Transparenz und Qualität im Krankenhaus

Unfallkrankenhaus Kalwang unterzieht sich als erstes Krankenhaus der AUVA einem von Krankenhausexperten in Deutschland entwickelten Zertifizierungsverfahren

Wien (OTS) - Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) ist Österreichs größte soziale Unfallversicherung. Rund 3,1 Millionen Erwerbstätige und 1,3 Millionen in Ausbildung stehende Menschen sind bei der AUVA gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert. Kommt ein Arbeitnehmer in Ausübung seines Berufes zu Schaden, geht die Haftung des Arbeitgebers auf die AUVA über, die alle Leistungen erbringt, auf die der Verunfallte gegenüber seinem Arbeitgeber Anspruch hätte.

"Das beginnt mit der Unfallheilbehandlung mit allen geeigneten Mitteln in einem der sieben Unfallkrankenhäuser, setzt sich fort bei der zeitlich unbefristeten medizinischen, beruflichen und sozialen Rehabilitation in einem der vier Rehabilitationszentren und endet mit der finanziellen Entschädigung der Unfallopfer. Ein derart umfassendes "Produkt" bietet wohl keine private Unfallversicherung der Welt an", sagt der Ärztliche Direktor der AUVA, Professor Hartmut Pelinka.

"Das UKH Kalwang, mit 70 Betten das kleinste der sieben Unfallkrankenhäuser, wird seit 1982 von der AUVA erfolgreich geführt. Seit diesem Zeitpunkt wurde und wird das Haus auf den jeweils neuesten baulichen und medizinischen Standard gebracht, sodass es sich heute als Spitzenspital präsentiert. Pro Jahr werden rund 3.500 Patienten stationär und rund 10.500 ambulant betreut", so der Direktor der AUVA-Landesstelle Graz, Rudolf Mayer.

Die AUVA ist gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Krankenhäuser und Rehabilitationszentren entsprechend dem höchsten technischen Standard zu führen.

"Nur wenn sie ihren Patienten und Patientinnen die bestmöglichen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten bietet, erfüllt sie die mit der Haftungsablöse verbundenen Ansprüche. Für den größtmöglichen Erfolg der Unfallheilbehandlung ebenso wichtig sind die Qualifikation des Personals und die Patientenzufriedenheit. Diese wird im Unfallkrankenhaus Kalwang der AUVA seit jeher besonders groß geschrieben", so Professor Pelinka.

Daher wurde schon vor mehr als zehn Jahren der Grundstein dafür gelegt, Qualitätsmanagement-Aktivitäten in den AUVA-Einrichtungen strukturiert durchzuführen. Zentral unterstützt die Abteilung Controlling und Koordination den Ärztlichen Direktor in seiner Funktion als QM-Beauftragten, dezentral sind in jedem Haus multiprofessionelle QM-Teams aktiv, die die konkrete QM-Arbeit in der Einrichtung im Auftrag der Kollegialen Führungen planen und koordinieren. Qualitätsmanagement ist Aufgabe des gesamten Krankenhauses von der Führung bis zu jedem einzelnen Mitarbeiter: im UKH Kalwang wird diese Anforderung in beispielhafter Form gelebt.

Für sein Qualitätssicherungsprojekt, welches unter Einbindung aller Bediensteten und der Patienten stattfindet und Schritt für Schritt abgearbeitet und umgesetzt wird, wurde das UKH Kalwang auch ausgezeichnet.

Nunmehr hat sich das obersteirische Spital einem so genannten KTQ-Zertifizierungsverfahren unterzogen. Beim KTQ-Verfahren (Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus) - einem von Krankenhausexperten in Deutschland entwickelten Verfahren - werden die Abläufe im gesamten Spital durchleuchtet und nicht nur einzelne Abteilungen herausgenommen. Zudem sollen die Leistungen des Krankenhauses für die Patienten transparenter gemacht werden.

