ÖAMTC: Spät aber doch: Die zweite Röhre des Pfändertunnels wird gebaut

Auch der Arlberg-Straßentunnel ist noch lange nicht sicher

Wien (OTS) - Spät aber doch werden heute, Donnerstag, die Bauarbeiten an der zweiten Röhre des Pfändertunnels bei Bregenz in Angriff genommen. Für ÖAMTC-Tunnelexperten Willy Matzke viel zu spät. Obwohl sich bereits vor knapp 13 Jahren am 10. April 1995 in dem einröhrigen Tunnel ein verheerender Unfall ereignet hatte, bei dem drei Menschen in ihren brennenden Fahrzeugen ums Leben gekommen sind, erfolgte der Spatenstich erst heute. "Dieser Unfall war nur einer von vielen. Einröhrige Autobahn-Tunnel mit Gegenverkehr und noch dazu ohne Flucht- und Rettungswege sind und bleiben tickende Zeitbomben", urteilt Matzke.

Im ÖAMTC-Tunneltest 2003 wurde das Unfallrisiko im Pfändertunnel mit "sehr hoch" eingestuft. Auch deshalb, weil es auf 6,7 km Länge keine Fluchtmöglichkeit gibt. Vor allem der viel zu geringe Sicherheitsabstand bei zu hohem Tempo von Großfahrzeugen wie Lkw und Busse sind ein enormes zusätzliches Sicherheitsrisiko. In anderen Ländern sind längst 100 Meter Sicherheitsabstand für solche Fahrzeuge in Tunnels zwingend vorgeschrieben. In Österreich wird häufig ein Abstand von nur wenigen Metern toleriert. Eine tödliche Gefahr, die immer wieder zu Massenkarambolagen führt.

Sicherheitsüberprüfung des Arlberg-Straßentunnels mit Mängeln

Bei der Sicherheitsüberprüfung des Arlberg-Straßentunnels konnten zwar Verbesserungen attestiert werden, sicher ist dieser einröhrige Tunnel aber noch lange nicht. Auch hier gab es bis vor einem Jahr auf der gesamten Länge von 13 Kilometern keine Fluchtwege. Seit 2007 sind im Arlberg-Straßentunnel von der Asfinag alle 1700 Meter Fluchtmöglichkeiten in riesige Schutzräume errichtet worden, die bis zu 800 Personen aufnehmen können. Diese Schutzräume sind mit tagheller Beleuchtung, Belüftung, Telefon- und Videokontakt in die Tunnelüberwachungszentrale in St. Jakob ausgestattet. "Sie sind deshalb so groß ausgelegt, weil sie Bestandteil eines kombinierten Sicherheitspaketes zwischen Straßen- und Bahntunnel sind. Die Fluchträume sollen also auch Passagiere eines ganzen Reisezuges aufnehmen können", erklärt der ÖAMTC-Experte.

Nach dem geltenden Tunnelsicherheitsgesetz sind solche Fluchträume nur erlaubt, wenn sie auch die weitere Fluchtmöglichkeit über einen Rettungsstollen ermöglichen, damit die Menschen niemals in eine Falle gelockt werden können. Es sollen also im Notfall einer Eisenbahnkollision alle Passagiere zuerst in den Fluchträumen gesammelt und dann geführt über den Straßentunnel evakuiert werden. Umgekehrt soll bei einer Brandkatastrophe im Arlberg-Straßentunnel eine Evakuierung über einen Rettungszug der Bahn möglich sein.

Der ÖAMTC-Tunnelexperte kann das Funktionieren der Rettungspläne der Bahn nicht bestätigen, weil beim jüngsten Tunneltest im Arlbergtunnel vor wenigen Wochen nur der Straßentunnel geprüft werden konnte. Bei einer früheren Prüfung im Sommer 2007 gab es im Bahntunnel nicht einmal eine funktionierende Beleuchtung. Die Befahrbarkeit der Gleise für Feuerwehren ist bis heute nicht in der versprochenen Form realisiert.

Der ÖAMTC hat beim Tunneltest das Risikopotenzial für einen schweren Unfall im Arlberg-Straßentunnel nicht ganz so hoch angegeben wie im Pfändertunnel. Gründe dafür sind das geringere Verkehrsaufkommen mit weniger Lkw und vor allem die viel bessere Tunnelbeleuchtung mit einem durchgehenden Leuchtband aus Neonröhren mit Weißlicht. Der Tunnelexperte des Clubs anerkennt die enorme Bauleistung der Asfinag, mussten doch die neuen Sicherheitsräume ohne Unterbrechung des Straßenverkehrs hergestellt werden, was sogar unfallfrei gelungen ist. Trotzdem entspricht der Fluchtwegabstand von 1700 Metern nicht den Vorschriften der Europäischen Tunnelrichtlinie und des Straßentunnel-Sicherheitsgesetzes, wonach alle 500 Meter eine Fluchtmöglichkeit bestehen muss. Diese Umsetzung erfordert enorme Investitionen im Sinne der Sicherheit und wird noch weitere zehn Jahre dauern. Die ursprünglich einmal geplante zweite Röhre des Arlberg-Straßentunnels wird es aber voraussichtlich nie geben, weil der prognostizierte Anstieg des Verkehrs nicht eingetreten ist.

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Weitere Infos und Ergebnisse zum ÖAMTC-Tunneltests im Internet:
www.oeamtc.at/tests/tunnel

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Christian Dachs

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