• 30.01.2008, 17:32:55
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Angekündigte Wunder finden selten statt - von Esther Mitterstieler

Die Rolle der Banken ist kritisch zu hinterfragen

Wien (OTS) - Jetzt haben wir also den Salat. Saubermacher traut
sich doch nicht als Eisbrecher an die Börse, und weit und breit
scheint kein IPO in Sicht. Wer soll jetzt noch einen Gang aufs
Parkett wagen? Saubermacher-Chef Hans Roth beschwört sogar ein Wunder
herauf. Dann könne man vielleicht an einen Zweitversuch im Herbst
denken. Angekündigte Wunder finden selten statt. Und lassen sich
angesichts der konjunkturellen Vorzeichen nicht erwarten.

Die Lehre daraus für die Wiener Börse: Rund 1,5 Milliarden Euro an
geschätztem Emissionsvolumen durch neue Börsegänge sind futsch.
Saubermacher war nicht der erste Aufschub. Der Kunststoffspezialist
UCP hat vorige Woche den Gang an die Börse abgeblasen, der
Flugsicherungsanbieter Frequentis hat sich schon Ende des Jahres vom
Gedanken eines Börseganges verabschiedet, der Edelstahlhersteller
Breitenfeld ebenso. Da wird sich Börsevorstand Heinrich Schaller
schwer tun, heuer die vorgesehenen sieben Neulinge an der Börse zu
begrüssen.

Der schwarze Montag am 21. Jänner hat nicht nur die Aktienkurse
weltweit in den Keller rasseln lassen, er hat allein in Wien 4,5
Milliarden Euro an Wert vernichtet. An einem Tag. Dass der ATX noch
stärker getroffen wird als der DAX liegt nicht zuletzt an der
Zusammensetzung der Investoren: Allein im Vorjahr pumpten grosse
internationale Investoren mehr als 28 Milliarden Euro nach Wien,
jetzt haben sie ihre Investments vorerst gestoppt. Weil die
Unternehmen in Wien im internationalen Vergleich Small und Mid Caps
sind und die Investitionsfreude sich daran abgekühlt hat. Die Börse
kann heuer wenn schon nur auf frisches Blut aus Österreich hoffen.

Dass ein Börsegang nach dem anderen abgesagt wird, ist ein Dilemma.
Die Art und Weise dieser Absagen sei kritisch beleuchtet. Warum haben
die Emissionsbanken etwa im Fall Saubermacher bis zum Schluss
hingehalten? Sal. Oppenheim und Erste Bank haben bis zuletzt gehofft,
das mittlerweile unplatzierbar Gewordene zu platzieren. Dass
Saubermacher gut in das Portfolio eines Nachhaltigkeits- und
Umweltfonds gepasst hätte, mag stimmen. Bei solch grimmiger
Börsen-Grosswetterlage hätten die Banken das Ganze vorher abblasen
können.

Plötzlich brach die Panik aus, weil Investoren, die noch bei der Road
Show zustimmend genickt haben, kurze Zeit später keine Orders
aufgeben wollten. Das kann’s nicht sein. Unternehmen platzieren gut
und recht, aber ein IPO sollte immer noch dem Expansionsdrang eines
Unternehmens dienen und nicht vordergründig Eis brechen für weitere
Börsegänge.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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