- 27.03.2008, 10:02:39
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WESTENTHALER/GROSZ: Offener Brief an Kardinal Christoph Schönborn
Wien (OTS) -
S.E.
Erzbischof Dr. Christoph Kardinal Schönborn
Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz
Wollzeile 2
1010 Wien
Wien, am 27. März 2008
Eminenz,
sehr geehrter Herr Erzbischof!
Mit großer Verwunderung und Betroffenheit haben viele gläubige
Katholiken unseres Landes - darunter auch wir - Ihre Worte am
Palmsonntag in der ORF-Pressestunde verfolgen können. Sie haben sich
in Ihrer Funktion als Vorsitzender der Bischofskonferenz klar für den
Bau weiterer Moscheen und Minarette in Österreich ausgesprochen und
auch die innerhalb des Islam umstrittene Vollverschleierung von
Frauen - die im Koran keinerlei religiöse Begründung findet - stellt
für Sie kein Problem dar. Ihre Akzeptanz begründen Sie, Eminenz, mit
Grundwerten und der Religionsfreiheit.
Gerade Sie als Kardinalpriester haben eine besondere Verpflichtung
und Mitverantwortung zur Leitung der Gesamtkirche. Damit kommt Ihren
Äußerungen als Vorsitzender der Bischofskonferenz und Erzbischof von
Wien innerhalb unserer Glaubengemeinschaft und weit über deren
Grenzen hinaus eine besondere Bedeutung zu. Gerade deswegen ist es
für uns unverständlich, dass Sie mit Ihren Äußerungen am Palmsonntag
eine vitale Gefahr für unsere zivilisierte, über Jahrtausende
christlich sozialisierte, demokratisch säkularisierte,
mitteleuropäische und friedliche Gesellschaft, schlichtweg negieren.
Sie beschwichtigen damit nicht nur die spürbaren Tendenzen eines
radikalen, gewaltverherrlichenden und demokratiefeindlichen
Islamismus in Europa und Österreich, nein, Sie stellen sich mit Ihrer
Haltung klar gegen einen Großteil der österreichischen Bevölkerung
und schlussendlich auch gegen die mutige Haltung des obersten Hirten,
unseres Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI. Gerade seine Worte - die
bereits weit über die Erklärung vor der Universität Regensburg
hinausgegangen sind - haben die Problematik um die permanenten
Gefahren eines missionarischen Islamismus in seiner grausamen und
menschenverachtenden Form treffend erkannt.
Wir rufen Ihnen diesbezügliche auch den traurigen Umstand in
Erinnerung, dass die mutigen und von vielen Katholiken unterstützen
Ansichten des Heiligen Vaters zu den Gefahren des Islamismus,
radikale Islamisten mitten im 21. Jahrhundert dazu veranlasst hat,
das Leben der SOS-Kinderdorfmitarbeiterin Schwester Leonella Sgorbati
und eines ihrer Mitarbeiter in Mogadischu auszulöschen.
Sie selbst sagten am Palmsonntag, dass es sich beim Islam um eine
durchaus missionarische Religion handelt. Zu Ihrem besseren
Verständnis aber auch in der Hoffnung, bei Ihnen ein
Problembewusstsein zu erzeugen, zitieren wir gerne den
"missionarischen Auftrag des Islam" den der türkische
Ministerpräsident Erdogan treffender und ehrlicher nicht hätte
formulieren können.
"Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am
Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere
Bajonette, die Kuppeln unserer Helme und die Gläubigen unsere
Soldaten."
Eminenz, auch Sie werden unschwer erkennen können, dass Kasernen,
Bajonette, Helme und Soldaten kaum etwas mit der messianischen
Botschaft des Neuen Testaments des Friedens, der Liebe und der
Hoffnung zu tun haben und dieser Missionsauftrag - ausgedrückt durch
Ministerpräsident Erdogan - keinerlei friedliches Miteinander
zulässt.
