• 11.03.2008, 09:15:00
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  • OTS0043 OTW0043

ÖBB-Qualitätsoffensive mit negativem Vorzeichen

Schwaz in Tirol (OTS) - ÖBB-Qualitätsoffensive mit negativem
Vorzeichen: Geisterzüge, Geisterbahnhöfe, Automatenfriedhöfe,
Vandalismus, etc. sind auf dem Vormarsch! Letztverantwortung für
diese Qualitätsverschlechterungen liegt bei den zuständigen
PolitikerInnen! Trotz starker Schadstoffbelastung im Tiroler
Luftsanierungsgebiet bleibt die Einrichtung eines kundenfreundlichen
Bahnverkehrs als Alternative zum motorisierten Individualverkehr auf
der Strecke!

Der "ArbeitsKreis FAHRGAST Tirol" konstatiert, dass die ÖBB ihre
völlig falsche Zukunftsstrategie fortsetzen, indem sie nicht auf vor
Ort stationiertes menschliches Personal und dessen Kundendienst
sondern auf Automaten, Videokameras und dergleichen setzen. Während
das gehobene ÖBB-Management mit fürstlichen Gagen, welche
zwischenzeitlich sogar den Rechnungshof beschäftigen, bedient wird,
werden die im Kundendienst stehenden EisenbahnerInnen an der Basis
zwecks Einsparungen auf Anordnung von "oben" fleißig
wegrationalisiert.

Die aktuellen kundenfeindlichen Planungen der ÖBB für Tirol
lauten: Wegrationalisierung der FahrdienstleiterInnen an den Bahnhöfe
Fritzens-Wattens, Schwaz, Jenbach und Brixlegg!

In Jenbach wird es weiterhin einen Fahrkartenschalter geben. Die
restlichen aufgezählten Bahnhöfe werden dagegen ohne ÖBB-Personal
Geisterbahnhöfen bzw. Automatenfriedhöfen gleichen. Der Fahrgast kann
sich auf zunehmenden Vandalismus einstellen.

Die Anzahl der Bahnhöfe, an denen Fahrgäste kein ÖBB-Personal,
welches bei Bedarf hilfreich zur Seite stehen kann, vorfinden, wird
also weiter erhöht. Wer z.B. in einem Rollstuhl sitzt, weiß aus
eigener Erfahrung, dass die FahrdienstleiterInnen wichtige
Ansprechpersonen sind. Aber auch bei der Sicherung von Anschlüssen im
Verspätungsfall können vor Ort befindliche FahrdienstleiterInnen
Fahrgästen immer wieder behilflich sein, um ein weiteres Beispiel zu
nennen.

Die zunehmend kundenfeindlicher werdenden Gegebenheiten im Tirol
Bahnverkehr der ÖBB lassen sich so auf den Punkt bringen:

Im Tiroler Inntal verkehren seit einigen Monaten tagsüber
Geisterzüge ohne Kundenservice, da die ZugbegleiterInnen bekanntlich
aus Kostengründen teilweise wegrationalisiert wurden. In Ergänzung
dazu wird die Anzahl der personalfrei geführten Geisterbahnhöfe in
Tirol schrittweise aufgestockt. Zwischen Innsbruck und dem Brenner
gibt es ohnedies nur noch Geisterbahnhöfe ohne ÖBB-Personal. Zwischen
Innsbruck und Scharnitz geistert es an allen Bahnhöfen mit Ausnahme
von Seefeld. Im Tiroler Unterinntal wird es demnächst ähnlich
aussehen und für das Tiroler Oberinntal oder das Tiroler Außerfern
liegen dieselben Planungen in den ÖBB-Schubladen. Bis es im Brixental
so weit sein wird, ist nur noch eine Frage der Zeit.

Und was machen die verantwortlichen PolitikerInnen? Die politisch
Verantwortlichen leisten der Einführung von Geisterzügen und
Geisterbahnhöfen, deren Kundendienst in erster Linie aus Vandalismus
besteht, Vorschub. Denn von politischer Seite werden
Verkehrsdiensteverträge unterschrieben, in welchen zwar steht, dass
die Tiroler SteuerzahlerInnen viele Euromillionen an die ÖBB zu
bezahlen haben. Aber in den Verkehrsdiensteverträgen wird von den
politisch Verantwortlichen nicht klar festgeschrieben, dass als
Gegenleistung für die Steuermillionen Bahnhöfe und Züge mit Personal
zu besetzen sind, damit PendlerInnen, TouristInnen,
Freizeitreisenden, Behinderten, älteren und gebrechlichen Personen,
Reisenden mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck etc. etc. ein
adäquates Kundenservice angeboten wird.

