10 Jahre AUVA Pflegepreis Burgenland: LH Niessl zeichnet Dubravka Köller aus Stoob für 2007 aus

Eisenstadt (OTS) - Seit zehn Jahren wird der AUVA Pflegepreis Burgenland für die mehrjährige, aufopfernde Pflege eines nach einem Arbeitsunfall dauerhaft Schwerverletzten im Familienverband vergeben. Die Preisträgerin des Jubiläumsjahres 2007 ist Dubravka Köller aus Stoob. Die Ehrung fand am Mittwoch, dem 20. Februar 2008, um 16 Uhr 30, im Schloss Esterhazy in Eisenstadt statt. Der AUVA Pflegepreis Burgenland 2007 wurde von Landeshauptmann Hans Niessl und Direktor Ing. Johann Kaiser, AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) Landesstelle Wien verliehen. Dazu waren auch alle bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger eingeladen.

Der Pflegepreis entstand 1998 auf Initiative der Landesstelle Wien der AUVA und steht unter der Patronanz des Landeshauptmannes. Die Gewerkschaft Bau-Holz steuert einen Urlaub bei; der Gutschein dafür wurde von Kammerrat Rudolf Silvan, übergeben.

"Mit dem Pflegepreis will die AUVA jenen danken, die einen Schwerstversehrten über viele Jahre hinweg bei sich zu Hause pflegen und dafür viele Opfer auf sich nehmen. Die Pflege zu Hause bedeutet körperliche und seelische Betreuung rund um die Uhr. Parallel dazu gilt es den Haushalt, weitere Familienmitglieder zu versorgen, Termine zu koordinieren. Unsere Preisträgerinnen und Preisträger sind echte Familienmanager," sagte Dir. Ing. Johann Kaiser bei der Jubiläumsfeier und dankte Landeshauptmann Hans Niessl für den feierlichen Rahmen und seinen Ehrenschutz.

"Die Pflege eines hilfebedürftigen Familienangehörigen verdient größte Anerkennung und Wertschätzung. Denn die Anforderungen an die Angehörigen sind sehr groß. Großteils sind es Frauen, die sich sehr liebevoll und mit sehr viel Aufopferung um hilfsbedürftige Angehörige kümmern. Still und bescheiden, meist unbeachtet von der Öffentlichkeit, erbringen sie eine herausragende Leistung. Mit der Verleihung des Pflegepreises werden diese Menschen seit nunmehr zehn Jahren vor den Vorhang gebeten. Und ich halte das für sehr wichtig, diese beachtlichen Leistungen zu würdigen. Diese Menschen sind ein Vorbild in unserer Gesellschaft," betonte Landeshauptmann Hans Niessl.

Zu den Gratulanten zählten Familienmitglieder, Freunde, Landesrat Dr. Peter Rezar, Nationalratsabgeordnete Edeltraud Lentsch, Landessekretär Karl Marhold, Gewerkschaft Bau-Holz, Pflegedirektorin Mag. Renate Peischl, Burgenländische Krankenanstaltengesellschaft, Chefredakteur Manfred Murczek, BF-Burgenlandwoche, Bruno Stutzenstein, Bürgermeister von Stoob, Markus Schrödl, Vizebürgermeister von Stoob, Pater Tadeusz Trojan, Pfarrer Oberpullendorf/Stoob, DGKS Hermine Ebner, Pflegedienstleiterin UKH und RZ Meidling, Chefarzt MR Dr. Djawad Lessan, AUVA Landesstelle Wien.

Zum Jubiläum wurden alle bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger eingeladen. Den AUVA Pflegepreis erhielten bisher in chronologischer Folge:
Herbert Steiner aus Nickelsdorf, Anneliese Dorfmeister aus Tschurndorf, Margarete Renz aus Güssing, Maria Plank aus Mattersburg, Eleonore Benedek aus Markt Allhau, Maria Jandl aus Neusiedl am See, Ulrike Haring-Kremsner aus Schattendorf und Karoline Pöll aus Grafenschachen, Maria Habeler aus Wiesen, Adelheid Kreminger, Gattendorf.