Natürlich ist Religionen, deren Propheten und deren heutigen
Religionsführern, die sich auf einem friedlichen Miteinander gründen,
unser aller Respekt zu zollen. Gerade die demokratische Republik
Österreich bekennt sich zu diesem Respekt und zu einer daraus
resultierenden, im 21. Jahrhundert selbstverständlichen,
Religionsfreiheit.
Die sich uns allen jedoch immer häufiger darstellende Form des
Islamismus - der sich offensichtlich nur auf die imperialistische
Darstellung mittels Moscheen und Minaretten und die frauenfeindliche
Vollverschleierung der Frau beschränkt - stellt sich ganz klar gegen
unsere demokratisch aufgeklärte Gesellschaft, ja noch mehr, diese
Ausprägung des Islamismus, der uns in Europa nicht zuletzt durch
Gewalt, Tod und Terror bekannt geworden ist, hat mit der von uns
anerkannten und geachteten Ursprungsreligion offensichtlich kaum mehr
etwas zu tun.
Im Gegensatz zu Ihnen haben deshalb Ihre Mitbrüder im Bischofsamt,
Bischof Dr. Egon Kapellari, Erzbischof Dr. Alois Kothgasser,
Weihbischof Univ. Doz. Dr. Andreas Laun, Bischof DDr. Klaus Küng und
nicht zuletzt auch Bischof Dr. Elmar Fischer, die Sorgen der
Österreicherinnen und Österreicher aber auch die Wünsche der
Gläubigen zur Verhinderung solcher gefährlicher Tendenzen klar und
deutlich artikuliert.
Daher erwarten wir uns, wie viele Katholiken unseres Landes, eine
klare und einheitliche Haltung unserer Kirche, die auch vom
Vorsitzenden der Bischofskonferenz nicht nur mitgetragen, sondern
auch standfest und mutig artikuliert wird. Sofern Sie - Eminenz -
sich zu einem solchen Schritt nicht in der Lage sehen, regen die die
Einberufung einer Sonderbischofskonferenz an, die ein für alle Mal
die richtigen Worte gegen die Gefahren unserer Demokratie, unserer
Gesellschaft und unseres Landes findet.
Die Frage, die sich im Rahmen einer solchen Sonderbischofskonferenz
für Sie, Eminenz, persönlich, und für Ihre Mitbrüder im Bischofsamt
stellen sollte, ist, ob die Spitze der römisch-katholischen
Glaubensgemeinschaft den Weg des Wegschauens und Negierens von
permanenten Gefahren für einen friedlichen Zusammenhalt unserer
Gesellschaft geht, den Bau von Minaretten und Moscheen weiterhin
forciert, die Vollverschleierung und Unterdrückung der Frau als
akzeptable Form islamischer Grundwerte sieht, oder Sie, Eminenz, und
Ihre Brüder im Bischofsamt gemeinsam mit der Mehrzahl der
Österreicherinnen und Österreicher mutige Wege zum Schutz unserer
Demokratie, unseres Rechtsstaates und zum Schutz unserer Traditionen
auch im 21. Jahrhundert gehen.
Wir hoffen, dass unser Appell auf fruchtbaren Boden fällt und
verbleiben,
mit besten Grüßen
Ing. Peter Westenthaler Gerald Grosz
"Kurier" vom 08.04.2007
Bischof Kapellari: "…….Im Gesamtpanorama des Religiösen nimmt der
Islam, was seine Kontur und Schärfe betrifft, eine Sonderstellung
ein. Darum auch die Angst vieler. Das nicht zu benennen, halte ich
für ein Zeichen der Schwäche……"
Wie sollte man mit dem Islam umgehen?
"Selbstbewusster. Auf fundamentalistische Praktiken sollten wir nicht
mit Fundamentalismus antworten. Ich bin aber dafür, dass wir
fundamentaler werden. Es braucht Intelligenz, Sachverstand und
Courage. Wenn sich im Islam nicht stärker Gesamtgesellschaft und
muslimischer Glauben und Praxis entflechten, könnte dies zum Clash
beitragen……"
"Die Presse" vom 20.03.2008
Minarette: Küng gegen Schönborn
Wien (red.). Nach dem Feldkircher Bischof Elmar Fischer hat sich auch
der niederösterreichische Diözesanbischof Klaus Küng gegen den Bau
von Minaretten ausgesprochen: In vielen islamischen Ländern dürften
keine christlichen Kirchen gebaut werden. "Da frage ich mich, ob
Moslems auf den Bau einer Moschee bei uns nicht freiwillig verzichten
sollten", so Küng. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hatte sich
am Sonntag klar gegen ein Bauverbot ausgesprochen.
