"Kleine Zeitung" Kommentar: "Vom unnötigen Leider der Steirer am Spielberg-Schmäh" (Von Claudia Gigler)

Ausgabe vom 5.2.2008

Graz (OTS) - Der positive Bescheid aus dem Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren für Spielberg Neu ist mehr als vier Monate alt. Seit gestern weiß man, dass er das Papier nicht wert ist, auf dem er geschrieben steht. Nicht, weil die Umsetzung scheitert, sondern weil sich das Projekt schon vorher in Luft aufgelöst hat.

Das einstige 750-Millionen-Euro-Spielzeug, von dem Red-Bull-Macher Dietrich Mateschitz träumte, entpuppte sich als Seifenblase, die nun endgültig zerplatzte. Wer ist schuld?

Zum einen Mateschitz selbst, der die intakte Rennstrecke (und damit millionenschweres öffentliches Eigentum) dem Erdboden gleichmaßen ließ, noch bevor es eine Alternative gab. Er provozierte damit das Auslaufen der alten Genehmigungen und einen mühsamen Weg durch die Instanzen. Die Frage, wer ihm seitens der Politik das Signal dazu gab, wurde bis heute (noch) nicht geklärt.

Die Antwort auf diese Frage würde einen Hinweis auf den Beitrag der Politik zum Scheitern des Projektes liefern. Als falsch hat sich jedenfalls die Strategie erwiesen, den Projektträger bei der Stange zu halten, indem man ihm beim zweiten Mal die Einreichung (und damit das Engagement) abnahm. Dies in Vorahnung dessen, dass nach aktueller Gesetzeslage ein Projekt im geplanten Umfang gar nicht mehr durchsetzbar ist.

So erhob die ÖVP unter Waltraud Klasnic die Hoffnung zum Prinzip und nötigte die Investoren noch vor der Landtagswahl zum (sogar schriftlichen) Bekenntnis, dass es noch lebe, das inzwischen nur noch 150 Millionen schwere Projekt. Heute weiß man, wie ernst es
die Unterzeichner meinten.

Die Bilanz der Leider-doch-nicht-Investoren ist traurig: Eine schriftliche Zusage, an die man sich nie gebunden fühlte. Feigheit vor dem Feind, nachdem es zur allgemeinen Überraschung doch zu einem positiven Behördenbescheid kam. Dilettantismus im Abwehren des ungeliebten Kindes, indem man nicht die Karten auf den Tisch legte, sondern sich monatelang hinter angeblichen Neuberechnungen versteckte. Ein Foul kurz vor Spielende, indem man den schwarzen Peter der Projektentwicklungsgesellschaft zuschob, die man einer Schimäre nachjagen ließ. Und die Provokation zum Schluss, sich von KTM-Chef Stefan Pierer abgesehen der peinlichen Abrechnung nicht einmal persönlich zu stellen.

Die Ablehnung einer Investition, die sich nicht rechnet, muss man zur Kenntnis nehmen. Was weh tut, sind Ignoranz und Präpotenz. Ein Land und seine Politiker ließen sich am Schmäh halten. ****

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