70 Jahre "Anschluss": Gusenbauer - "Nur demokratische Gesellschaft ist immun gegen Totalitarismus"

Errichtung des Wiesenthal-Zentrums im Ministerrat beschlossen

Wien (SK) - Aus Anlass des sich heuer zum 70. Mal jährenden "Anschlusses" Österreichs an Hitler-Deutschland gab es heute, Mittwoch, eine gemeinsame Erklärung von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Vizekanzler Molterer nach dem heutigen Ministerrat. Der Bundeskanzler unterstrich, dass der "'Anschluss' ein Land getroffen hat, das längst keine Demokratie mehr war". Mit dem Einmarsch der Nazi-Truppen "verschwand die Republik Österreich von der Landkarte". Daher verstehe sich das gesamte politische Handeln nach 1945 als Antithese zu den nationalsozialistischen Verbrechen -jetzt müssten "trotz politisch unterschiedlicher Auffassungen das Miteinander, gemeinsame Ziele und soziale Balance" im Vordergrund stehen. Denn "nur eine offene und demokratische Gesellschaft wird immun sein gegenüber allen Versuchungen des Totalitarismus". Weiters habe man sich heute im Ministerrat auf die Errichtung des Simon-Wiesenthal-Instituts geeinigt, das ein wesentlicher Beitrag zur Holocaust-Forschung sei, so Gusenbauer. ****

Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich war auch ein weiterer Schritt hin zum Zweiten Weltkrieg "mit millionenfachem Leid" getan, zeigte der Bundeskanzler in seiner Rede auf. Durch die Ausschaltung des Parlaments und die Errichtung der autoritären austrofaschistischen Diktatur habe sich Österreich gegenüber Nazi-Deutschland "in einer bedrängten Situation" befunden. Eine "weitgehend widerstandlose Preisgabe" Österreichs an Hitler-Deutschland sei die Folge gewesen, erklärte Gusenbauer.

Vergessen dürfe man aber auch nicht, dass viele Österreicher den 'Anschluss' begrüßt haben und aktiv am Nazi-Regime und den Verbrechen gegen die Menschheit mitgewirkt haben. "Viel zu lange" auch habe sich Österreich "ausschließlich als Opfer gesehen und die Täterschaft außer Acht gelassen". Erst 1991 - mit der "bahnbrechenden Erklärung von Bundeskanzler Franz Vranitzky" sei es zu einer Anerkennung der Täterschaft Österreichs gekommen. Mit der Schaffung von National- und Entschädigungsfonds sei ein wesentlicher Beitrag zur "Milderung des freilich nie Wiedergutzumachenden" geleistet worden, so der Bundeskanzler. Ihm sei es großes Anliegen, die Verbrechen des Nationalsozialismus ins Bewusstsein zu rufen und klarzumachen, dass die Folgen der Verbrechen und die Auseinandersetzung damit noch andauern, unterstrich Gusenbauer. Denn die "Erinnerungsarbeit darf vor keiner gesellschaftlichen Gruppe halt machen", so Gusenbauer abschließend. (Schluss) mb

Rückfragen & Kontakt:

SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Tel.: 01/53427-275,
Löwelstraße 18, 1014 Wien, http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK0006