• 12.03.2008, 11:47:09
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70 Jahre "Anschluss": Gusenbauer - "Nur demokratische Gesellschaft ist immun gegen Totalitarismus"

Errichtung des Wiesenthal-Zentrums im Ministerrat beschlossen

Wien (SK) - Aus Anlass des sich heuer zum 70. Mal jährenden
"Anschlusses" Österreichs an Hitler-Deutschland gab es heute,
Mittwoch, eine gemeinsame Erklärung von Bundeskanzler Alfred
Gusenbauer und Vizekanzler Molterer nach dem heutigen Ministerrat.
Der Bundeskanzler unterstrich, dass der "'Anschluss' ein Land
getroffen hat, das längst keine Demokratie mehr war". Mit dem
Einmarsch der Nazi-Truppen "verschwand die Republik Österreich von
der Landkarte". Daher verstehe sich das gesamte politische Handeln
nach 1945 als Antithese zu den nationalsozialistischen Verbrechen -
jetzt müssten "trotz politisch unterschiedlicher Auffassungen das
Miteinander, gemeinsame Ziele und soziale Balance" im Vordergrund
stehen. Denn "nur eine offene und demokratische Gesellschaft wird
immun sein gegenüber allen Versuchungen des Totalitarismus". Weiters
habe man sich heute im Ministerrat auf die Errichtung des
Simon-Wiesenthal-Instituts geeinigt, das ein wesentlicher Beitrag zur
Holocaust-Forschung sei, so Gusenbauer. ****

Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich war auch ein
weiterer Schritt hin zum Zweiten Weltkrieg "mit millionenfachem Leid"
getan, zeigte der Bundeskanzler in seiner Rede auf. Durch die
Ausschaltung des Parlaments und die Errichtung der autoritären
austrofaschistischen Diktatur habe sich Österreich gegenüber
Nazi-Deutschland "in einer bedrängten Situation" befunden. Eine
"weitgehend widerstandlose Preisgabe" Österreichs an
Hitler-Deutschland sei die Folge gewesen, erklärte Gusenbauer.

Vergessen dürfe man aber auch nicht, dass viele Österreicher den
'Anschluss' begrüßt haben und aktiv am Nazi-Regime und den Verbrechen
gegen die Menschheit mitgewirkt haben. "Viel zu lange" auch habe sich
Österreich "ausschließlich als Opfer gesehen und die Täterschaft
außer Acht gelassen". Erst 1991 - mit der "bahnbrechenden Erklärung
von Bundeskanzler Franz Vranitzky" sei es zu einer Anerkennung der
Täterschaft Österreichs gekommen. Mit der Schaffung von National- und
Entschädigungsfonds sei ein wesentlicher Beitrag zur "Milderung des
freilich nie Wiedergutzumachenden" geleistet worden, so der
Bundeskanzler. Ihm sei es großes Anliegen, die Verbrechen des
Nationalsozialismus ins Bewusstsein zu rufen und klarzumachen, dass
die Folgen der Verbrechen und die Auseinandersetzung damit noch
andauern, unterstrich Gusenbauer. Denn die "Erinnerungsarbeit darf
vor keiner gesellschaftlichen Gruppe halt machen", so Gusenbauer
abschließend. (Schluss) mb

Rückfragehinweis:
SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Tel.: 01/53427-275,
Löwelstraße 18, 1014 Wien, http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

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