"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Marschbefehl mit Tücken" (Von Carmen Baumgartner )

Ausgabe vom 30. Jänner 2008

Innsbruck (OTS) - Norbert Darabos, der Minister mit dem großen
Los, hatte es in den letzten Wochen nicht leicht. Für die Teilnahme Österreichs an der Tschad-Mission der EU wurde er von vielen Seiten abgewatscht und zum Buhmann gemacht. Von den Oppositionsparteien, die bei dem Thema nicht sachlich (dagegen) argumentierten, sondern einfach nur blind Nein zu allem sagten. Vom Boulevard, der Selbstverständlichkeiten zum Skandal erklärte - etwa, dass es in Afrika gefährlich werden könnte oder dass der Auslandseinsatz beim Bundesheer mit hohen Zulagen verbunden ist, was für viele Soldaten einen, nicht den, Anreiz darstellt. Verunsicherung bei der Truppe und den Angehörigen war die Folge.

Der Verteidigungsminister ließ sich von diesen Stimmen nicht in Geiselhaft nehmen. Was gut ist, denn für den Einsatz spricht vieles:
Österreichische Soldaten sind gemäß dem Bundesheer-Motto "Schutz und Hilfe" für derartige Einsätze ausgebildet und der Auslandseinsatz ist seit einigen Jahren im Selbstbild der Soldaten verankert und nicht als Ausnahme, sondern Regel zu verstehen. Eine Sunshine-Mission ist der Tschad-Einsatz nicht. Es geht für Europa darum, nicht die Augen vor den Brennpunkten in Afrika zu verschließen - auch im Hinblick darauf, diese nicht zu europäischen Problemen, Stichwort Flüchtlingsströme, werden zu lassen.

Umso peinlicher ist es, welches Schauspiel die EU zuletzt geliefert hat. Beinahe wäre die Mission an fehlenden Hubschraubern gescheitert - ein Armutszeugnis für die Union, die sich in Zukunft mit einer gemeinsamen Verteidigungspolitik stärker positionieren will. Hier gibt es noch sehr viel zu tun.

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