Ludwig präsentierte neuen Bildband: "Symbol des Roten Wien"

Buch-Neuheit "Karl-Marx-Hof - Versailles der Arbeiter"

Wien (OTS) - Über den Karl-Marx-Hof, der eine Pilgerstätte für Architekturfans aus der ganzen Welt darstellt, ist bereits viel geschrieben worden. Dennoch bietet das liebevoll gestaltete Buch, das kürzlich im Holzhausen-Verlag erschienen ist, neue Einblicke in den einzigartigen Gemeindebau. Neben wunderbaren Porträts und Lebensgeschichten von BewohnerInnen des Karl-Marx-Hof sind darin eindrucksvolle Beiträge über seine Baugeschichte, über den Architekten Karl Ehn und großartige historische und zeitgenössische Architekturfotos zu finden. Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig präsentierte den neuen Bildband am 5. Februar gemeinsam mit den Herausgebern Gerald und Genoveva Kriechbaum.****

Wohnbaustadtrat Michael Ludwig: "Der soziale Wiener Wohnbau hat damals wie heute einen weltweit herausragenden Stellenwert. Vor dem Bauprogramm des 'Roten Wien' war die Wohnsituation in unserer Stadt nach internationalen Vergleichen die Schlechteste in ganz Europa. Tausende Menschen waren obdachlos oder fristeten ihr Leben zusammengepfercht in Mietskasernen. Als die Sozialdemokratische Partei 1919 die absolute Mehrheit im Wiener Gemeinderat errang, machte sie den Wiener Wohnbau zu einem positiven Beispiel in ganz Europa. Es gelang in der Zeit des 'Roten Wien' nicht nur, rund 61.000 Wohnungen zu bauen, sondern den Bewohnerinnen und Bewohnern auch neue, soziale Errungenschaften, wie Kindergärten, Waschküchen und Bibliotheken zur Verfügung zu stellen. Der Karl-Marx-Hof wurde mit seinen zahlreichen, modernen Gemeinschaftseinrichtungen und großzügigen Grünflächen zum Symbol des 'Roten Wien'. Ein Monument, das für eine soziale Wohnbaupolitik steht, die allen Wienerinnen und Wienern qualitätsvolles und leistbares Wohnen ermöglicht. Ich freue mich deshalb ganz besonders, diesen gelungenen Bildband präsentieren zu können, der ein sehr persönliches und dennoch umfassendes Bild vom Karl-Marx-Hof zeichnet."

Nicht nur das Buch selbst, sondern auch seine Entstehungsgeschichte ist bemerkenswert. Die Herausgeber - Dr. Gerald Kriechbaum, Österreichischer Botschafter in Abu Dhabi und seine Tochter Genoveva, Multimediakünstlerin und freie Journalistin, haben mehrere Jahre an dem Bildband gearbeitet, Fotos und Dokumente zusammengetragen, BewohnerInnen interviewt und "im Blitzlicht" auch einige weitere Wohnbauten aus der damaligen Epoche beleuchtet. Genoveva Kriechbaum: "Das Buch ist aus Liebhaberei und Begeisterung über den Karl-Marx-Hof entstanden. Wir haben einige Jahre in seiner Nähe gewohnt und konnten so tagtäglich beobachten, welche große Bedeutung der Karl-Marx-Hof für unzählige Menschen hat. Als Auslandsösterreicher ist uns die hohe Wertschätzung für diesen Meilenstein in der Geschichte des sozialen Wohnbaus besonders aufgefallen."

Kurzinhalt des Buches

Im ersten Textbeitrag geht Gert Kähler auf die rege Bautätigkeit im Wien der Zwischenkriegszeit ein. Er stellt das "Rote Wien" vor seinem historischen Hintergrund dar und beschreibt zunächst die äußerst desolaten Wohnverhältnisse der Gründerzeit, die der Ausgangspunkt des erfolgreichen kommunalen Wohnbaus in Wien waren. Dann widmet er sich ausführlich den programmatischen und architektonischen Aspekten des "Roten Wien".
Die Baugeschichte des Karl-Marx-Hofes wird von Andrea Nussbaum nachgezeichnet. Unter dem Titel "Kleiner roter Ziegelstein baut die neue Welt" stellt die Autorin die Besonderheiten des Wiener Wohnbaus jener Zeit dar, die nicht nur baulicher Art waren, sondern sich einer gesellschaftspolitischen Vision verpflichtet fühlten. Ein Beitrag von Genoveva Kriechbaum unter dem Titel "Der enigmatische Architekt Karl Ehn 1884-1959" ist dem Erbauer des Karl-Marx-Hofes gewidmet. Die Autorin zeichnet ein sehr persönliches Porträt des zu Unrecht ein wenig in Vergessenheit geratenen Architekten, der als Beamter des Wiener Stadtbauamtes neun große Wohnkomplexe, als bedeutendsten den Karl-Marx-Hof, plante, der sich jedoch in den politischen Wirren seiner Zeit nur mangelhaft zurecht fand. Das mag auch der Grund dafür gewesen sein, dass Ehn zeitlebens vergebens auf staatliche Anerkennungen und Auszeichnungen für sein umfangreiches Lebenswerk gewartet hat.
Ein kleiner Teil des Buches ist unter dem Titel "Wien und seine Höfe" anderen großen Gemeindebauten gewidmet, dem Metzleinstaler-Hof, dem Reumann-Hof, dem Sandleiten-Hof, dem Karl-Seitz-Hof und dem Rabenhof. In einem abschließenden Textteil kommen fünf MieterInnen des Karl-Marx-Hofes - die meisten von ihnen BewohnerInnen der ersten Stunde - zu Wort, die in lebendiger und zeitweilig sehr berührender Weise vom Alltag im Karl-Marx-Hof gestern und heute erzählen.

Knapp zwei Drittel des 150-seitigen Werkes werden von ganzseitigen Farbfotos eingenommen, die den Karl-Marx-Hof und die anderen "Wiener Höfe" in kunstvoller Weise aus zahlreichen unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Zusätzlich sind die Textteile mit Schwarz-Weiß-Fotos aus der wechselvollen Geschichte des Karl-Marx-Hofes illustriert.

Der Bildband "Karl-Marx-Hof - Versailles der Arbeiter" ist im Holzhausen Verlag (ISBN 978-3-85493-150-8) erschienen und im Buchhandel erhältlich. Der Begleittext des Bildbands ist in Deutsch und Englisch gehalten. Gesponsert wurde das Buchprojekt u.a. vom Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien (PID) und der Wiener Städtischen Versicherung. (Schluss) da

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