WirtschaftsBlatt-Leitartikel: McCain ist jetzt der Favorit für das Präsidentenamt - von Wolfgang Unterhuber

McCain ist integrativer als Clinton oder Obama

Wien (OTS) - Der Vorwahl-Marathon am "Super Tuesday" in 24 US-Staaten hat das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten nicht entschieden. Es ist wie bei einem Boxkampf. Hillary Clinton führt zwar nach Punkten, aber sie konnte Barack Obama nicht den entscheidenden K.O.-Schlag versetzen. Was jetzt kommt, wird zäh. Gut möglich, dass die Entscheidung erst in Monaten fällt. Das erinnert an die Vorwahlschlacht zwischen Jimmy Carter und Ted Kennedy 1980. Carter konnte sich wohl gegen den Jüngsten der Kennedy-Brüder durchsetzen, doch am Ende freute sich der Dritte: Der Republikaner Ronald Reagan.

Geschichte wiederholt sich nicht. Aber tatsächlich hat der Republikaner John McCain umso bessere Karten, je länger die Wahlschlacht bei den Demokraten anhält. Er wird seinen Vorwahlkampf entspannt zu Ende führen, währenddessen seine Strategen schon Planspiele gegen die Demokraten entwerfen können. Bemerkenswert ist, dass McCain bei den Republikanern ursprünglich alles andere als zum Favoritenkreis zählte. Nun erweist er sich als kleinster gemeinsamer Nenner zwischen den unterschiedlichen republikanischen Wählergruppen. Die Hardliner stellt er damit zufrieden, dass er den Irak-Krieg mit höherer Truppenzahl bis zu einem erfolgreichen Ende fortführen will. Die Konjunkturkrise will er mit Steuererleichterungen eindämmen. Die sollen aber moderat ausfallen, denn McCain strebt zugleich einen Ausgleich des derzeit defizitären Staatshaushaltes an. Damit können die Wirtschaftsliberalen gerade noch leben. Und dem sozialen Flügel stellt er in Aussicht, dass er die Preistreiberei bei Pharma- und Versicherungskonzernen durch eine staatliche Aufsicht verhindern will.

Für jeden also etwas. Genau das war auch Reagans Konzept. Apropos Reagan: Sollte jemand auf die Idee kommen und McCain’s Alter kampagnisieren, er ist immerhin bereits 71, kann er genüsslich auf den grossen Entertainer verweisen, der bei Amtsantritt dann auch nur drei Jahre jünger war.

Abseits davon, hat McCain nun auch deshalb gute Chancen auf das Präsidentenamt, weil er integrativer ist als Clinton oder Obama. Die beiden Demokraten sind polarisierende Persönlichkeiten. Das kommt auch in ihren wirtschaftlichen Programmen zum Ausdruck. Damit bieten sie aber auch viel grössere Angriffsflächen. Die Frage ist nun, wie sehr die Amerikaner nach der enorm konfrontativen Bush-Ära eine alle vereinnahmende Vaterfigur an der Spitze sehen wollen oder nicht. Wenn ja, dann ist John McCain der nächste US-Präsident.

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