"KURIER"-Kommentar von Andreas Schwarz: "Wenn es jeder weiß"

Die Nicht-Einhaltung der Arbeitszeit in Spitälern - eine österreichische Lösung.

Wien (OTS) - Die "österreichische Lösung" ist die Kunst des Kompromisses, der mit ein bisschen Augenzudrücken und viel "Wir-wern-kan-Richter-brauchen" ein Problem nicht löst, aber ein Fortwursteln ermöglicht. Wie jahrelang bei der Pflege, seit Jahrzehnten auch bei der Ärztearbeitszeit.
Jeder weiß es: Ärzte im Spitalsradel arbeiten oft weit über die gesetzliche Arbeitszeit hinaus, manchmal bezahlt, oft unbezahlt. Und häufig mit einem Sicherheitsrisiko (übermüdete Lkw-Lenker werden aus dem Verkehr gezogen, ausgepowerte Ärzte nicht).
Sie tun das, weil der Spitalsbetrieb ohne diese Sonderschichten zusammenbrechen würde. Weil sich das Gesundheitssystem ausreichend Ärzte nicht leisten kann. Weil sie den Zusatzverdienst brauchen. Weil, wenn sie sich gegen das System auflehnten, schon drei Jungärzte parat stünden, die einspringen würden.
Jetzt soll das Gesetz gegen die Ausbeutung der Ärzte-Arbeitskraft (seit zwölf Jahren in Kraft!) verschärft werden. Schön. Aber entweder ist das die Verlängerung der "österreichischen Lösung". Oder es ist der zweite Schritt vor dem ersten, der da lauten müsste: So ist unser Gesundheitssystem zu finanzieren.
Das wäre auch eine österreichische Methode.

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