- 29.02.2008, 11:57:32
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"Ausweis bitte!" - Digitale Identität hat noch Durststrecke vor sich
100.000 Bürgerkarten bis Jahresende angestrebt - Wirtschaft hat andere Bedürfnisse als Verwaltung - Junge Generation ist an mehrere Identitäten gewöhnt

Wien (OTS) - Im Privatleben und im Internet hat man möglicherweise
viele Identitäten, im staatlichen Bereich nur eine. Bei Behördenwegen
kann deshalb zwar seit einiger Zeit die Bürgerkarte verwendet werden,
man steht dabei aber auch noch vor großen Herausforderungen, waren
sich Experten bei einer Podiumsdiskussion der
APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien einig.
"Für Unternehmer wird die digitale Signatur zur Notwendigkeit,
weil hier Zeit auch Geld ist und Ende 2009 die
EU-Dienstleistungsrichtlinie in Kraft tritt. Der Bürger kann sich
hingegen frei entscheiden", erklärte Christian Rupp, Sprecher der
Plattform "Digitales Österreich". Ziel sei, die 100.000er-Grenze bei
den Bürgerkarten bis Jahresende zu knacken. Helfen soll dabei auch
Aufklärung: Noch wüssten beispielsweise nur wenige, dass die
elektronische Signatur auf der E-Card gratis sei. "Bei der
Bankomatkarte ist die Funktion hingegen - noch - kostenpflichtig", so
Rupp. Eine natürliche Barriere sei, dass erst 65 Prozent der
Österreicher das Internet nutzen würden. Aber auch bei der
Bankomatkarte seien 15 Jahre vergangen, bis sie sich durchgesetzt
habe.
"Im Geschäftsleben gibt es andere Anforderungen an die Identität
als in der Verwaltung. Schließlich zückt man bei einem Treffen mit
Partnern oder Kunden die Visitenkarte und nicht den Führerschein",
bezweifelte Georg Krause, Managing Partner von Deloitte Consulting,
die Vorteile für die Wirtschaft. Im Alltag sei eine so starke
Authentifizierung wie bei der Bürgerkarte nicht notwendig, was auch
die aktuelle Entwicklung im Bereich Web 2.0 zeige. Dienstleistungen
müssten schnell und einfach angeboten werden, sonst würde man sich
selbst aus dem Markt katapultieren. "Die Bürgerkarte ist Identität
1.0. Unternehmen wie eBay zeigen uns die Alternativen auf", so
Krause.
"Die Menschen haben heute eine Vielzahl von digitalen Identitäten,
die ihren jeweiligen Zweck hinreichend erfüllen", relativierte Harald
Lakatha, Geschäftsführer von IT Solution. Beim Einkauf mit einer
Bankomatkarte, dem Ausleihen von Filmen in der Videothek oder der
digitalen Verwaltung würde man zwar ein Stück seiner Identität
preisgeben. Dennoch könnten die Fälle nicht so einfach verglichen
werden, weil manchmal eben mehr Sicherheit notwendig sei. Eines stehe
aber fest: "Wir können das Geschäft von morgen nicht mit der
Technologie von gestern abwickeln", sagte Lakatha.
Als Problem bei der Bürgerkarte sieht Herbert Tischler von der
Telekom Austria die durch die notwendige Hardware fehlende Mobilität:
"Für die Bürger muss es eine Lösung geben, die ohne Kartenleser
auskommt. Im Geschäftsbereich kann man aber dort, wo man es braucht,
viel Geld sparen." Obwohl Österreich zu den führenden EU-Ländern beim
E-Government zähle, gebe es nach wie vor viel zu wenige Anwendungen,
wo die Bürgerkarte eingesetzt werden könne. "Die elektronische
Rechnung wäre sicher sinnvoll. Es ist aber klar, dass das nicht
optimal umgesetzt worden ist", ergänzte Christian Blauensteiner von
der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Deshalb werde es noch geraume
Zeit dauern, bis sich die elektronische Signatur durchsetzt.
"Der Installationsaufwand für sichere Lösungen wie die Bürgerkarte
überfordert viele Anwender", meinte Ralph Zeller von Microsoft
Österreich. Die Herausforderung der kommenden Jahre sei deshalb, den
Nutzen sicherer digitaler Identitäten zu vermitteln und diese
gleichzeitig so benutzerfreundlich wie den Umgang mit Usernamen und
Passwort zu gestalten. "Es wächst ohnehin eine Generation heran, die
an verschiedene Identitäten gewohnt ist. Von denen kommt der
Rückenwind. In der Verwaltung kann man aber nicht wie beim Internet
auf Selbstregulierung umstellen", erklärte Martin Wagner von ANECON.
"Der Nutzer wird entscheiden", so Hartmut R. Gailer,
Geschäftsführer von SER Solutions. Ob beispielsweise der Einkauf im
Online-Shop schnell und einfach oder doch ein bisschen aufwendiger
und dadurch sicher durchgeführt werden soll, müssten die Bürger mit
sich selbst ausmachen. "Anwendungen, die wenig erfolgreich sind,
verschwinden von selbst vom Markt. Der User wird’s schon richten.
Allerdings sollte man neben den Risiken auch die Chancen einer
Technologie diskutieren", forderte Gailer.
Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:
- ANECON Software Design und Beratung GmbH www.anecon.com
- Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com
- diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc
- DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH www.dimoco.at
- Dialog Marketing Verband Österreich www.dmvoe.at
- economyaustria www.economyaustria.at
- Gentics Software GmbH www.gentics.com
- Hewlett Packard www.hp.com/at
- IT Solution GmbH www.itsolution.at
- Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net
- Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria
- NAVAX Consulting AG www.navax.at
- NextiraOne www.nextiraone.at
- SER Solutions Österreich GmbH www.ser.at
- Telekom Austria www.telekom.at
- Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at
- APA-MultiMedia http://multimedia.apa.at
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
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Rückfragehinweis:
E-Business-Community
Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
mailto:[email protected]
Web: http://ebc.apa.at
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