Ökonomische Verschreibung muss im Krankenhaus beginnen

Ärztekammer kann die Drohung der Krankenkasse nicht nachvollziehen, Kassenverträge bei teuren Verschreibungen kündigen zu wollen

Wien (OTS) - Im Zuge der Diskussion um Einsparmöglichkeiten bei
den Krankenkassen ließ der Obmann der NÖ GKK Gerhard Hutter mit einem Vorschlag aufhorchen, wonach Kassenverträge gekündigt werden können sollen, wenn Ärzte zu viele und zu teure Medikamente verschreiben. Dieser Plan ist für Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner nicht nachvollziehbar: "Die Verschreibung eines Medikaments obliegt dem Arzt und muss auch immer dem Arzt überlassen werden. Er allein trägt die Verantwortung dafür. Der Arzt sucht sich sein Patientengut nicht aus, sondern der Patient sucht mit einem Problem den Arzt auf. Wenn ein Arzt also beispielsweise einen größeren Anteil älterer Patienten hat, dann verschreibt er fast zwangsläufig auch teurer."

Die starke Zunahme der Medikamentenkosten hängt aus Sicht des Chefs der niedergelassenen Ärzte Dr. Johann Jäger auch stark mit den Verschreibungen in den Krankenhäusern zusammen: "In den Spitälern darf alles verschrieben werden und die niedergelassenen Ärzte müssen den Patienten samt Medikation dann weiterbetreuen." Das bringt oft enorme Probleme, da im niedergelassenen Bereich der so genannte Erstattungskodex gilt, gemäß dem ohnehin schon streng reglementiert ist, welchem Patienten welches Medikament unter welchen Bedingungen verschrieben werden darf. Jäger kann sich daher nicht vorstellen, dass niedergelassene Ärzte in Abhängigkeit von ihrer Verschreibung mit Entzug des Kassenvertrags bedroht werden. "Ökonomische Verschreibung muss im Krankenhaus beginnen."

Reisner vertritt die Ansicht, dass die Medikation als Teil der Behandlung nach medizinischen Kriterien beurteilt werden muss: "Ärzte sind sogar verpflichtet, nach aktuellem medizinischen Wissenstand zu behandeln. Der Arzt verschreibt das für den Patienten geeignete Medikament und nicht einen Betrag, der nach Ansicht von Ökonomen für den Patienten zur Verfügung stehen könnte." Die Verhandlungen über Medikamentenpreise obliegen ohnehin den Krankenkassen, teure Medikamente werden ohnedies oftmals aus Preisgründen nicht für Kassenpatienten zugelassen. Niederösterreich hat weiters einen "Pensionistenanteil" von 34 Prozent, das ist der höchste Wert in Österreich. "Ältere Menschen benötigen mehr Medikamente, das dürfte auch in der Gebietskrankenkasse bekannt sein." Daher kann es aus Sicht von Jäger auch nicht angehen, dass Ärzte für ihre Arbeit im Sinne des Patienten bestraft werden. "Einsparungen bei Medikamenten in unserem Gesundheitssystem sind sicherlich möglich, sollten aber an ganz anderen Stellen ansetzen", so Jäger abschließend.

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