Der AUVA Pflegepreis

Der AUVA Pflegepreis besteht aus der offiziellen Ehrung beim Landeshauptmann, einer Urkunde und dem Bronze-Relief "Sonnenstiege" des Künstlers Prof. Horst Aschermann. Er wird ergänzt durch einen Erholungsurlaub in einem behindertengerechten Hotel, der von der Gewerkschaft Bau-Holz zur Verfügung gestellt wird. Adelheid Kreminger, Pflegepreisträgerin 2006, war im September 2007 mit ihrem Gatten eine Woche in Kirchberg in Tirol.

In Österreich leben rund 7.300 Schwerstversehrte nach einem Arbeitsunfall und rund 3.000 davon in Burgenland, Niederösterreich und Wien. Die Einstufung als Schwerstversehrter erfolgt bei einer Minderung der Erwerbstätigkeit um mehr als 50 Prozent. In Burgenland leben derzeit zwei AUVA Versehrte mit Pflegestufe 7, einer mit Pflegestufe 6 sowie 13 Versehrte mit Pflegestufe 5 (schwere Querschnittslähmungen). Für die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) zählt die Rehabilitation neben der Prävention, der Unfallheilbehandlung und der finanziellen Entschädigung zu den vier Kernaufgaben. In den vier AUVA-Rehabilitationszentren in Österreich werden jährlich 5.000 Menschen nach Unfällen so weit wie möglich auf die Rückkehr in ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben vorbereitet.

Die Auswahl der Pflegerin des Jahres erfolgt in einem mehrstufigen Bewertungsprozess. Gemeinsam mit den regionalen Sozialarbeitern werden vom Rehabilitationsteam der AUVA-Landesstelle Wien alle Betreuer, die einen schwerstversehrten Angehörigen nach einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit aufopfernd und lange Jahre zu Hause pflegen, nominiert. Als Kriterium gilt eine Pflegedauer von mehr als drei Jahren für Versehrte der höchsten Pflegestufe 7, von mehr als fünf Jahren für Pflegestufe 6 und mehr als zehn Jahren für Versicherte der Pflegestufe 5.

Dr. Djawad Lessan, Chefarzt der AUVA-Landesstelle, Hermine Ebner, Pflegedienstleiterin des AUVA-Unfallkrankenhauses und des Rehabilitationszentrums Wien-Meidling, und Werner Vogl, Leiter des Rehabilitationsteams in der Leistungsabteilung, besuchen die Kandidaten und wählen maximal zwei Pflegepersonen aus. Ausschlaggebend neben der Anzahl der Pflegejahre sind die Pflegeintensität, der gesundheitliche Zustand, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Entbehrungen, die die Kandidaten auf sich nehmen.

Ist die Kandidatenreihung nicht eindeutig, so trifft die endgültige Auswahl eine Jury, der in Burgenland Mag. Renate Peischl, Pflegedirektorin der Burgenländischen Krankenanstaltengesellschaft, Chefredakteur Manfred Murczek, "BF Die Burgenland-Woche", die Gewerkschaft Bau-Holz, und Direktor Ing. Johann Kaiser, Leiter der AUVA-Landesstelle Wien, angehören.

Seit 10 Jahren (Juli 1998) betreut Dubravka Köller ihren Mann Albin (Tetraparese, Pflegestufe 5) zu Hause. Auf Grund der Länge der Pflegezeit fiel die Wahl der Jury für 2007 auf sie. Die AUVA-Landesstelle Wien unterstützt die Familie Köller mit medizinischen Hilfsmitteln, Darlehen und Zuschüssen zum behindertengerechten Hausbau und zum Fahrzeugkauf - bisher in Höhe von rund 75.000 Euro. Albin Köller bekommt eine Unfallrente, eine Invaliditätspension, sowie derzeit Pflegegeld der Stufe 5.

