- 03.03.2008, 11:23:57
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AK: Teuer und sinnlos - Regierung muss "Biosprit"-Kurs ändern
Geförderte Energiespar-Maßnahmen in Sachen Klimaschutz 40 mal so effizient wie die Beimischung von Agro-Treibstoffen
Wien (OTS) - AK: Teuer und sinnlos - Regierung muss
"Biosprit"-Kurs ändern
Geförderte Energiespar-Maßnahmen in Sachen Klimaschutz 40 mal so
effizient wie die Beimischung von Agro-Treibstoffen
"Die österreichische Biosprit-Politik ist ein Irrweg", kritisiert AK
Klimaschutz-Experte Christoph Streissler. "Österreich muss raus aus
der Rolle des falschen Vorreiters in Sachen Biosprit. Statt in der
Klimaschutzpolitik die Forderungen der EU nach Beimischung von
Biosprit überzuerfüllen, sollte die Bundesregierung sich auf wirklich
effiziente Maßnahmen konzentrieren. Die Regierung muss die für 2008
geplante Steigerung des Anteils von Biosprit an den Treibstoffen
stornieren." Der sogenannte "Biosprit" heizt als Preistreiber nicht
nur die Inflation bei den Lebensmitteln an. Die Treibstoffe vom Acker
sind auch als Klimaschützer viel zu teuer und nicht effizient.
Heute treffen sich die Umweltminister in Brüssel, um über die weitere
Klimapolitik der EU zu verhandeln, unter anderem auch über den
Einsatz von Biosprit. Österreich schreibt heute schon einen Anteil
von 4,3 Prozent vor, und für Oktober 2008 ist die Steigerung auf 5,75
Prozent vorgesehen, also mehr als zwei Jahre früher, als von der EU
vorgesehen.
Biosprit gilt in Österreich immer noch als Allheilmittel gegen die
steigenden klimaschädlichen Autoabgase. Doch der Ersatz von fossilem
Diesel beziehungsweise Benzin durch "Biosprit" gehört zu den
ineffizientesten Maßnahmen im Klimaschutz. Die Maßnahmen der
Umweltförderung, beispielsweise Energieeffizienz-Verbesserungen in
Betrieben, Kraft-Wärme-Kopplungen oder Wärmedämmung von Gebäuden
bringen im Durchschnitt für dasselbe Geld 40 mal mehr fürs Klima.
Agrotreibstoffe oder "Biotreibstoffe", wie sie wegen des positiv
besetzen Begriffs "Bio" meist genannt werden, haben zu Unrecht den
Ruf, "klimaneutral" zu sein: Die verwendeten Pflanzen wachsen nach
und binden dabei wieder eine gleich große Menge an Kohlendioxid
(CO2), wie bei der Verbrennung freigesetzt wurde. Doch mittlerweile
zeigen viele Studien, dass die Ersparnis an Treibhausgasen durch
Agrotreibstoffe - heute sind dies in erster Linie Diesel aus
Pflanzenöl und Ethanol aus Getreide - nur gering ist. Denn ihre
Produktion selbst erfordert relativ viel Energie. Die Düngung der
Pflanzen führt zu weiteren Treibhausgasemissionen. Wird für den Anbau
der Pflanzen zuvor gar Wald gerodet, ist die Netto-Emission an
Treibhausgasen um ein Vielfaches höher, als beim Einsatz der
Agrotreibstoffe danach eingespart wird.
Auch aus Kostengründen lohnt sich die Biosprit-Beimischung nicht. "Im
Vergleich zu anderen Maßnahmen ist der Einsatz von sogenanntem
Biosprit eine extrem teure Klimaschutz-Maßnahme", so AK-Klimaexperte
Streissler. Eine Tonne mit Agrodiesel eingespartem CO2 kostet 210
Euro, bei Ethanol liegt der Wert bei astronomischen 860 Euro, wenn es
in Österreich hergestellt wird. Der Durchschnittswert sonstiger
Maßnahmen in Österreich wie Kraft-Wärme-Kopplungen oder effektiver
Energiesparmaßnahmen wie Wärmedämmung bei Wohnbauten kostet dagegen
nur 5 Euro je eingesparter Tonne CO2. Beim Straßenverkehr können
letztlich nur Energieeffizienz und Energieeinsparungen helfen, die
Emissionen von Klimagasen zu verringern.
Außerdem: Die sogenannten "Bio-Kraftstoffe" treiben auch für die
Verbraucher die Lebensmittelpreise in die Höhe. Dies trifft vor allem
Wenigverdiener.
Die AK fordert daher:
+ Umdenken in der Biosprit-Politik in Österreich. Biosprit ist ein
Preistreiber und als Klima-Schutzmaßnahme nicht effektiv und viel zu
teuer.
+ Statt immer höherer Prozentsätze für Agrotreibstoff-Anteile sollte
auf EU-Ebene eine Evaluierung des wirklichen Nutzens von "Biosprit"
vorgelegt werden.
+ Förderung umweltfreundlicher Verkehrsträgern, besonders des
öffentlichen Verkehrs.
+ Förderung von besonders verbrauchsarmen Autos in Österreich, aber
auch auf EU-Ebene.
Rückfragehinweis:
AK Wien Kommunikation
Ute Bösinger
Tel.: (++43-1) 501 65-2779
mailto:[email protected]
http://wien.arbeiterkammer.at
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