- 27.02.2008, 18:09:11
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch
Blöder geht’s nimmer
Wien (OTS) - Wahlkampfzeiten sind Perioden ganz besonders
intensiver politischer Blödheit. Diese alte Sentenz lässt vermuten,
dass das aktuelle Tohuwabohu nur noch in Neuwahlen enden kann. Denn
so oft haben wir uns noch nie sagen müssen: Blöder geht’s nimmer.
Den Vogel hat Josef Cap abgeschossen, indem er sagt, dass der
Finanzminister als Folge der guten Konjunktur auf zehn Milliarden
Euro säße, die er doch endlich herausrücken solle. Für solche
Argumente sollte man einen intellektuellen Waffenschein brauchen:
Denn bekanntlich hat Österreich trotz des Booms im Vorjahr weitere
2,8 Milliarden Schulden produziert (in alter Währung gigantische 40
Milliarden Schilling!). Nur Cap weiß, wie man durch Defizite
Milliarden anhäufen kann.
Die Volkspartei wiederum hat sich bei der Befragung von Herwig
Haidinger als kleinliche Wadlbeißer-Truppe erwiesen. Denn Fragen nach
der unerlaubten privaten Nutzung von Dienstfahrzeugen sind lächerlich
- besonders wenn sie einem Bürokratentypen gelten, der in seinen
Mails penibel um detaillierte Kompetenzen, aber offenbar nur selten
um die Lösung von Kriminalfällen rang (und der wahrscheinlich am
Beginn jedes Bürotages vor allem einmal alle Bleistifte parallel
ausrichtet).
Als ungustiöser Weltmeister untergriffiger Chuzpe hat sich wieder
Peter Pilz erwiesen. Er regt sich darüber auf, dass die
Öffentlichkeit via Innenministerium von den Konflikten der Familie
Zogaj mit dem Strafgesetz erfahren hat (nachdem Grüne, ORF und
Caritas der ganzen Nation wochenlang gehirnwäscheartig eingeredet
hatten, was für ein armes, unschuldiges, vom ganzen Dorf geliebtes
Opfer jene Familie doch wäre). Derselbe Peter Pilz, welcher also den
Bürgern solche relevanten Informationen vorenthalten will, legt nun
aus parteipolitischen Motiven praktisch den gesamten Polizeiapparat
lahm, der sich künftig noch weniger als bisher auf die Verbrecherjagd
konzentrieren kann, weil er bei jedem Mail darauf achten muss, ob es
in einem (zu keinerlei Objektivität verpflichteten!) U-Ausschuss ja
nicht negativ interpretiert werden könnte. Genau das treibt so viele
Bürger in den totalen Frust: Die Politiker dürfen alles, die Bürger
nur kuschen.
Dazu kommt die ständige Stänkerei zwischen Blau und Orange, obwohl
deren Ressentiments die Menschen noch weniger als Null interessieren.
http://www.wienerzeitung.at/tagebuch
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Tel.: 01/206 99-478
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