Der "ArbeitsKreis FAHRGAST Tirol" hält pointiert fest, dass man
von politischer Seite den ÖBB unser Steuergeld in den Rachen
schmeißt, ohne dass in den Verkehrsdiensteverträgen
LEISTUNGSVEREINBARUNGEN, WELCHE GENAU UND DETAILLIERT REGELN, WAS DIE
ÖBB ALS GEGENLEISTUNG ERBRINGEN MÜSSEN, festgeschrieben werden. Es
bleibt den ÖBB überlassen, ob an den Bahnhöfen und in den Zügen ein
gutes, ein miserables oder überhaupt kein Kundenservice angeboten
wird. Die Steuermillionen fließen unabhängig von irgendwelchen
detailliert ausformulierten Qualtitätskritieren. Der Rechnungshof
sollte sich daher nicht nur mit den fürstlichen Gagen des gehobenen
ÖBB-Managements sondern auch mit den in den Verkehrsdiensteverträgen
trotz Zahlung von Steuermillionen nicht bzw. nur sehr mangelhaft
festgeschriebenen Qualitätskriterien befassen. Immerhin gibt das Land
Tirol 2008 etwas mehr als 68 Steuermillionen für den öffentlichen
Verkehr aus. Zur Vermeidung von Missverständnissen, sei ausdrücklich
betont, dass diese 68 Millionen NICHT den ÖBB allein zufließen. Mit
diesem Geld werden vom Land Tirol 2008 beim öffentlichen Verkehr
vielmehr ALLE Bestellleistungen bei Bussen und im Bereich Schiene
abgedeckt. Wie allgemein bekannt sein dürfte, gibt es neben den ÖBB
auch andere im öffentlichen Verkehr bei Bus und Bahn in Tirol tätige
Unternehmen - selbstverständlich auch private -, welche am
68-Millionen-Kuchen mitverdienen.

Welche negative Entwicklung nicht vorhandene Qualitätskriterien
nach sich ziehen können, sei exemplarisch am Osttirolverkehr deutlich
gemacht. In früheren Jahren gab es zwischen Innsbruck und Lienz mehr
umsteigefrei verkehrende Direktzüge als heute. Die ÖBB haben die
Anzahl der umsteigefrei verkehrenden Direktzüge zwischen Innsbruck
und Lienz vor Jahren reduziert, weil der politisch zu verantwortende,
den Tiroler SteuerzahlerInnen jährlich viele Millionen kostende
Verkehrsdienstevertrag mit den ÖBB so miserabel ausformuliert ist,
dass diese Qualitätsverschlechterung möglich wurde, ohne dass den ÖBB
ein Vertragsbruch nachgewiesen werden konnte.

Letztlich stellt sich mit Blick auf die bevorstehenden Tiroler
Landtagswahlen auch die Frage, wozu wir PolitikerInnen, welche unter
Rückgriff auf unser Steuergeld derart miserable
Verkehrsdiensteverträge abschließen, überhaupt noch brauchen. Für die
nächste, den Tiroler Landtagswahlen folgende Legislaturperiode
fordert der "ArbeitsKreis FAHRGAST Tirol" jedenfalls von den
politisch Verantwortlichen Tirols den ABSCHLUSS EINES NEUEN
VERKEHRSDIENSTEVERTRAGES MIT DEN ÖBB, IN WELCHEM AUF PUNKT UND
BEISTRICH GENAU GEREGELT WIRD, WELCHE GEGENLEISTUNGEN DIE ÖBB FÜR DAS
EINGESETZTE STEUERGELD AUS TIROL INSBESONDERE IM BEREICH DES
KUNDENDIENSTES ZU ERBRINGEN HABEN. Denn mit Einführung weiterer
Geisterzüge und Geisterbahnhöfe werden die verantwortlichen
PolitikerInnen die im stark schadstoffbelasteten Luftsanierungsgebiet
lebende Bevölkerung Tirols nicht in nennenswertem Umfang zum
Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr bewegen können. Die Steigerung
der Fahrgastzahlen der letzten Jahre verläuft im Sinne einer
Marginalisierung und führte bis jetzt zu keiner nachweisbaren
Verbesserung der Luftgüte im stark schadstoffbelasteten
Luftsanierungsgebiet. Der "ArbeitsKreis FAHRGAST Tirol" fordert daher
neben den angesprochenen Verbesserungen im Kundendienst die umgehende
Einführung eines flächendeckenden, kostengünstigen, attraktiven,
aufeinander optimal abgestimmten öffentlichen Nahverkehrs bei Bus und
Bahn.

Rückfragehinweis:
Martin Teißl
Sprecher des ArbeitsKreises FAHRGAST Tirol
Pirchanger 73, 6130 Schwaz in Tirol
mailto:[email protected]
http://www.fahrgast-tirol.at

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