- 01.02.2008, 11:59:22
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IT-Branche leidet weiter unter Fachkräftemangel
Erfahrene Mitarbeiter sind Mangelware - Vorbehalte gegenüber älteren Bewerbern "absoluter Schwachsinn" - Import von IT-Fachleuten ist "grandios gescheitert"

Wien (OTS) - Der Bedarf an spezialisierten IT-Kräften in
heimischen Betrieben ist ungebrochen. Zunehmend gefragt sind
"Wunderwuzzis", die außer technischem Verständnis auch Kompetenzen
in den Bereichen Projektmanagement, Marketing und Vertrieb
aufweisen. Neben Politik und Bildungseinrichtungen müssen aber auch
die Unternehmen selbst in Qualifizierungsmaßnahmen investieren und
Bewerber durch eine positive Unternehmenskultur überzeugen, waren
sich Experten und Expertinnen gestern, Donnerstagabend, bei einer
Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community in Wien einig.
"In vielen Bereichen ist der IT-Arbeitsmarkt wie leergefegt, was
zu steigenden Gehältern führt", erklärte Personalberater Robert
Fitzthum. Dennoch sei die Situation sehr ambivalent. Nach jahrelang
steigendem Bedarf an IT-Fachkräften habe es 2007 erstmals einen
Rückgang gegeben, zeige eine Auswertung von Inseraten in ausgewählten
Medien. Insgesamt betrug das Minus sechs Prozent, wobei vor allem der
Hype um Softwareentwickler und SAP-Spezialisten einen Dämpfer erlitt.
Dies könnte ein Hinweis auf die aktuell schwierige
Konjunktursituation sein, da die Personalnachfrage ein Frühindikator
der Wirtschaftsentwicklung sei. Nachgefragt würden zurzeit weniger
Generalisten als vielmehr Spezialisten, die außerdem Fähigkeiten im
Bereich Kommunikation, Projektmanagement und Vertrieb aufweisen
könnten.
Ein besonderer Dorn im Auge ist dem Berater der Umgang von Firmen
mit weiblichen sowie älteren Bewerberinnen und Bewerbern. "Der Anteil
von Frauen in der IT-Branche geht laut Marktbeobachtern EU-weit
zurück, weil die Maßnahmen nicht greifen. Und dass Ältere generell
weniger Leistungsfähigkeit aufweisen, ist absoluter Schwachsinn", so
Fitzthum. Als Gegenmaßnahmen zum Fachkräftemangel schlägt er höhere
Investitionen in die Ausbildung, eine flexiblere Kurspolitik des
Arbeitsmarktservice (AMS) und ein stärkeres Engagement der
Unternehmen vor. Die Öffnung des Arbeitsmarktes für EU-Bürger am 1.
Jänner 2007 habe zwar zu einer gewissen Entspannung geführt, gehe
aber nicht weit genug, plädierte Fitzthum für eine weitere
"(Fern-)Ost-Öffnung". Außerdem sollte Österreich eine
"Green-Card-Lösung" in Betracht ziehen.
"Deutschland ist grandios daran gescheitert, IT-Fachkräfte zu
importieren. Das funktioniert nicht. Die Betriebe selbst müssen in
die Aus- und Weiterbildung investieren", meinte hingegen Alexander
Hahnefeld, Human-Resources-Manager bei Microsoft. Einfach mehr zu
bezahlen als die Konkurrenz sei eine sehr kurzfristige
Betrachtungsweise. "Auch bei uns sind die Bewerbungen eindeutig
rückläufig, was zu gewissen Schwierigkeiten führt. Denn die Stellen
müssen rasch nachbesetzt werden", sagte Hahnefeld. Allerdings würde
sein Unternehmen die Mehrheit der Jobs ohnehin intern nachbesetzen.
Im Vorjahr habe man mehr als 40 Prozent des neuen Personals über
Mundpropaganda akquiriert. Hilfreich dabei und attraktiv für
potenzielle Bewerber sei eine positive Unternehmenskultur.
