• 06.02.2008, 17:37:48
  • /
  • OTS0309 OTW0309

WirtschaftsBlatt-Leitartikel: McCain ist jetzt der Favorit für das Präsidentenamt - von Wolfgang Unterhuber

McCain ist integrativer als Clinton oder Obama

Wien (OTS) - Der Vorwahl-Marathon am "Super Tuesday" in 24
US-Staaten hat das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der
Demokraten nicht entschieden. Es ist wie bei einem Boxkampf. Hillary
Clinton führt zwar nach Punkten, aber sie konnte Barack Obama nicht
den entscheidenden K.O.-Schlag versetzen. Was jetzt kommt, wird zäh.
Gut möglich, dass die Entscheidung erst in Monaten fällt. Das
erinnert an die Vorwahlschlacht zwischen Jimmy Carter und Ted Kennedy
1980. Carter konnte sich wohl gegen den Jüngsten der Kennedy-Brüder
durchsetzen, doch am Ende freute sich der Dritte: Der Republikaner
Ronald Reagan.

Geschichte wiederholt sich nicht. Aber tatsächlich hat der
Republikaner John McCain umso bessere Karten, je länger die
Wahlschlacht bei den Demokraten anhält. Er wird seinen Vorwahlkampf
entspannt zu Ende führen, währenddessen seine Strategen schon
Planspiele gegen die Demokraten entwerfen können. Bemerkenswert ist,
dass McCain bei den Republikanern ursprünglich alles andere als zum
Favoritenkreis zählte. Nun erweist er sich als kleinster gemeinsamer
Nenner zwischen den unterschiedlichen republikanischen Wählergruppen.
Die Hardliner stellt er damit zufrieden, dass er den Irak-Krieg mit
höherer Truppenzahl bis zu einem erfolgreichen Ende fortführen will.
Die Konjunkturkrise will er mit Steuererleichterungen eindämmen. Die
sollen aber moderat ausfallen, denn McCain strebt zugleich einen
Ausgleich des derzeit defizitären Staatshaushaltes an. Damit können
die Wirtschaftsliberalen gerade noch leben. Und dem sozialen Flügel
stellt er in Aussicht, dass er die Preistreiberei bei Pharma- und
Versicherungskonzernen durch eine staatliche Aufsicht verhindern
will.

Für jeden also etwas. Genau das war auch Reagans Konzept. Apropos
Reagan: Sollte jemand auf die Idee kommen und McCain’s Alter
kampagnisieren, er ist immerhin bereits 71, kann er genüsslich auf
den grossen Entertainer verweisen, der bei Amtsantritt dann auch nur
drei Jahre jünger war.

Abseits davon, hat McCain nun auch deshalb gute Chancen auf das
Präsidentenamt, weil er integrativer ist als Clinton oder Obama. Die
beiden Demokraten sind polarisierende Persönlichkeiten. Das kommt
auch in ihren wirtschaftlichen Programmen zum Ausdruck. Damit bieten
sie aber auch viel grössere Angriffsflächen. Die Frage ist nun, wie
sehr die Amerikaner nach der enorm konfrontativen Bush-Ära eine alle
vereinnahmende Vaterfigur an der Spitze sehen wollen oder nicht. Wenn
ja, dann ist John McCain der nächste US-Präsident.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel