WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Allein gegen die letzten Dinosaurier - von Alexis Johann

Von der Atomkraft profitiert ein Handvoll Grosskonzerne

Wien (OTS) - Österreich ist in Europa wieder einmal aufmüpfig. Die EU-Kommission arbeitet daran, die Energiezufuhr der kommenden Jahrzehnte sicherzustellen. Unter dem sperrigen Titel "SET-Plan" gibt es ein Strategiepapier, das zukunftsträchtige Energiequellen definiert, die aus Mitteln der Gemeinschaft mit Milliarden-Beträgen gefördert werden sollen. Es geht um Windkraft, Solarenergie und Biomasse, aber auch um die Erforschung und Förderung der Kernspaltung. Es klingt nach Star Trek, was Europas Atomlobby der EU-Kommission ins Ohr geflüstert hat: 2040 soll es Kernkraftwerke geben, die mit derselben Menge Uranium die 50-fache Energieleistung produzieren.

26 EU-Länder trauen dieser Vision, mit einer grossen Summe Geld, Kernkraft sicher und nachhaltig zu machen. Die meisten Träume der Atombranche sind bisher zerplatzt oder schlicht nicht umsetzbar. Kernspaltung ist nach wie vor auch in Deutschland, England, Frankreich und den USA höchst unsicher, beim Thema Kernfusion gibt es kaum Fortschritte, die Entsorgung der radioaktiven Abfälle ist teuer und ungelöst. Schon jetzt gehen knapp zehn Prozent der europäischen Energieförderungen in die Kernkraft und werden unter anderem für die Sanierung maroder Ost-AKW verwendet.

Österreich zahlt mit, will jetzt einen Schlusstrich ziehen und steht allein auf weiter Flur da. Gestern erzielte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein im EU-Energie-Rat einen winzigen Teilerfolg. Zumindest das Thema Kernspaltung ist nicht mehr im Zukunftspapier der EU zu Energie enthalten. Das heisst aber nicht, dass die EU-Kommission davon Abstand nehmen wird. Österreich muss hoffen, dass Bartenstein in dieser Sache hart bleibt. Denn neben allen ungelösten Sicherheitsfragen wäre die Förderung von Kernenergie mit EU-Mitteln ein Schaden für die heimische Wirtschaft.

Österreichische Betriebe behaupten sich weltweit erfolgreich als Spezialisten für alternative Energieträger, als Technologielieferanten für Produkte, die mit weniger Energie mehr Leistung bringen. Die Produkte kommen in der Kfz-Branche, im Hausbau und in vielen Industriezweigen zum Einsatz. Auch das heimische Wirtschaftswachstum wird von diesen Technologien abhängen, die Lösungen für knapper werdende Ressourcen liefern. Von einem Ausbau der Atomenergie profitieren eine Handvoll europäischer Grosskonzerne, die darauf hoffen müssen, dass der Tropf staatlicher Förderungen nicht versiegt.

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