Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Zwischen Wien und Graz

Wien (OTS) - Die Posse rund um eine Frau Winter hat bisweilen den Zusatz "Provinz-" erhalten. Dafür ist Abbitte zu leisten. Nicht nur, weil sich darin Wiener Hochmut verbirgt, sondern auch weil in der Winter-Stadt Graz ein Bischof amtiert, der sich als einer der ersten gegen den im Nach-Winter ausgebrochenen Intellektuellen-Populismus (Motto: "Hoch der Islam") wendet. Egon Kapellari wagt es vielmehr -bei aller Ablehnung für das Winter-Gefasel - "von begründeter Skepsis, ja Furcht gegenüber manchen Ausprägungen des Islam im globalen Horizont" zu reden und lehnt Redeverbote ausdrücklich ab.

Das steht in deutlichem Kontrast zu den knapp zuvor veröffentlichten Aussagen einer multireligiösen Gruppe. Diese hat -im Sog der Winter-Debatte und voll eilfertiger politischer Korrektheit - ein Integrations-Konzept vorgelegt, dessen Verwirklichung eine massive Steigerung der Zuwanderung auslösen würde. Das in ein Land, das seit Jahren an der Weltspitze der Einwanderungsländer liegt. Die Religions-Vertreter fordern nun Familienzuzug ohne Quoten, günstigeren Wohnraum ("ohne hohe Eigenkapitalquote") für die Zuwanderer, Wahlrecht "etwa" auf kommunaler Ebene, besseren Zugang zum Arbeitsmarkt und zur Staatsbürgerschaft. Sollten diese Kirchen-Männer nicht begreifen, dass all das noch mehr Zuwanderer anlocken würde, wären sie ziemlich weltfremd. Sollten sie diesen Zusammenhang aber bewusst verschweigen, dann fallen einem keine höflichen Vokabeln mehr ein.
Sie verschweigen damit auch, dass mehr Zuwanderung auch noch mehr ethnische Ghettos bedeutet und noch mehr Probleme von der Bildung bis zur Arbeitslosigkeit. An all dem oder auch an einer weiter wachsenden Ausländerkriminalität, wie sie schon Deutschland, Frankreich oder Italien schwer erschüttert, wird natürlich später niemand schuld sein wollen. Und "Mehr Deutschunterricht" (die einzige derzeit politisch korrekte Antwort) löst noch kein einziges dieser Probleme.

Klar, dass Moslems und Orthodoxe mehr Zuwanderer wollen - bilden diese doch ihre Hochburgen. Klar, dass auch die Caritas diesen Kurs vertritt - kann sie sich doch später gleich selbst anbieten, um die angerichteten Missstände zu bekämpfen. Weniger klar ist, weshalb der Wiener Erzbischof diese Ideen - wenn auch aus der Ferne - absegnet.

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