ÖAMTC: Anzahl der Unfälle wegen Sekundenschlafs weit höher als statistisch erfasst werden kann

Übermüdung am Steuer hat ähnliche Auswirkungen wie unter unter Alkoholeinfluss zu stehen

Wien (OTS) - Müdigkeit am Steuer betrifft nicht nur Berufsfahrer, die Gefahr einzuschlafen, kann jeden treffen, erklärt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin Dora Donosa. Übermüdung führt zu ähnlichen Symptomen wie übermäßiger Alkoholkonsum. Falsche Einschätzungen von Entfernungen und Geschwindigkeiten oder Schwierigkeiten die Fahrspur zu halten, sind die Folgen. Auch Aufmerksamkeit, Konzentration und Reaktionszeit leiden.

Ein besonderes Risiko haben dabei Menschen mit einem Schlafdefizit oder Schlafstörungen, Menschen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten bzw. Schicht- und Nachtdiensten, wie beispielsweise Buschauffeure. Auch lange, monotone Fahrten mit zu wenig Pausen oder Fahrten in der Nacht mit schlafenden Beifahrern oder Passagieren bergen ein besonderes Risiko. Werden die ersten Warnzeichen von Müdigkeit am Steuer ignoriert, kann das folgenschwere Auswirkungen wie beim heutigen Busunfall auf der West Autobahn (A1) mit sich bringen. Die Anzahl ermüdungsbedingter Unfälle dürfte weit höher liegen als in Statistiken erfasst werden kann, weist die ÖAMTC-Verkehrspsychologin auf diverse Studienergebnisse wegen Sekundenschlafs hin.

Viele unterschätzen das Risiko und unterliegen oft weit verbreiteten Irrtümern beim Thema Müdigkeit am Steuer, erklärt die ÖAMTC-Expertin und führt diese auf.

1) Mit Kaffee oder Energy-Drinks lässt sich Müdigkeit wirksam bekämpfen.

Falsch: Kurzfristig kann sich zwar durch das Koffein die Aufmerksamkeit erhöhen, danach jedoch kommt die Müdigkeit - oft noch stärker - wieder und der nachfolgende Leistungsabfall ist umso dramatischer. Die Gefahr einzuschlafen, kann durch Kaffee alleine längerfristig nicht verhindert werden.

2) Laute Musik und/oder frische Luft durch weit geöffnete Fenster verhindern das Einschlafen.

Falsch: Beide Strategien sind weit verbreitet, jedoch wirkungslos. Man fühlt sich vielleicht kurzfristig etwas wacher - ist es aber nicht. Die tatsächliche Müdigkeit wird unterschätzt, die Gefahr des Sekundenschlafs steigt, weiß die ÖAMTC-Expertin.

3) Ich merke es, wenn ich kurz vorm Einschlafen bin.

Falsch: Anzeichen von Müdigkeit merkt man - das Einschlafen merkt man nicht! Müdigkeit macht sich durch vermehrtes Gähnen, schwere Augenlider und zunehmende Konzentrationsschwierigkeiten bemerkbar. Das Einschlafen selbst entzieht sich unserem Bewusstsein und kann nicht vorhergesagt werden.

4) Solange ich die Augen offen halten kann, schlafe ich nicht ein.

Falsch: "Entscheidend ist die Verarbeitung der Informationen im Gehirn. Bei zunehmender Übermüdung werden Reize extrem langsam oder gar nicht mehr verarbeitet" erläutert die ÖAMTC-Verkehrspsychologin. Die Augen können zwar noch offen sein, das Gehirn ist jedoch schon in einer Art "Schlafzustand". Bei überraschenden Ereignissen wie eine plötzlich stehende Kolonne bremst man viel zu spät oder gar nicht.

5) Aufkommende Müdigkeit kann ich durch viel Fahr-Erfahrung ausgleichen.

Falsch: Auch routinierte Vielfahrer werden unaufmerksam und begehen Fahrfehler, wenn sie müde werden. Besonders gefährlich ist es, wenn versucht wird, aufkommende Müdigkeit mit schnellerem Fahren zu kompensieren. Müde Fahrer überschätzen leicht ihre Fähigkeiten und gestehen sich oft nicht ein, wie beeinträchtigt sie vielleicht schon sind.

Wahrgenommene Müdigkeitssymptome und entsprechende Veränderungen im Fahrerleben und -verhalten müssen vom Fahrzeuglenker unbedingt ernst genommen werden. Bei Müdigkeit hilft nur stehen bleiben und schlafen.

Der ÖAMTC hält eine stärkere Sensibilisierung gegenüber der Unfallursache Übermüdung am Steuer für unbedingt erforderlich. Verstärkte Information und Aufklärung sind notwendig. Neben der ÖAMTC-Forderung nach regelmäßigen Schwerpunktkontrollen von Berufskraftfahrern durch die Exekutive ist bei privaten Fahrern vor allem die Eigenverantwortung gefordert. Dass diese ein gewisses Maß an Selbstreflexion voraussetzt, ist selbstredend. Abhilfe kann sich jeder Kraftfahrer selbst verschaffen durch besseres Zeitmanagement und das Erkennen und Beachten und letztendlich auch Reagieren auf die persönlichen Müdigkeitssymptome.

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