• 28.01.2008, 08:26:58
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel:USA: Endlich auch Wirtschaft im Wahlkampf - von Herbert Geyer

Verteilen gut und schön. Nur: Wer soll all das bezahlen?

Wien (OTS) - Wahlkämpfe sind ja nicht wirklich der optimale
Zeitpunkt, um seriös über ernsthafte Themen zu diskutieren. Das haben
wir ja eben erst in Graz erlebt, wo die FP-Spitzenkandidatin es
ausschliesslich
darauf anlegte, die Aggressionen mohammedanischer Mitbürger und damit
die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen - und alle Welt hat
so getan, als wäre dieser provokante Rülpser ein ernsthafter
Diskussionsbeitrag, der halt ein bisserl überspitzt formuliert wurde.
Allerdings muss man Graz zu Gute halten, dass es ausser der
Feinstaubproblematik derzeit wirklich keine grossen Probleme hat.

Wenn sich allerdings in den USA nach dem Platzen der Subprime-Krise
und offensichtlich am Vorabend einer Rezession der
Präsidentschaftswahlkampf bis jetzt darauf beschränkt, die Haltung
der Kandidaten zum Irakkrieg abzufragen und darüber zu
philosophieren, ob das Land schon reif ist für einen schwarzen Mann
im Weissen Haus oder für die erste "männliche First Lady",
überrascht das schon etwas - erst Recht, wenn eben der
Noch-Amtsinhaber in einer beispiellosen
Steuergeld-Verschleuderungsaktion zumindest die davonschwimmenden
Felle für seine Partei zu retten versucht, wenn schon der
US-Wirtschaft nicht mehr zu helfen ist.

Es beruhigt daher, dass jetzt - vor der morgigen Vorwahl in
Florida, dem ersten grösseren US-Bundesstaat - endlich auch
Wirtschaftsthemen diskutiert werden. Eine Diskussion der
republikanischen Kandidaten am Donnerstagabend war von
Wirtschaftsthemen bestimmt, und auch bei den Demokraten tritt das
Thema immer mehr in den Vordergrund.

Weniger beruhigend mag sein, dass bisher eigentlich nur ein
Wettbewerb ausgetragen wurde, wer mehr Steuergeld an mehr Zielgruppen
verteilen möchte: Der republikanische Kandidat John McCain stellt
sich hinter die Pläne der Regierung, sein parteiinterner Konkurrent
Rudy Giuliani tut das auch, verlangt aber mehr: "Wir sollten hier
wirklich aggressiv vorgehen." Und der Dritte im Bunde, Mitt Romney,
hat schon immer für permanente Abgabensenkungen plädiert. Der
Demokrat Barack Obama kritisiert am Bush-Paket nur, dass es "Dutzende
Millionen arbeitender Amerikaner und Rentner ausschliesst", und
Hillary Clinton schlägt zusätzlich einen Notfonds für
zahlungsunfähige Hauskäufer und Geringverdiener vor.

Bis zur Wahl im November wird hoffentlich noch Zeit sein, auch
darüber zu diskutieren, woher all das viele Geld dafür kommen soll.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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