- 22.02.2008, 18:10:31
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch
Aus einem Mäuseleben
Wien (OTS) - Einen Tag lang Mäuschen sein! Nicht dass die grauen
Tiere besonders sympathisch wären, aber ihnen wird nachgesagt,
unbemerkt interessanten Unterhaltungen lauschen zu können, über die
unsereins leider nur spekulieren kann. Sagte da etwa:
- Hillary Clinton (ganz leise) zu Barack Obama, als sie ihn vor
der Fernsehdiskussion süßsäuerlich auf die Wange küsst: "F. . .
Plagiarist, 2008 is my turn! Ich muss für Bill ja noch die
Zigarrenkiste aus dem Oval office holen."
- ein schwankender Jung-Belgrader zum anderen beim Leeren der
dritten Slibowitz-Flasche: "Und heute Abend fackeln wir noch zwei
Botschaften ab, dann gehört uns der Kosovo wieder!"
- ein VW-Arbeiter zu einem deutschen Postler: "Ein Schlappschwanz,
euer Zumwinkel, nur eine Million hinterzogen! Unser Betriebsratschef
Volkert hat zwei Millionen kassiert, seine Freundin im Betrieb
versorgt und sich auch noch Bordellbesuche und Luxusreisen zahlen
lassen. So macht man das, Junge!"
- ein österreichischer Diplomat zum anderen: "Zeiten sind das! Wie
soll ich nur den nächsten Cocktail zahlen, lieber Freund? Jetzt darf
man ja nicht einmal mehr für ein Visum kassieren."
- der ORF-Gewaltige zum "Zeit im Bild"-Redakteur: "Wieso waren in
der ZiB 1 nur zwei PR-Beiträge für die Grünen? Ihr gefährdet meinen
Posten."
- die Werbeagentur, als sie der Bawag die neue Kampagne eingeredet
hat: "Man muss in der Werbung immer auf vorhandene Image-Stärken
setzen. Also nutzen wir für die Kampagne doch das gute alte
Gewerkschafts-Image, dass da lieber gemütlich geplaudert als
gearbeitet wird."
- der Innenminister zum Chef des BIA: "Ihr Fernsehinterview war
gemein. Jetzt sagen alle, Sie wären eigentlich ein viel besserer
Minister als ich."
- der amerikanische General zum anderen: "Perfekt! Mit dem
Satellitenabschuss haben wir den Krieg der Sterne üben können und
werden dafür auch noch gelobt."
- die deutsche Bundeskanzlerin zu ihrem Liechtensteiner Kollegen:
"Wenn wir gewusst hätten, dass das in Liechtenstein verboten ist,
hätten wir natürlich nicht bei Euch spioniert. Aber weil Sie gerade
bei mir sind: Könnten Sie mir vielleicht eine kleine diskrete Bank
empfehlen?"
Meine Empfehlung: Lieber nicht Mäuschen sein.
http://www.wienerzeitung.at/tagebuch
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]
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