- 10.03.2008, 17:02:01
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ruttenstorfer: Glücks- oder Pechmarie? - von Robert Gillinger
Ungarn fährt eine Strategie, die der Zeit nicht mehr entspricht
Wien (OTS) - Glück und Pech sind ein Paar, wobei der eine Teil
ohne den anderen nicht leben kann. Daher liegen beide auch immer nah
beisammen. Und manchmal kann man einfach nicht sagen, ob das jetzt
Glück oder Pech war, erst die Zukunft bringt die Lösung. Zu sehen
etwa am Beispiel OMV, besser gesagt bei deren Versuch, den
ungarischen Konkurrenten MOL zu übernehmen. Ist es Glück oder Pech,
dass das Sultanat Oman mit acht Prozent bei der MOL einsteigt? Pech,
dass jetzt acht Prozent weniger am Markt sind, die aufkaufbar sind?
Oder ist es gar ein Glück für die Österreicher? Immerhin sind sich
das Sultanat Oman und der OMV-Aktionär Abu Dhabi vieles, nur nicht
spinnefeind. Überhaupt gilt die arabische Geschäftswelt als
konziliant, beide Kleinstaaten arbeiten überdies in Energiefragen oft
zusammen. Und Feind seines Geldes ist auch ein Sultan aus dem
Morgenland nicht. Immerhin liegt der von der OMV gebotene
Übernahmepreis um rund ein Viertel über jenem, den die Ölgesellschaft
Oman Oil Company jetzt für seine MOL-Anteile zahlte.
Doch lassen wir die aus österreichischer Sicht sicher gefärbte
Spekulation, die aus OMV-CEO Wolfgang Ruttenstorfer eine Glücksmarie
werden ließe. Und wenden uns der ungarischen Seite zu: Im Zuge des
Griffs der OMV nach dem nationalen Öl- und Gaskonzern wurden sich
Regierung und Opposition schnell handelseins und schufen die "Lex
MOL". Das ist nichts anderes als die Abwehr von Übernahmen
ungarischer strategischer Unternehmen vonseiten ausländischer
Konzerne in öffentlicher Hand per Gesetzesvorlage. Da die OMV ja per
ÖIAG zu 31 Prozent im Staatsbesitz steht, sollten die Österreicher so
vor der Tür gehalten werden. Nicht jedoch andere, bei denen die
öffentliche Hand wohl noch mehr mitredet: Tschechiens CEZ wurde an
Bord geholt, an der der Staat sogar die Zwei-Drittel-Mehrheit hält,
und jetzt eben die Oman Oil Company, bei der nicht eine Aktie
ausserhalb des öffentlichen Einflussbereichs liegt.
Diese Frage, liebe ungarische Nachbarn, werdet ihr euch wohl gefallen
lassen müssen: Sind tschechische Konzerne und Gesellschaften aus dem
Oman für euch attraktivere Partner als ein österreichischer? Noch
dazu einer, der bereit ist, mehr als jeder andere für eure Öl- und
Gasgesellschaft zu zahlen? Auch ihr seid in der EU und nunmehr Teil
eines größeren Ganzen. Kleinstaatliche Befindlichkeiten sind in einer
globalisierten Welt fehl am Platz. Oder versteht ihr euch - jetzt, da
der Forint ein Ablaufdatum hat - als Feinde eures Geldes? Das sollten
unsere Unternehmen wissen, die ein Ungarn-Investment planen.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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