Unverzichtbare Pathologie - DiagnoseexpertInnen im Dienste der PatientInnen und als Kostenoptimierer

Wien (OTS) - "Pathologie - ein Fach für die Lebenden!" Diese Erkenntnis beherrschte die Frühjahrstagung der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie vom 27. bis 29. März in Wien. Im modernen Gesundheitsbetrieb sind in der Regel PathologInnen die WeichenstellerInnen der Therapie und weiterführenden Diagnostik. Zudem helfen sie dem Gesundheitsmanagement zu effektivem Umgang mit den beschränkten finanziellen Mitteln. PathologInnen "lesen" die Gewebs- und Zellproben ihrer PatientInnen, um dann dem/der behandelnden ÄrztIn zu "übersetzen", was genau den Betroffenen fehlt. PathologInnen sind auf diese Weise zentraler Bestandteil des ärztlichen Dialogs. Als "Diagnose-Detektive" sind sie die AnwältInnen ihrer erkrankten Schützlinge, z.B. im Falle medikamentöser Nebenwirkungen oder bei der HPV-Diagnostik. Diese beiden Themen bildeten auch die Schwerpunkte der Frühjahrstagung der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie (ÖGP) und machten deutlich, dass die Pathologie mit ihren umfangreichen diagnostischen Verfahren seit langem ein für die PatientInnen zwar unsichtbarer, aber bedeutender Bestandteil im diagnostischen und therapeutischen klinischen Alltag ist.

Keine PathologInnen bei CSI

CSI, Bones - Die Knochenjäger, Criminal Minds - Mord und Totschlag und die akribische Suche nach den TäterInnen...das Bild von der Pathologie ist geprägt von amerikanischen Fernsehserien. Doch hier beginnt schon der erste Irrtum: Es sind GerichtsmedizinerInnen, die sich um die Aufklärung gewaltsamer Todesfälle kümmern, die Leichen zur Identitätsfeststellung untersuchen und Körperverletzungen bei Unfällen und Tötungsdelikten rekonstruieren. Die Pathologie hingegen ist ein "Fach für die Lebenden".

Die unsichtbare Hand

Unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit hat das Fach Pathologie seine zentrale diagnostische Bedeutung dank neuer Verfahren in den letzten drei Jahrzehnten enorm ausgebaut. Als "Goldstandard medizinischer Diagnostik" befasst sich die moderne Pathologie heute vorrangig mit Gewebs- und Zellanalysen. Die Obduktionstätigkeit -unverzichtbares Instrument medizinischer Qualitätssicherung - macht nur mehr ein Zehntel des täglichen Arbeitsaufwandes einer Krankenhauspathologie aus.

Moderne diagnostische Verfahren wie die Immunhistochemie und die Molekularpathologie tragen ebenfalls zur Qualitätssicherung bei. Mit ihnen können biochemische Veränderungen der Zellen oder solche im genetischen Bereich nachgewiesen werden, die den Schlüssel für eine maßgeschneiderte Therapie darstellen. So erlaubt die pathologisch-histologische Darstellung tumorspezifischer Marker die Erstellung einer auf den Krebstyp fein abgestimmten Therapie. Molekularpathologisch-genetisch ist die Aufdeckung erblich bedingter Tumorformen, beispielsweise von familiärem Dickdarm- oder Brustkrebs, oder die gezielte Therapie etwa von bestimmten Leukämieformen möglich geworden.

Iatrogene Pathologie hilft Kosten sinnvoll einzusetzen

Iatrogene Pathologie (iatrogen bedeutet "durch ärztliche Einwirkung entstanden") beschäftigt sich mit geweblichen Veränderungen, die durch medikamentöse oder bestrahlungsbedingte Nebenwirkungen hervorgerufen worden sind, und unterscheidet diese von ähnlichen geweblichen Veränderungen, die durch andere, beispielsweise infektiöse und tumoröse Auslöser bewirkt worden sind. Frühzeitiges Erkennen von Arzneimittelnebenwirkungen wendet gesundheitliche Schäden von PatientInnen ab und stellt so auch eine wesentliche Kostenersparnis im Gesundheitssystem sicher.

Pathologie verhütet unnötige Kosten

Obwohl "Goldstandard medizinischer Diagnostik", liefert die Pathologie - im Vergleich mit vielen anderen diagnostischen Verfahren - erstaunlich kostengünstige, genaue und standardisierte Diagnosen und hilft sogar, unnötige Behandlungskosten zu sparen. Aus einer Fülle von Beispielen zeigt dies das Folgende: die gezielte zytostatische Behandlung eines bestimmten Brustkrebstyps, der den Tumormarker Her-2/neu aufweist, kostet rund 12.000 Euro je Patientin. Bei jenen Patientinnen, deren Krebsform den Tumormarker Her-2/neu nicht aufweist, ist diese Therapie allerdings wirkungslos. Mit einer pathologisch-histologischen Her-2/neu-Untersuchung, die rund 670 Euro pro Patientin kostet, kann festgestellt werden, ob die Patientin überhaupt auf die spezielle Therapieform ansprechen wird. "Mit dieser pathologischen Diagnostik, die nur einen Bruchteil der Therapiekosten ausmacht, können wertvolle Ressourcen im Gesundheitswesen gespart werden. Es kann damit aber auch, und das sollte immer im Vordergrund stehen, geholfen werden, Nebenwirkungen moderner, hochpotenter Therapien zu vermeiden", unterstreicht Prim. Dr. Alexander Nader, Institut für Pathologie und Mikrobiologie des Hanusch-Krankenhauses der Wiener Gebietskrankenkasse.

