• 05.02.2008, 10:00:00
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Falter: Neue Fakten im Fall der KZ-Aufseherin Erna Wallisch

Falter veröffentlicht geheime Protokolle der ehemaligen KZ-Wärterin über ihre Tätigkeit im NS-Vernichtungslager Majdanek

Wien (OTS) - In ihrer morgen Mittwoch erscheinenden Ausgabe
veröffentlicht die Wiener Stadtzeitung "Falter" Inhalte der
vertraulichen Ermittlungsakte im Fall der ehemaligen KZ-Wärterin Erna
Wallisch. Die pensionierte Reinigungsfrai steht, wie berichtet, im
Verdacht, im NS-Vernichtungslager Majdanek Insassen ermordet und
Kinder zur Gaskammer geführt zu haben. Sie behauptet heute, sich an
jene Zeit nicht mehr erinnern zu können.

Wie Falter-Recherchen in Stapo-Akten, Gerichtsprotokollen und bei
polnischen und deutschen Behörden zeigen, hat Wallisch jedoch bereits
in den sechziger und siebziger Jahren ihre Verstrickung in den
Holocaust ausführlich geschildert und sich dabei in Widersprüche
verwickelt.

In den Sechziger Jahren beteuerte sie vor der Staatspolizei, von
Gaskammern nichts gewusst zu haben. Ihr Mann, ein SS-Rottenführer,
den sie im Lager kennen lernte, sagte jedoch, die "ganze Stadt
Lublin" hätte davon gewusst.

Die Justiz stellte das Verfahren gegen Wallisch ein. In den
Siebzigern kam es zu einem neuen Verfahren gegen Erna Wallisch. Nun
erzählte die zweifache Mutter plötzlich über das Morden in den
Gaskammern und ihre Aufgabe, vor den Kammern "für Ordnung zu sorgen".
Die Staatsanwaltschaft Wien ging davon aus, dass die in Deutschland
geborene Reinigungsfrau nur des "minderschweren Mordes" schuldig sei,
stellte das Verfahren aber wegen Verjährung ein. Wallisch schilderte
damals nicht nur, wie die "Selektionen" von Juden im
Vernichtungslager erfolgten, sie sah auch zu, wie Wärterinnen "mit
der Hand oder mit einem Stock in der Hand" über Leben und Tod
entschieden. "Es hat geheißen, sie würden zum Bad gebracht.

Für mich war klar, dass diese Frauen vom Bad nicht mehr
zurückkommen, weil sie in die Gaskammer geführt werden". Wallisch
hatte die Gaskammern noch gut in Erinnerung. Es seien "geschlossene
Räume ohne Fenster" gewesen, "die Türen aus Eisen". Wallisch: "Ich
musste vor der Gaskammer Häftlingsfrauen bewachen, die sich auszogen
und duschten. Am Ende des Duschraums war eine solche Stahltüre und
dahinter lag meines Wissens die Gaskammer. Dort wurden die Frauen
nach dem Duschen hineingeführt. Das habe ich selbst gesehen".

Wallisch sagte, es sei "vorgekommen, dass die Frauen schrieen. Sie
hatten offenbar Angst. Wir mussten sie dann beruhigen. Wir haben
ihnen dann gut zugeredet und durch Handbewegungen für Ruhe gesorgt.
Es waren alte und junge Frauen und auch Kinder, die ich gesehen habe,
als sie in die Gaskammer geführt wurden." Wallisch schildert auch
jenen Tag, der als "Operation Erntefest" in die Geschichtsbücher
einging. Am dritten November 1943 ermordeten die SS-Leute in Majdanek
binnen 24 Stunden 18.000 Häftlinge. Aus Lautsprechern tönte dabei
Wiener Walzer. Wallisch sagte, die Jüdinnen in ihrer Baracke seien
"furchbar ängstlich" gewesen.

Der Falter zitiert auch aus den neuen Protokollen jener Zeugen,
die Wallisch des Mordes beschuldigten. Die Insassen wurden in Polen
befragt und schildern nicht nur wie Wallisch einen Säugling "wie ein
Holzstück" zu Boden geschleudert haben soll. Die Zeugin Jadwiga L.
beteuert auch, "die schwanger Frau" habe einen Mann mit einem Brett
so lange geschlagen, bis er sich nicht mehr rührte. Wallisch wird
nicht direkt beschuldigt, sie war jedoch zum fraglichen Zeitpunkt
schwanger. Im Lager habe sie wegen ihrer brutalen Art den Spitznamen
"Halte-Klappe-Mensch" gehabt.

Rückfragehinweis:
Falter. Stadtzeitung Wien, Redaktion Politik
Tel: +43-1- 53660-924

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