• 22.01.2008, 17:53:05
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Zwischen Wien und Graz

Wien (OTS) - Die Posse rund um eine Frau Winter hat bisweilen den
Zusatz "Provinz-" erhalten. Dafür ist Abbitte zu leisten. Nicht nur,
weil sich darin Wiener Hochmut verbirgt, sondern auch weil in der
Winter-Stadt Graz ein Bischof amtiert, der sich als einer der ersten
gegen den im Nach-Winter ausgebrochenen Intellektuellen-Populismus
(Motto: "Hoch der Islam") wendet. Egon Kapellari wagt es vielmehr -
bei aller Ablehnung für das Winter-Gefasel - "von begründeter
Skepsis, ja Furcht gegenüber manchen Ausprägungen des Islam im
globalen Horizont" zu reden und lehnt Redeverbote ausdrücklich ab.

Das steht in deutlichem Kontrast zu den knapp zuvor
veröffentlichten Aussagen einer multireligiösen Gruppe. Diese hat -
im Sog der Winter-Debatte und voll eilfertiger politischer
Korrektheit - ein Integrations-Konzept vorgelegt, dessen
Verwirklichung eine massive Steigerung der Zuwanderung auslösen
würde. Das in ein Land, das seit Jahren an der Weltspitze der
Einwanderungsländer liegt. Die Religions-Vertreter fordern nun
Familienzuzug ohne Quoten, günstigeren Wohnraum ("ohne hohe
Eigenkapitalquote") für die Zuwanderer, Wahlrecht "etwa" auf
kommunaler Ebene, besseren Zugang zum Arbeitsmarkt und zur
Staatsbürgerschaft. Sollten diese Kirchen-Männer nicht begreifen,
dass all das noch mehr Zuwanderer anlocken würde, wären sie ziemlich
weltfremd. Sollten sie diesen Zusammenhang aber bewusst verschweigen,
dann fallen einem keine höflichen Vokabeln mehr ein.
Sie verschweigen damit auch, dass mehr Zuwanderung auch noch mehr
ethnische Ghettos bedeutet und noch mehr Probleme von der Bildung bis
zur Arbeitslosigkeit. An all dem oder auch an einer weiter wachsenden
Ausländerkriminalität, wie sie schon Deutschland, Frankreich oder
Italien schwer erschüttert, wird natürlich später niemand schuld sein
wollen. Und "Mehr Deutschunterricht" (die einzige derzeit politisch
korrekte Antwort) löst noch kein einziges dieser Probleme.

Klar, dass Moslems und Orthodoxe mehr Zuwanderer wollen - bilden
diese doch ihre Hochburgen. Klar, dass auch die Caritas diesen Kurs
vertritt - kann sie sich doch später gleich selbst anbieten, um die
angerichteten Missstände zu bekämpfen. Weniger klar ist, weshalb der
Wiener Erzbischof diese Ideen - wenn auch aus der Ferne - absegnet.

www.wienerzeitung.at/tagebuch

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Wiener Zeitung
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Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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