"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zumwinkel und Co sind keine normalen Steuersünder (Rainer Strunz)

Ausgabe vom 19.02.2008

Graz (OTS) - Deutschland ist in Aufruhr. Hunderte reiche Bürger sollen Milliarden am Fiskus vorbei nach Liechtenstein geschleust haben, die Debatte um die grenzenlose Gier der Manager hat kurzfristig sogar den Hattrick des Bayern-Stürmers Luca Toni gegen Hannover an den Rand der Stammtische gedrängt.

Die Angelegenheit lässt sich auch allzu gut diskutieren, hat die jüngste Vergangenheit doch genügend Anschauungsmaterial geliefert, wie es um Verantwortung und Vergütung der deutschen Spitzenmanager bestellt ist. Und da muss man simpel sagen: Verantwortung mager, Vergütung üppig.

Denn fast überall, wo Firmen ausradiert, transferiert und gesungeschrumpft wurden, stiegen in den Chefetagen die Extra-Zahlungen. Die "Entschlackungskur" in der Deutschen Bank kostete zwar abertausende Jobs, brachte dem Chef aber eine Jahresgage in zweistelliger Millionenhöhe. Die Litanei ließe sich beliebig fortsetzen, bis zum ungekrönten Gagenkaiser Wendelin Wiedeking, dem von Porsche für 2006 über 60 Millionen Euro serviert wurden.

Im Gegensatz zum großen Geldverdienen wird das Thema Verantwortung klein geschrieben. Jürgen Schrempp etwa ritt Daimler mit der Chrysler-Liaison fast in die Pleite, bekam aber trotzdem eine immense Abfertigung, Mannesmann-Chef Klaus Esser verlor den Übernahme-Kampf gegen Vodafone und erhielt 400 Millionen, VW hatte seine Lustreisen, Siemens seine Schmiergeld-Milliarden usw.

All das ist der Nährboden, auf dem die Frustrationen wachsen. Topmanager hatten - nicht nur in Deutschland - immer eine Vorbildfunktion, und es schmerzt halt besonders, wenn Leute, die über ökonomisches Wohl und Wehe entscheiden, mit hemmungsloser Gier und Steuerhinterziehung in Verbindung gebracht werden. Auch wenn sie nicht die Mehrheit bilden, auch wenn es Manager gibt wie den Ex-Chef der deutschen Commerzbank, Klaus-Peter Müller, der bei seinem Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat auf einen Anspruch von sieben Millionen Euro verzichtet hat.

Also alles Müller? Wohl kaum. Zumwinkel und Co mögen zwar die Minderheit sein, aber sie sind auch keine normalen Steuerhinterzieher, die der Putzfrau den Stundenlohn schwarz zustecken. Es mag scheinheilig sein, wenn man zwischen dem Steuersünder, der in vielen von uns steckt, und dem Top-Manager unterscheidet. Trotzdem: Wer Spitzenposition in der Wirtschaft bekleidet, sollte an Gesetzestreue und Ehrbarkeit mehr als die Mindestanforderungen erfüllen.****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001