Dubravka Köller aus Stoob:
AUVA Pflegepreisträgerin Burgenland 2007

Dubravka Köller hat Erfahrung mit Extremsituationen. 1991 mit zwei Kleinkindern vor dem Krieg in Kroatien geflohen, baute sie sich in Österreich eine neue Existenz auf. Am Arbeitsplatz lernte sie Albin Köller kennen und nach seinem Unfall lieben. Ein Verkehrsunfall führte bei Albin Köller zu Verrenkungsbrüchen von zwei Halswirbeln und zur Teillähmung. Seit zehn Jahren versucht Dubravka Köller das Unabänderliche zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen - zum Wohle ihres Mannes und ihrer Familie.

Dubravka Köller wurde am 2. September 1963 in Osijek geboren und arbeitete zunächst als Bürokauffrau. Der Bürgerkrieg in Kroatien ließ sie mit ihren drei und zehn Jahre alten Söhnen im Jahre 1991 nach Österreich flüchten, ihr damaliger Mann folgte später nach. Die Ehe wurde nach einigen Jahren geschieden.

Albin Köller lernte sie am Arbeitsplatz in einer Metallfabrik in Stoob kennen. Er arbeitete dort als Koch und sie als Kellnerin. Am 20. Jänner 1997 wurde Albin Köller auf der Heimfahrt vom frisch gepachteten Betrieb bei einem Verkehrsunfall schwer an der Halswirbelsäule verletzt. Die Folge war eine Tetraparese, eine Teillähmung der Extremitäten. Weitere, für andere selbstverständliche Körperfunktionen sind ebenfalls gestört. Aus Besuchen im Krankenhaus und der Mitarbeit im Gasthaus in Kaisersdorf wuchs eine Beziehung. Im April 2002 wurde geheiratet und der Traum vom Leben in einem Holzhaus, das behindertengerecht gebaut wurde, verwirklicht.

Familie Köller erfüllte den Pachtvertrag für das Gasthaus in Kaisersdorf, der im Jänner 2002 auslief. Seit dem ist Albin Köller zu Hause, beschäftigt sich viel mit dem Internet und freut sich über Besuche von Freunden und Jagdkollegen. Seine Frau ist für Albin Köller ein wichtiges Ventil, um mit den Unfallfolgen umgehen zu lernen. Vor allem Wetterumschwünge machen ihm zu schaffen, dann nehmen Krämpfe, Schwindel und Schwächeanfälle zu. Er versucht seine Gehfähigkeit so lange als möglich aufrecht zu erhalten und benützt Krücken und Gehstöcke.

Mit positivem Denken, in Gesprächen mit der Freundin und den nun mehr schon 19- und 26-jährigen Söhnen versucht Dubravka Köller Kraft zu tanken. "Ohne Boris und Dejan würde ich heute nicht hier stehen. Sie haben mich immer unterstützt und dafür möchte ich ihnen danken," betont die Pflegepreisträgerin anlässlich der Ehrung.
Soziale Kontakte sind ihr wichtig. So hat sie im WIFI eine Kosmetik-Lehre abgeschlossen und arbeitet seit zwei Jahren dreimal in der Woche halbtags in der Therme Lutzmannsburg. Eine Selbstständigkeit wird für die Zukunft nicht ausgeschlossen.

Der Tagesablauf wird gemeinsam und in Teamarbeit bewältigt: nach dem Frühstück holt Frau Köller im Winter das Holz für den Kachelofen ins Haus, mit dem ihr Mann dann einheizt. Auch gekocht wird gemeinsam. Nach dem Mittagessen gibt es eine Ruhephase für ihn, ehe weitere Aktivitäten beginnen können.

Albin Köller ist dank Unfallrente, Invaliditätspension und Pflegegeld der Stufe 5 finanziell abgesichert. Die AUVA hat bislang mit den notwendigen Hilfsmitteln (Gehhilfen, Dusch-Schemel), sowie Darlehen und Zuschüssen zum Hausbau und Autokauf geholfen.

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