"Salzburger Nachrichten" vom 21.03.2008
Ruf nach Minarett-Verzicht
Immer mehr katholische Bischöfe wünschen sich, dass die Moslems in
Österreich freiwillig auf den Bau von Moscheen mit Minaretten
verzichten.
Salzburg, Wien (SN-i.b.). In der Katholischen Kirche mehren sich die
Stimmen gegen den Bau von Moscheen mit Minaretten in Österreich. Nach
dem St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng meinte am Donnerstag auch
Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser sinngemäß, die Moslems sollten
freiwillig auf Minarette verzichten.
Kothgasser berief sich auf SN-Anfrage auf den Grazer Diözesanbischof
Egon Kapellari. Jener habe "zu Recht" gesagt, "solange Christen sich
in islamischen Ländern verstecken müssen, sollten Muslime in Ländern
wie dem unseren auf städtebaulich dominante Moscheen verzichten", so
Kothgasser in seiner Stellungnahme.
"Österreich" vom 21.03.2008
Immer mehr Bischöfe für Minarett-Bauverbot
Der Islam-Kurs der katholischen Kirche wird schärfer: Jetzt fordert
auch Salzburgs Weihbischof Andreas Laun ein Bauverbot für Minarette.
Wien/Salzburg. Während sich die Kirche auf Ostern vorbereitet, tobt
intern ein Konflikt über den Bau von Moscheen mit Minaretten. Auf die
Seite der Gegner schlägt sich jetzt der Salzburger Weihbischof
Andreas Laun: "Ich bin für islamische Gebetsräume, solange sie nicht
für politische Zwecke missbraucht werden, will aber keine Minarette",
spricht sich Laun gegenüber ÖSTERREICH für ein Bauverbot aus. Die
Minarette würden "über den Muezzin-Ruf die Bevölkerung stören und das
Landschaftsbild in einem islamischen Sinn uminterpretieren", meint
Laun: "Dazu dürfen wir in Österreich Nein sagen."
Rechtskurs. Damit stellt sich der Weihbischof gegen Kardinal
Schönborn, der ein Bauverbot für Minarette, wie es in Kärnten
geschaffen wurde, abgelehnt hatte. Neben Laun sind aber auch die
Bischöfe von Vorarlberg und Niederösterreich, Elmar Fischer und Klaus
Küng, gegen die Gebetstürme. In vielen islamischen Ländern dürften ja
auch keine Kirchen gebaut werden, meint Küng.
S.H. Papst Benedikt XVI am 12. September 2006 in Regensburg
"Ohne sich auf Einzelheiten wie die unterschiedliche Behandlung von
‚Schriftbesitzern‘ und ‚Ungläubigen‘ einzulassen, wendet er sich in
erstaunlich schroffer, uns überraschend schroffer Form ganz einfach
mit der zentralen Frage nach dem Verhältnis von Religion und Gewalt
überhaupt an seinen Gesprächspartner. Er sagt: ‚Zeig mir doch, was
Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und
Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben,
den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten‘. Der Kaiser
begründet, nachdem er so zugeschlagen hat, dann eingehend, warum
Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im
Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. ‚Gott hat kein
Gefallen am Blut‘, sagt er, ‚und nicht vernunftgemäß, nicht
σὺν λόγω zu handeln, ist dem
Wesen Gottes zuwider‘. Der Glaube ist Frucht der Seele, nicht des
Körpers. Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die
Fähigkeit zur guten Rede und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt
und Drohung... Um eine vernünftige Seele zu überzeugen, braucht man
nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst eines der Mittel,
durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann."
Rückfragehinweis:
BZÖ
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