
Zwischen Legenden und Mythen
Was ist aber mit den Legenden, die sich um etliche Spieler
ranken? Die Politikwissenschafter stellen einhellig fest, dass die
politische Spielerstruktur dem Querschnitt der Bevölkerung entsprach.
Es gab bekennende Nationalsozialisten, aber auch Widerstandskämpfer,
wie den Austria-Torschützenkönig Ernst Stojaspal, der wegen
"Wehrkraftzersetzung" verurteilt wurde oder Karl Lauterbach, den
Tormann von "Ostbahn 11", der hingerichtet wurde. Viele verhielten
sich aber, wie die meisten Österreicher, sehr angepasst.
Wie der Ausnahmefußballer Mathias Sindelar, der für die beiden
Historiker ein Paradebeispiel für Legendenbildung ist. Sindelar starb
1939 unter ungeklärten Umständen in Wien. Für viele war es Selbstmord
und wurde als Akt des Widerstandes interpretiert. Sogar Friedrich
Torberg widmete ihm etliche Verse. Nach heutigem Wissen nahm der Star
der Wiener Austria ein "arisiertes" Caféhaus von den Nazis an und
starb höchstwahrscheinlich bei einem Gasgebrechen. Trotzdem war er
einer der besten Spieler, die Österreich je hatte, erklärt Forster,
selbst ein glühender Austria-Anhänger. "Man müsse zwischen dem
Spieler und der Person eben trennen können."
Rapid wurde 1941 Deutscher Meister. Laut Legenden seien die
Nationalsozilisten so erzürnt gewesen, dass sie die grün-weißen
Spieler sofort an die Kriegsfront schickten. Aber auch diese
Geschichte ist nur ein Mythos, weiß Spitaler. Etliche Spieler waren
bereits vorher bei der Wehrmacht. An die Front musste keiner sofort.
Etliche wurden sogar in "ruhigeren" Gebieten eingesetzt. Der damals
unterlegene Verein Schalke 04 behauptete sogar, ein Sieg der
Österreicher wurde gewünscht.
So wie diese erwähnten Geschichten sind sie eine Mischung aus
Legenden und Mythen die von Fans, Zeitzeugen und von Buch zu Buch
weiter gegeben werden, sind sich Forster und Spitaler einig. Dass die
Beiden einer Meinung sind, ist nicht selbstverständlich. Forster ist
ein überzeugter Austrianer und Spitalers Blut lauft in grün-weißen
Bahnen. Die EURO 2008 werden aber beide gemeinsam, mit dem einem oder
anderem hitzigen Fachgespräch, vor dem Fernseher verbringen.
Daten zu Forster und Spitaler
Georg Spitaler wurde 1972 in Wien geboren. Er ist
Lehrbeauftragter am Institut für Politikwissenschaft der Universität
Wien, Redakteur des Fußballmagazins "ballesterer fm" und Autor
zahlreicher Publikationen. Seine Forschungsschwerpunkte sind
Popularkultur und politische Kultur. Zurzeit leitet er das Projekt
"Migration im österreichischen Fußball nach 1945".
David Forster wurde 1972 in Wien geboren. Er absolvierte das
Studium der Politikwissenschaft und Geschichte an der Uni Wien. Seit
1999 ist er in der Forschung tätig, u.a. für die Österreichische
Historikerkommission. Seit 2003 ist Forster Lehrbeauftragter am
Institut für Politikwissenschaft, seit 2006 auch am Institut für
Staatswissenschaft. Er ist ebenfalls Redakteur des Fußballmagazins
"ballesterer fm."
UMP-Vorträge
Die Vorträge "Fußball unterm Hakenkreuz" anlässlich der EURO
2008 von Mag. David Forster und Dr. Georg Spitaler im Rahmen der
Volkshochschulreihe "University meets public" finden am
o 2. April 2008, 18.30 bis 20.00 Uhr Jüdischen Institut für Erwachsenenbildung (2., Praterstern 1), o 21. April, 18.00 bis 19.30 Uhr Volkshochschule Brigittenau (20., Raffaelgasse 11-13) und o 30. April, 19.00 bis 20.30 Uhr Volksbildungshaus Urania (1., Uraniastraße 1)statt.
Der Eintritt beträgt jeweils 5 Euro
o Für Informationen zu "University Meets Public": Mag. Michaela Pedarnig Die Wiener Volkshochschulen Pressereferentin Tel.: 0664/841 5394 E-Mail: [email protected]
rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/
(Schluss)cwk
Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Werner C. Kaizar
Tel.: 4000/81087
E-Mail: [email protected]
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