Pathologie ist unsere Krebsvorsorge

Manch eine Frau hat sich wohl schon bei der Kostenaufstellung der Krankenkasse gewundert, dass eine pathologisch-diagnostische Leistung verrechnet wird. Jedoch: PathologInnen sind es, die die von GynäkologInnen gewonnenen Krebsabstriche (PAP-Tests) auf Krebsvorstufen hin untersuchen. Es ist die Pathologie, die für die Krebsvorsorge einen entscheidenden Beitrag leistet, sei es durch zytologische Krebsabstrichdiagnostik, sei es durch histologisch-pathologische Biopsiediagnostik von Krebsvorstufen und -frühstadien.

Die Pathologie in der interdisziplinären Krebsdiagnostik und -therapie

Wie nie zuvor ist die Pathologie heutzutage als diagnostisches Fach in den klinischen Alltag eingebunden und mit den anderen onkologisch tätigen Disziplinen vernetzt. Noch während einer Tumoroperation entscheidet die Pathologin/der Pathologe, ob und welcher Tumor vorliegt. "Mittels Gefrierschnittdiagnostik während einer Operation führen PathologInnen den ChirurgInnen sozusagen virtuell die Hand. Sie können Auskunft geben, ob der Tumor bereits vollständig entfernt ist oder noch nachoperiert werden muss", erklärt Univ.-Prof. Dr. Angelika Reiner-Concin, Primaria des Pathologisch-Bakteriologischen Instituts am Donauspital (Sozialmedizinisches Zentrum Ost) in Wien und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie, eine der wichtigsten Tätigkeiten im klinischen Arbeitsalltag. Die Gefrierschnittdiagnostik erfordert äußerste Genauigkeit, setzt viel Erfahrung voraus und muss schnell erfolgen; schließlich soll die Operationsdauer für die PatientInnen möglichst kurz gehalten und unnötige Belastungen vermieden werden. Dank moderner immunhistochemischer und molekularer Diagnoseverfahren ist die Pathologin/der Pathologe in der Lage, ebenso "maßgeschneiderte" wie genauestens standardisierte Krebsdiagnosen für die jeweiligen PatientInnen zu erarbeiten. Diese spezialisierte Krebsdiagnostik versetzt die Pathologie in die Rolle des Weichenstellers bei der Auswahl der optimalen Krebstherapie.

Die Pathologie als treue Archivarin

Gewebsproben werden von PathologInnen über Jahrzehnte archiviert und so für spätere Untersuchungen verfügbar gemacht. Besonders für TumorpatientInnen ist diese Archivierung von enormem Nutzen: Bei Bildung eines Rezidivs oder von Metastasen können an den einstmals entnommenen Gewebsproben auch noch nach Jahrzehnten Bestimmungen durchgeführt werden mit diagnostischen Methoden, die uns heute noch unbekannt sind und damit innovative, maßgeschneiderte Therapien für die jeweilige Patientin/den jeweiligen Patienten ermöglicht werden.

Österreichische Gesellschaft für Pathologie (ÖGP)

Ziel der ÖGP ist die Pflege und Förderung der wissenschaftlichen Medizin, insbesondere des Gesamtgebietes der Pathologie. Dazu gehören Zell- und Gewebsuntersuchungen, hoch spezialisierte molekularpathologische Untersuchungen in spezifischen Fragestellungen, Infektionsdiagnostik und die Obduktionstätigkeit. Mit Hilfe dieses Leistungsspektrums trägt die Pathologin/der Pathologe wesentlichen zur Diagnostik von lebenden PatientInnen bei und leistet - besonders durch die Obduktionstätigkeit - einen entscheidenden Beitrag zur medizinischen Qualitätssicherung. Die ÖGP bietet ihren Mitgliedern wissenschaftliche Tagungen und Fortbildungsveranstaltungen, erstellt fachspezifische Lehrbehelfe und fungiert als österreichische Division der IAP (International Academy of Pathology). Sie vertritt das Fach Pathologie auch in standespolitischen Fragen nach außen. Präsidentin der ÖGP ist Univ.-Prof. Dr. Angelika Reiner-Concin. Weitere Informationen finden Sie unter www.pathology.at.

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Christine Klinger
Public Health PR
Tel.: +43/1/602 05 30-93
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