- 29.03.2008, 11:24:57
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ÖAMTC: Anzahl der Unfälle wegen Sekundenschlafs weit höher als statistisch erfasst werden kann
Übermüdung am Steuer hat ähnliche Auswirkungen wie unter unter Alkoholeinfluss zu stehen
Wien (OTS) - Müdigkeit am Steuer betrifft nicht nur Berufsfahrer,
die Gefahr einzuschlafen, kann jeden treffen, erklärt die
ÖAMTC-Verkehrspsychologin Dora Donosa. Übermüdung führt zu ähnlichen
Symptomen wie übermäßiger Alkoholkonsum. Falsche Einschätzungen von
Entfernungen und Geschwindigkeiten oder Schwierigkeiten die Fahrspur
zu halten, sind die Folgen. Auch Aufmerksamkeit, Konzentration und
Reaktionszeit leiden.
Ein besonderes Risiko haben dabei Menschen mit einem Schlafdefizit
oder Schlafstörungen, Menschen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten bzw.
Schicht- und Nachtdiensten, wie beispielsweise Buschauffeure. Auch
lange, monotone Fahrten mit zu wenig Pausen oder Fahrten in der Nacht
mit schlafenden Beifahrern oder Passagieren bergen ein besonderes
Risiko. Werden die ersten Warnzeichen von Müdigkeit am Steuer
ignoriert, kann das folgenschwere Auswirkungen wie beim heutigen
Busunfall auf der West Autobahn (A1) mit sich bringen. Die Anzahl
ermüdungsbedingter Unfälle dürfte weit höher liegen als in
Statistiken erfasst werden kann, weist die ÖAMTC-Verkehrspsychologin
auf diverse Studienergebnisse wegen Sekundenschlafs hin.
Viele unterschätzen das Risiko und unterliegen oft weit verbreiteten
Irrtümern beim Thema Müdigkeit am Steuer, erklärt die ÖAMTC-Expertin
und führt diese auf.
1) Mit Kaffee oder Energy-Drinks lässt sich Müdigkeit wirksam
bekämpfen.
Falsch: Kurzfristig kann sich zwar durch das Koffein die
Aufmerksamkeit erhöhen, danach jedoch kommt die Müdigkeit - oft noch
stärker - wieder und der nachfolgende Leistungsabfall ist umso
dramatischer. Die Gefahr einzuschlafen, kann durch Kaffee alleine
längerfristig nicht verhindert werden.
2) Laute Musik und/oder frische Luft durch weit geöffnete Fenster
verhindern das Einschlafen.
Falsch: Beide Strategien sind weit verbreitet, jedoch wirkungslos.
Man fühlt sich vielleicht kurzfristig etwas wacher - ist es aber
nicht. Die tatsächliche Müdigkeit wird unterschätzt, die Gefahr des
Sekundenschlafs steigt, weiß die ÖAMTC-Expertin.
3) Ich merke es, wenn ich kurz vorm Einschlafen bin.
Falsch: Anzeichen von Müdigkeit merkt man - das Einschlafen merkt man
nicht! Müdigkeit macht sich durch vermehrtes Gähnen, schwere
Augenlider und zunehmende Konzentrationsschwierigkeiten bemerkbar.
Das Einschlafen selbst entzieht sich unserem Bewusstsein und kann
nicht vorhergesagt werden.
4) Solange ich die Augen offen halten kann, schlafe ich nicht ein.
Falsch: "Entscheidend ist die Verarbeitung der Informationen im
Gehirn. Bei zunehmender Übermüdung werden Reize extrem langsam oder
gar nicht mehr verarbeitet" erläutert die ÖAMTC-Verkehrspsychologin.
Die Augen können zwar noch offen sein, das Gehirn ist jedoch schon in
einer Art "Schlafzustand". Bei überraschenden Ereignissen wie eine
plötzlich stehende Kolonne bremst man viel zu spät oder gar nicht.
5) Aufkommende Müdigkeit kann ich durch viel Fahr-Erfahrung
ausgleichen.
Falsch: Auch routinierte Vielfahrer werden unaufmerksam und begehen
Fahrfehler, wenn sie müde werden. Besonders gefährlich ist es, wenn
versucht wird, aufkommende Müdigkeit mit schnellerem Fahren zu
kompensieren. Müde Fahrer überschätzen leicht ihre Fähigkeiten und
gestehen sich oft nicht ein, wie beeinträchtigt sie vielleicht schon
sind.
Wahrgenommene Müdigkeitssymptome und entsprechende Veränderungen im
Fahrerleben und -verhalten müssen vom Fahrzeuglenker unbedingt ernst
genommen werden. Bei Müdigkeit hilft nur stehen bleiben und schlafen.
Der ÖAMTC hält eine stärkere Sensibilisierung gegenüber der
Unfallursache Übermüdung am Steuer für unbedingt erforderlich.
Verstärkte Information und Aufklärung sind notwendig. Neben der
ÖAMTC-Forderung nach regelmäßigen Schwerpunktkontrollen von
Berufskraftfahrern durch die Exekutive ist bei privaten Fahrern vor
allem die Eigenverantwortung gefordert. Dass diese ein gewisses Maß
an Selbstreflexion voraussetzt, ist selbstredend. Abhilfe kann sich
jeder Kraftfahrer selbst verschaffen durch besseres Zeitmanagement
und das Erkennen und Beachten und letztendlich auch Reagieren auf die
persönlichen Müdigkeitssymptome.
(Schluss)
Rückfragehinweis:
ÖAMTC-Informationszentrale
Tel.: +43 (0) 1 71199-1795
mailto:[email protected]
http://www.oeamtc.at
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