Bewertet werden alle Schritte von der Aufnahme des Patienten bis hin zur Weiterbetreuung nach der Entlassung. Der Rahmen der Überprüfung spannt sich sogar über die Bewertung der Zuweiser sowie Lieferanten und schließt auch die Krankenhaus-Seelsorge nicht aus. "Mit dieser Zertifizierung ist es uns gelungen, sämtliche Arbeitsschritte bzw. Arbeitsabläufe in klinische Pfade festzulegen, die von allen Mitarbeitern nachvollzogen werden können, bzw. eine Mitverantwortlichkeit aller Berufsgruppen darstellen. Darüber hinaus wurden alle Prozesse, welche die Abläufe, die den Patienten betreffen - also von der Einweisung bis hin zur koordinierten Entlassung -bearbeitet, um einen reibungslosen Übergang in die häusliche Pflege sicher zu stellen", sagt der Ärztliche Leiter des UKH Kalwang, Primarius Karl Paul.

Schwerpunkte der Überprüfung sind somit die Bereiche Patientenorientierung, Mitarbeiterorientierung, Sicherheit im Krankenhaus für Patienten und Mitarbeiter,, Informationswesen, Krankenhausführung und Qualitätsmanagement, Datenschutz, Umweltschutz und wirtschaftliche Belange.

Insgesamt umfasst der Maßnahmenkatalog 72 Kriterien, der vom Team des UKH Kalwang (unter Federführung von Oberarzt Dr. Siegfried Zöhrer, Dr. Elisabeth Prelog-Igler und Diplomkrankenpfleger Peter Biela) in eineinhalbjähriger Arbeit bearbeitet wurde. Im ersten Schritt erfolgte eine kritische Selbstbewertung. Im zweiten Schritt überprüfte ein Expertenteam aus Deutschland die Qualitätskriterien.

Kritisch überprüft wurde, wie weit die im Selbstbewertungsbericht dargestellten Maßnahmen des Krankenhauses zur Sicherstellung einer optimalen Patientenversorgung tatsächlich vorhanden sind und praktiziert werden. Voraussetzung hiefür ist die Transparenz nach innen und außen - gemeint ist damit, dass alle Beteiligten die Abläufe (Behandlungen, Entscheidungen, Ergebnisse, Verbesserungspläne, etc.) des Krankenhauses klar nachvollziehen und verstehen können.

"Es ist besonders erfreulich, dass trotz der ständigen Diskussion über die Ressourcenknappheit und die Qualität im Gesundheitswesen Organisationen bereit sind, Leistungen zu erbringen, die deutlich über das in Österreich (heute) geforderte Ausmaß hinausgehen, um an der systematischen Verbesserung der Qualität in Krankenhäusern zu arbeiten. Organisationen, die bereit sind, ihre Ergebnisse nach innen und außen transparent darzustellen. Die KTQ Ges.mbH. gratuliert der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, dass sie mit dem UKH Kalwang ein solches Haus in ihren Reihen hat, und auf Führungskräfte und Mitarbeiter zurückgreifen kann, die so engagiert ans Werk gehen!", sagt Gesine Dannenmaier, Geschäftsführerin der deutschen KTQ GesmbH.

"Mit der Erreichung der Zertifizierung ist jedoch unsere Arbeit nicht abgeschlossen; in weiterer Folge werden und müssen wir daran arbeiten, eine Ergebnisqualität zu erreichen, um diese jederzeit präsentieren zu können", so Primarius Paul.

Das KTQ-Zertifikat für das Unfallkrankenhaus Kalwang hat eine Gültigkeit von drei Jahren. Danach wird das Spital neuerlich einer Überprüfung durch ein externes Expertenteam unterzogen.

"Die Landesdirektion Graz der AUVA ist stolz auf die Leistung aller 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die voller Freude und Schwung dieses große Ziel als erstes UKH der AUVA nach harten Anstrengungen erreicht haben. Es wird zu einer weiteren Verbesserung der Qualität der Patientenbetreuung beitragen", meint Rudolf Mayer.

