• 27.02.2008, 17:42:56
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel:Wie lange können wir uns den Ist-Zustand leisten? - von Wolfgang Unterhuber

Irgendwann wird die Karawane weiterziehen.Und dann?

Wien (OTS) - Wer sich dieser Tage mit heimischen Unternehmern und
Managern über die aktuelle innenpolitische Lage unterhält, erlebt
Wundersames. Die Hysterie, die die politische Landschaft und einige
Medien erfasst hat, geht an den Führungskräften des Landes
offensichtlich spurlos vorbei. Das Kasperltheater um den
Untersuchungsausschuss, der Streit um ein Vorziehen der Steuerreform
und selbst das Neuwahl-Gespenst entlocken allenfalls ein müdes
Lächeln. Mehr noch: Die Stimmung in der Wirtschaft scheint gut. Die
Chefs vieler Unternehmen sprechen von einer guten Auftragslage und
nach wie vor respektablen, wenn auch zum Teil geringeren Gewinnen.
Dass die Finanzkrise in den kommenden Monaten auch Österreich treffen
wird, ist allen klar, doch sehen sich die meisten Unternehmer für
diesen Fall gut gerüstet.

Alles paletti also? Nicht ganz. Denn die Wirtschaftstreibenden sind
es gewohnt, in die Zukunft zu blicken. Und da macht sich die
Erkenntnis breit, dass in den kommenden Jahren von Seiten der
Politik keine positiven Impulse zu erwarten sind, die das
Unternehmersein leichter machen wird. Eine Erkenntnis, die
nachvollziehbar ist. Denn wie immer eine künftige realistische
Regierungskonstellation aussehen wird: Die grosse Entlastungswelle
für die Wirtschaftstreibenden wird es nicht spielen.

Dabei muss auch einmal gesagt werden, dass die Rahmenbedingungen,
unter denen hierzulande gewirtschaftet werden kann, gut sind. Doch
ist politischer Stillstand deshalb nicht erlaubt. Österreich braucht
ein paar grosse Reformen, die den Standort absichern. Das beginnt bei
einer nachhaltigen Senkung der Lohnnebenkosten, setzt sich fort über
eine Reform des Förderalismus-Prinzips (und der damit
verbundenen Bürokratie- und Verwaltungsstruktur) und endet bei einer
völligen Neugestaltung des Bildungs- und Gesundheitssystems.

Stellt sich die Frage, wie lange wir uns den Ist-Zustand leisten
können. Wenn ein Industrieller wie Alfred Heinzel erklärt,
grossen österreichischen Versicherungen laut darüber nachdenken, die
Konzernzentralen nach Osteuropa zu verlagern, weil nichts weitergeht,
dann müssten bei den Politikern die Alarmsirenen losgehen. Die aber
sind mit sich selbst beschäftigt. Mögen die Hunde also noch so
bellen, irgendwann wird die Karawane weiterziehen. Und die
Zurückgebliebenen können dann in stummer Verzweiflung darüber
räsonieren, welche Chancen sie vermasselt haben, als sie noch die
Möglichkeit hatten, die Dinge zum Besseren zu wenden.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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