In dieselbe Kerbe schlug auch Christine Donner, Mitglied der
Geschäftsleitung von Hewlett-Packard (HP): "Gute Leute überlegen sich
mittlerweile genauer denn je, wo und in welchem Umfeld sie arbeiten
wollen. Nur attraktive Arbeitgeber können diese Personen für sich
gewinnen und sie auch langfristig ans Unternehmen binden", gab sich
Donner überzeugt. Die nach innen gelebte und nach außen kommunizierte
Unternehmenskultur stelle eine der Voraussetzungen dafür dar, neue
Fachkräfte über Mundpropaganda zu finden. Stark gefragt seien derzeit
Personen, die sich durch zusätzliche Fähigkeiten qualifizieren
würden.
"Bewerber, die ein tiefes technisches Verständnis und gleichzeitig
Know-how im Vertrieb haben, sind eine rare Spezies", stimmte Wolfgang
Leindecker von NextiraOne Austria zu. Grundsätzlich müsse Europa
"Wissensdurst" kultivieren und letztlich als überlebensnotwendig
anerkennen. "Kinder aus ärmsten Verhältnissen in Indien kaufen sich
bei Straßenhändlern um ein paar Rupien gebrauchte Bücher zum Thema
Java-Programmierung, theoretische Physik oder anorganische Chemie -
und verschlingen diese mit einem unglaublichen Lerneifer. Auf der
anderen Seite sehen wir in Österreich Nachwuchskräfte, die sich nach
ihrem Fachhochschul-Studium und einem Jahr Praktikum eine
Management-Position erwarten und saftige Gehaltsvorstellungen
abgeben", so Leindecker.
Von Fachhochschulen und Universitäten komme zwar eine gut
ausgebildete Mitarbeiterschaft nach, das sei aber erst im vergangenen
Jahr spürbar geworden, bemängelte Julia Kniescheck, HR-Managerin beim
Softwareentwickler Anecon. Besonders Positionen, in denen eine drei-
bis fünfjährige Berufserfahrung vorausgesetzt wird, könnten nur
schwer besetzt werden. Schuld daran sei das verspätete Aufspringen
der öffentlichen Schulungsanbieter auf den IT-Trend. "Bei dieser
Zielgruppe sowie den hochqualifizierten und erfahrenen Beraterinnen
und Beratern heißen die Devisen Personalbindung, verstärkte interne
Aus- und Weiterbildung und/oder hohe Gehälter zahlen", so Kniescheck.
Die IT-Fachleute von morgen müssten Know-how im Projektmanagement,
kaufmännische Kenntnisse und kommunikative Fähigkeiten mitbringen,
erwartet Albert Gebauer vom Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI)
künftig eine breitere Palette an Anforderungen. Interesse an
Informationstechnologie sollte daher schon viel früher geweckt und
eine Karriereperspektive in der Branche aufzeigt werden. Allerdings
würde von Privaten, Unternehmen und der öffentlichen Hand immer
weniger Zeit und Geld in die Qualifizierung investiert. "Die
Schulungen sind da, an Bereitschaft und Vertrauen fehlt es aber",
bemängelte Gebauer.
Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:
- ANECON Software Design und Beratung GmbH www.anecon.com - Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com - diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc - DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH www.dimoco.at - Direct Marketing Verband Österreich www.dmvoe.at - economyaustria www.economyaustria.at - Gentics Sofware GmbH www.gentics.com - Hewlett Packard www.hp.com/at - IT Solution GmbH www.itsolution.at - Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net - Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria - NAVAX Consulting AG www.navax.at - NextiraOne www.nextiraone.at - SER Solutions Österreich GmbH www.ser.at - Telekom Austria www.telekom.at - Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at - APA-MultiMedia multimedia.apa.at
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Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
mailto:[email protected]
Web: http://ebc.apa.at
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