"Das UKH Kalwang wurde nach dem KTQ-System zertifiziert, das von den Spitzenverbänden des Gesundheitswesens in Deutschland getragen wird und nach dem bereits 500 Krankenhäuser zertifiziert wurden. Dem UkH gilt besonderer Dank, dass es sich als Piloteinrichtung zur Verfügung gestellt hat", sagt die Leiterin der Abteilung Controlling und Koordination der medizinischen Einrichtungen der AUVA, Friederike Lackenbauer. Neben dem Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Ried ist Kalwang das zweite Spital in Österreich, das nunmehr dieses Qualitätszertifikat besitzt.

Was die AUVA von der privaten Unfallversicherung vor allem unterscheidet, ist ihr Engagement bei der Prävention, der Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Damit hat die AUVA wesentlich dazu beigetragen, dass laut jüngst veröffentlichtem Fehlzeitenreport die Unfallhäufigkeit zwischen 1974 und 2005 um 44 Prozent gesunken ist.

Das Besondere an der AUVA ist, dass ihre vier Kernaufgaben, also die Prävention, die Unfallheilbehandlung, die Rehabilitation und die finanzielle Entschädigung, aus einer Hand kommen. Dadurch entsteht ein hoher synergetischer Nutzen: "Denn was wir an Unfällen verhüten, brauchen wir nicht zu behandeln. Und je besser wir Unfallopfer behandeln, desto weniger müssen wir für deren Rehabilitation und finanzielle Entschädigung aufwenden", so Professor Pelinka.

Darum hat die Unfallheilbehandlung der AUVA seit Professor Lorenz Böhler einen besonders hohen Stellenwert. Prof. Böhler schlug dem damaligen Leiter der Arbeiterunfallversicherung vor, "durch planmäßige Behandlung Frischverletzter die Anzahl und die Höhe der Ausgaben für vorübergehende oder dauernde Renten um 50 bis 70 Prozent herabzusetzen". - Bereits ein Jahr nach der Eröffnung des ersten Unfallkrankenhauses im Jahr 1925 waren die Errichtungskosten und die gesamten Betriebskosten des Krankenhauses durch Renteneinsparungen abgedeckt.

Über die AUVA: Soziale Unfallversicherung für rund 4,4 Millionen Versicherte

Bei der AUVA sind rund 4,4 Mio. Personen gesetzlich gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert: 1,2 Mio. Arbeiter, 1,5 Mio. Angestellte, 370.000 Selbstständige sowie 1,3 Mio. Schüler und Studenten. Die AUVA finanziert ihre Aufgaben als soziale Unfallversicherung überwiegend aus Pflichtbeiträgen der Dienstgeber. Diese zahlen 1,4 Prozent der monatlichen Bruttolohnsumme jedes Dienstnehmers (bis zur Höchstbeitragsgrundlage von 3.930,00 Euro) als Unfallversicherungsbeitrag ein.

Prävention ist die vorrangige Kernaufgabe der AUVA, weil sich damit das Schadensgeschehen ursächlich beeinflussen lässt. Prävention, also die Verhütung von Unfällen und die Vorbeugung von Berufskrankheiten, senkt die Kosten für die Heilbehandlung, die Rehabilitation und die finanzielle Entschädigung von Unfallopfern am wirksamsten. Die AUVA hat sich daher nie als "Verwalter" von Arbeitsunfällen betrachtet oder sich darauf beschränkt, "nur" die Haftung der Arbeitgeber im Falle von Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten zu übernehmen. Die AUVA hat es immer als ihre vorrangige Aufgabe angesehen, aktiv und offensiv Arbeitsunfälle zu verhüten: etwa durch intensive Aufklärung über Gefahren am Arbeitsplatz, Information oder Motivation der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, durch Forschung oder durch vorbeugende Betreuung von besonders bedrohten Versicherten. In die Säule Prävention wurden 2006 rund 56 Mio. Euro investiert.

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