- 22.01.2008, 16:15:02
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Ökonomische Verschreibung muss im Krankenhaus beginnen
Ärztekammer kann die Drohung der Krankenkasse nicht nachvollziehen, Kassenverträge bei teuren Verschreibungen kündigen zu wollen
Wien (OTS) - Im Zuge der Diskussion um Einsparmöglichkeiten bei
den Krankenkassen ließ der Obmann der NÖ GKK Gerhard Hutter mit einem
Vorschlag aufhorchen, wonach Kassenverträge gekündigt werden können
sollen, wenn Ärzte zu viele und zu teure Medikamente verschreiben.
Dieser Plan ist für Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner nicht
nachvollziehbar: "Die Verschreibung eines Medikaments obliegt dem
Arzt und muss auch immer dem Arzt überlassen werden. Er allein trägt
die Verantwortung dafür. Der Arzt sucht sich sein Patientengut nicht
aus, sondern der Patient sucht mit einem Problem den Arzt auf. Wenn
ein Arzt also beispielsweise einen größeren Anteil älterer Patienten
hat, dann verschreibt er fast zwangsläufig auch teurer."
Die starke Zunahme der Medikamentenkosten hängt aus Sicht des
Chefs der niedergelassenen Ärzte Dr. Johann Jäger auch stark mit den
Verschreibungen in den Krankenhäusern zusammen: "In den Spitälern
darf alles verschrieben werden und die niedergelassenen Ärzte müssen
den Patienten samt Medikation dann weiterbetreuen." Das bringt oft
enorme Probleme, da im niedergelassenen Bereich der so genannte
Erstattungskodex gilt, gemäß dem ohnehin schon streng reglementiert
ist, welchem Patienten welches Medikament unter welchen Bedingungen
verschrieben werden darf. Jäger kann sich daher nicht vorstellen,
dass niedergelassene Ärzte in Abhängigkeit von ihrer Verschreibung
mit Entzug des Kassenvertrags bedroht werden. "Ökonomische
Verschreibung muss im Krankenhaus beginnen."
Reisner vertritt die Ansicht, dass die Medikation als Teil der
Behandlung nach medizinischen Kriterien beurteilt werden muss: "Ärzte
sind sogar verpflichtet, nach aktuellem medizinischen Wissenstand zu
behandeln. Der Arzt verschreibt das für den Patienten geeignete
Medikament und nicht einen Betrag, der nach Ansicht von Ökonomen für
den Patienten zur Verfügung stehen könnte." Die Verhandlungen über
Medikamentenpreise obliegen ohnehin den Krankenkassen, teure
Medikamente werden ohnedies oftmals aus Preisgründen nicht für
Kassenpatienten zugelassen. Niederösterreich hat weiters einen
"Pensionistenanteil" von 34 Prozent, das ist der höchste Wert in
Österreich. "Ältere Menschen benötigen mehr Medikamente, das dürfte
auch in der Gebietskrankenkasse bekannt sein." Daher kann es aus
Sicht von Jäger auch nicht angehen, dass Ärzte für ihre Arbeit im
Sinne des Patienten bestraft werden. "Einsparungen bei Medikamenten
in unserem Gesundheitssystem sind sicherlich möglich, sollten aber an
ganz anderen Stellen ansetzen", so Jäger abschließend.
Rückfragehinweis:
Ärztekammer Niederösterreich, Michael Dihlmann, Pressesprecher
Tel. 0664/144 98 94, mailto:presse@arztnoe.at
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