- 27.01.2008, 18:51:29
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Bischof Bünker: "Evangelischer Glaube wird sich mit den bestehenden Verhältnissen nie abfinden"
Der Festgottesdienst zur Amtseinführung des neuen evangelisch-lutherischen Bischofs im Austria Center Vienna
Wien (epdÖ) - "Achtet den Dienst eures Bischofs, steht ihm bei,
betet für ihn." Mit diesen Worten wandte sich Bischof i.R. Mag.
Herwig Sturm an die mehr als 1700 Gäste, die aus der Evangelischen
Kirche A.B. in Österreich, aber auch aus der reformierten und
evangelisch-methodistischen Kirche sowie aus der Ökumene aus dem In-
und Ausland zur Amtseinführung des neuen lutherischen Bischofs
Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker am 27. Jänner in das Austria Center
Vienna gekommen waren.
Für eine missionarische und diakonische Kirche
In seiner Predigt erklärte der neue Bischof, er wolle sich in den
kommenden Jahren für eine missionarische und diakonische Kirche
einsetzen, und sagte: "Ich lade alle ein aufzubrechen, mich auf
diesem Weg zu begleiten." Bünker unterstrich: "Evangelischer Glaube,
wie ihn der Apostel Paulus versteht, wird sich mit den bestehenden
Verhältnissen nie abfinden, wird nicht resignieren und nicht zynisch
werden. Wird auch nicht illusionär über die Realität hinweggehen,
sondern sich voll Wachsamkeit und Leidenschaft ausstrecken nach der
neuen Welt Gottes."
Bünker, der auf ein im Saal aufgehängtes Bild "Sehnsucht des Grases"
von Max Weiler Bezug nahm, verwies darauf, dass Gras ein Bild für
paradiesische Zustände sei, zugleich stehe es "für alles, was
übergangen und zertrampelt wird, abgemäht, verdorrt, und
zubetoniert". In diesem Zusammenhang sagte der Bischof: "Heute jährt
sich zum dreiundsechzigsten Mal der Tag, an dem Auschwitz befreit
wurde" und erklärte: "Insbesondere gedenken wir der Millionen
Jüdinnen und Juden und der Schuld, die die Kirchen gegenüber Israel,
dem Volk Gottes im ungekündigten Bund, auf sich geladen haben." Auch
die Evangelische Kirche A.B. in Österreich sei "mitschuldig geworden
durch Wegschauen und Zutun".
Beides, das Gras des Paradieses und das Gras des Feuerofens, stehe,
so Bünker in seiner Antrittspredigt, im Zeichen des Kreuzes Jesu und
im Licht seiner Auferstehung. "So nimmt unser Glaube diese Spannung
mit hinein in eine große Verheißung, die Gott uns zuspricht", sagte
der neue Bischof.
Zuvor hatte Bischof Sturm seinem Nachfolger das bischöfliche
Amtskreuz übereicht, das die Schülerin Gerlinde Kramer in der
Goldschmiedewerkstatt des Evangelischen Gymnasiums Wien entworfen
hatte. In seiner Ansprache betonte Sturm, in der lutherischen
Tradition nehme der Bischof sein Amt "personal, kollegial und
gemeinschaftlich" wahr. In diesem Amt werde "die Bewahrung der
apostolischen Tradition, die uns allen aufgetragen ist", sichtbar.
Die Bestellungsurkunde für Bischof Bünker hatte der Präsident der
Synode A.B. und der Generalsynode, RA Dr. Peter Krömer verlesen.
Gesegnet wurde Bünker von den beiden AssistentInnen der
Amtseinführung, der lutherischen Oberkirchenrätin Dr. Hannelore
Reiner und dem Generalbischof der Evangelischen Kirche A.B. in der
Slowakei, Dr. Milos Klatik. Segensworte sprachen auch der
Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich,
Mag. Thomas Hennefeld, die Tiroler Superintendentin Mag. Luise Müller
sowie Leopoldine Baierl von der Gehörlosengemeinde.
Für die Bischöfe der Evangelisch-lutherischen Kirchen Deutschlands,
Finnlands, Russlands, Polens, Schlesiens, Italiens, Rumäniens,
Sloweniens und Ungarns sowie für die reformierten Kirchen der
Slowakei und Ungarns sprachen Segensworte der finnische Erzbischof
Dr. Jukka Paarma und der sächsische Bischof Jochen Bohl.
"Erlaube den Kindern ein sorgloses Leben."
Auch der Schweizer Pfarrer Thomas Wipf, der Präsident der
Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), deren
Generalsekretär Bünker ist, segnete den neuen Bischof. Ein
Segensgebet der Ökumene sprachen der römisch-katholische Weihbischof
DDr. Helmut Krätzl und der griechisch-orthodoxe Metropolit Dr.
Michael Staikos.
Kinder überbrachten Bünker einen Segenswunsch mit den Worten:
"Erlaube den Kindern ein sorgloses Leben. Erlaube es Gott, über dich
stets zu wachen und schließe den Dank in dein Beten mit ein."
Reiche musikalische Ausgestaltung
Die Fürbitten in dem Gottesdienst, dessen Liturgie von der Pfarrerin
der Ortsgemeinde Kaisermühlen und Kagran, Mag. Elisabeth Kluge, und
von Bischof Bünker geleitet wurde und der auch von Brigitte Mikulasek
und Valerie Clarke in Gebärdensprache übersetzt wurde, sprachen
VertreterInnen der Evangelischen Jugend, des Religionsunterrichts,
der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, der
Pfarrerinnen und Pfarrer, der Frauenarbeit, der ehrenamtlichen
MitarbeiterInnen, der Weltmission, der Ökumene und der Diakonie.
Der Abendmahlsgottesdienst war musikalisch reich ausgestaltet. Es
wirkten mit die Kantorei Oberschützen sowie der Chor und das
Bläserensemble des Evangelischen Musikgymnasiums Oberschützen unter
der Leitung von Erik Barnstedt und Erich Brunner, der
Albert-Schweitzer-Chor, geleitet von Matthias Krampe, und der Ghana
Minstrel Choir unter der Leitung von Joe Taylor. VokalsolistInnen
waren Ingrid Haselberger (Sopran), Margot Oitzinger (Alt), Gernot
Heinrich (Tenor) und Yasushi Hirano (Bass). Die musikalische
Gesamtleitung hatte Kirchenkantor Mag. Matthias Krampe.
Die Kollekte des Festgottesdienstens war für Projekte der
Presbyterian Church of Ghana bestimmt. Dem Festgottesdienst folgte
ein buntes Programm in den Hallen des Austria Centers.
Rückfragehinweis:
epdÖ
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
Dr. Thomas Dasek
mailto:[email protected]
http://www.evang.at
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